Meckern erlaubt!

Der Itinger Thomas Zbinden hält «tierische Rasenmäher»: Er vermietet seine Ziegen an Bauern und Gärtner in der Region, die ein schwieriges Stück Land zu pflegen haben. Von diesem Angebot profitiert Biolandwirt Roland Berger aus Waldenburg – die gefrässigen Tiere nehmen ihm eine zeitraubende und oft auch gefährliche Handarbeit mit grossem Appetit ab.

Eingespielt

Teamwork aus dem Baselbiet

Zusammen Ideen entwickeln, gegenseitig Stärken nutzen und gemeinsam ein Ziel verfolgen. Mit dieser Formel spannen Menschen aus dem Baselbiet erfolgreich zusammen. Wir haben vier eingespielte Teams besucht, die dank gegenseitigem Vertrauen und kreativer Ideen gemeinsam weiterkommen.

Im geschichtsträchtigen Unternehmen Kestenholz sorgen drei Generationen zusammen für einen reibungslosen Betrieb und widmen sich ihrer grossen Leidenschaft: Schönen Autos. In der Jobfactory in Basel fliegen die Späne, wenn eine junge Frau auf Lehrstellensuche gemeinsam mit einem erfahrenen Schreiner eine ganze Küche zimmert. Auf dem Hof der Familie Rickenbacher züchten Vater und Sohn in einem umgebauten Kuhstall Fische und liefern diese fangfrisch ins benachbarte Restaurant «Rössli». Ein aussergewöhnliches Team haben wir auch in Waldenburg getroffen: Bei der Pflege der steilen Hänge macht dort ein Biobauer gemeinsame Sache mit einem Ziegenverleiher und dessen 19 «Pro Specie Rara»-Ziegen.

Eine vertrauenswürdige Partnerin sein, die eigenen Stärken einbringen und gemeinsam Lösungen finden sind auch Eigenschaften, die für die BLKB stehen. Wir bringen unsere Region weiter – das ist unser Leistungsauftrag.

Gemütlich stützt sich Landwirt Roland Berger auf seine Handmähmaschine. Heute muss er sie nicht anwerfen, denn die grossen Rasenmäher machen die Arbeit von ganz alleine. Flink bewegen sie sich auf dem kleinen Wiesenstück umher, fräsen sich durch Sanddornbüsche und Brombeersträucher – und bewältigen das unebene, hügelige Terrain an diesem steilen Hang ob Waldenburg scheinbar mühelos. Hightech? Mitnichten! Bei den Rasenmähern handelt es sich um die Ziegen des Itingers Thomas Zbinden. Sie sorgen ganz ohne Chemie dafür, dass der Wald nicht zu weit vordringt und Bauer Bergers Land überwuchert. Ein Einblick in ein ganz besonderes Teamwork am Rande des Baselbiets. Seit über 30 Jahren führt Roland Berger den Biohof «Sennhaus». 12 Kühe grasen durchs Jahr an den wunderschönen steilen Matten am Osthang ob Waldenburg. Dünger sucht man auf dem Land des Mannes mit dem eindrucksvollen Bart vergebens. «Schon mein Vater hat nie Chemie eingesetzt, und auch ich bin der Überzeugung, dass es ohne gehen muss.» Die Überzeugung bringt auch ihre Tücken mit sich: Links und rechts ist Bergers Land von Wald gesäumt, der sich konstant ausbreitet und seinen Boden verkleinert. Jahrelang hat er die aufkeimenden Bäume auf den steilen Wiesenstücken von Hand abgemäht. Eine zeitraubende Arbeit. Eine, die anders gehen musste – also tat er sich 2010 mit Thomas Zbinden zusammen.

Die Lösung trägt zwei Hörner

In Zusammenarbeit mit dem Natur- und Vogelschutzverein Waldenburg habe man damals getestet, ob man den Wald auch mit Ziegen im Zaum halten könne, sagt der grossgewachsene Zbinden. «So hat die Zusammenarbeit zwischen mir und Roland angefangen.» Nach zwei Jahren wurde das Pilotprojekt abgeschlossen, doch Berger engagierte den Ziegenbesitzer jedes Jahr aufs Neue. «Die Geissen nehmen mir einen mühsamen und zeitraubenden Teil der Arbeit ab», sagt Berger. «Dafür nehme ich den finanziellen Aufwand in Kauf.» Mittlerweile verbringen Zbindens Ziegen 110 Tage pro Jahr bei Berger. Dabei muss Zbinden alle paar Wochen das Gebiet umhagen, damit die Ziegen dort grasen, wo sie sollen. Berger seinerseits muss ab und zu mit dem Handmäher nachbessern, denn allzu grosse Büsche lassen die wählerischen Tiere stehen.

Bis die Polizei kommt

Der gelassene Ziegenbesitzer aus Itingen ist eigentlich gar nicht Tierzüchter oder Landwirt, sondern Hauswart an einer Liestaler Schule. Die Landwirtschaft habe ihn aber schon immer fasziniert, erzählt er. «Als Kind habe ich jede freie Minute bei Freunden oder Verwandten auf dem Bauernhof verbracht.» Vor rund zehn Jahren hätten seine Frau und er deshalb beschlossen, vier Ziegen anzuschaffen, um verschiedene Ideen zu verwirklichen. Sie gründeten in Itingen etwa eine Bauernhofspielgruppe, führten mit Schulklassen Ziegen-Trekkings durch – und vermieteten sie, wie bei Berger, zunehmend an Bauern oder Landschaftsgärtner. Ziegen – eine rundum unkomplizierte Angelegenheit? Zbinden lacht laut auf. «Wenn du keine Probleme im Leben hast, dann schaff dir Geissen an!» Es seien tolle, neugierige Tiere, aber sie hätten einen ausgeprägten Charakter. «Einmal sind sie ausgebüxt und runter nach Waldenburg gelaufen.» Zbinden und Berger grinsen sich an. Bei einem anderen Kunden hätten sie sich durch eine Lärmschutzwand gezwängt und auf dem Pannenstreifen der Autobahn weitergegrast. «Die Polizei hat mich dann darüber informiert», sagt Zbinden und schüttelt lachend den Kopf. Trotz dieser Eskapaden sind ihm die Tiere ans Herz gewachsen. Mittlerweile zählt sein Rudel 19 Ziegen, neben Waldenburg grasen sie in Itingen, Sissach, Zunzgen, Ziefen und Rothrist. Alle Tiere sind «Pro Specie Rara»-Rassen – also solche, die vom Aussterben bedroht sind. Für ihren Besitzer sind sie mehr als bloss Nutzvieh. «Mir ist wichtig, dass sie an ihrem Einsatzort gut aufgehoben sind», sagt Zbinden, der allen Tieren einen Namen gegeben hat.

Mehr Zeit zum Träumen

Es sind Aufträge wie diese, mit denen sich Thomas Zbinden seinen Kindheitstraum von der Landwirtschaft verwirklicht. Und wovon träumt Roland Berger, wenn er sich in einer freien Minute auf seinen Handmäher gestützt ausruht? «Ich würde gerne Amerika bereisen. Und Australien sehen. Es wäre schon toll, die Landschaften nicht nur im Fernsehen zu sehen und einmal für zwei, drei Monate wegzugehen.» Doch freie Tage sind in einem Landwirtschaftsbetrieb rar – Berger und seine Frau haben acht Jahre gebraucht, bis sie endlich ihre Hochzeitsreise nach Paris gemacht haben, erzählt er lachend und lässt seinen Blick wieder über die weichen Baselbieter Hügel schweifen. Immerhin: Dank dem Teamwork mit Thomas Zbinden bleibt wenigstens etwas mehr Zeit zum Träumen.