Aus dem richtigen Holz geschnitzt

Bohren, sägen, leimen: Die 17-jährige Sabrina Crameri stellt in der Jobfactory Basel Küchen her und wird dabei von Axel Bauer betreut – einem gestandenen Schreiner, dem das Arbeiten mit Holz in die Wiege gelegt worden ist. Einblick in ein Teamwork, an dessen Ende eine Lehrstelle steht.

Eingespielt

Teamwork aus dem Baselbiet

Zusammen Ideen entwickeln, gegenseitig Stärken nutzen und gemeinsam ein Ziel verfolgen. Mit dieser Formel spannen Menschen aus dem Baselbiet erfolgreich zusammen. Wir haben vier eingespielte Teams besucht, die dank gegenseitigem Vertrauen und kreativer Ideen gemeinsam weiterkommen.

Im geschichtsträchtigen Unternehmen Kestenholz sorgen drei Generationen zusammen für einen reibungslosen Betrieb und widmen sich ihrer grossen Leidenschaft: Schönen Autos. In der Jobfactory in Basel fliegen die Späne, wenn eine junge Frau auf Lehrstellensuche gemeinsam mit einem erfahrenen Schreiner eine ganze Küche zimmert. Auf dem Hof der Familie Rickenbacher züchten Vater und Sohn in einem umgebauten Kuhstall Fische und liefern diese fangfrisch ins benachbarte Restaurant «Rössli». Ein aussergewöhnliches Team haben wir auch in Waldenburg getroffen: Bei der Pflege der steilen Hänge macht dort ein Biobauer gemeinsame Sache mit einem Ziegenverleiher und dessen 19 «Pro Specie Rara»-Ziegen.

Eine vertrauenswürdige Partnerin sein, die eigenen Stärken einbringen und gemeinsam Lösungen finden sind auch Eigenschaften, die für die BLKB stehen. Wir bringen unsere Region weiter – das ist unser Leistungsauftrag.

Der Geruch von Holz liegt in der Luft, es ist lautes Hämmern zu hören und in der Werkstatt kreischen die Sägen. Sabrina Crameri lässt sich davon nicht ablenken. Konzentriert streicht die junge Frau den Leim auf die Holzelemente, die sie auf der Werkbank vor sich liegen hat. Sie fügt die Teile zusammen und drückt den grossen Knopf, der die Presse aktiviert. «Holz ist ein tolles Material», sagt die 17-Jährige, während sie die Leimreste an den Kanten wegputzt. «Ein schöner, vielseitiger, lebendiger Werkstoff.»

Seit vergangenem Herbst macht die Oberwilerin ein Berufspraktikum bei der Jobfactory in Basel. «Bei uns haben junge Menschen ohne Lehrstelle die Möglichkeit, in 19 verschiedene Arbeitsbereiche hineinzuschnuppern», sagt Helene Schepperle, Marketingfachfrau bei der Jobfactory. Sie können etwa in Kreativberufen Erfahrungen sammeln, in der Gastronomie tätig sein, in Handwerksbetrieben, oder in technischen Bereichen mitarbeiten. Sechs Monate dauert das Praktikum im Schnitt und die Praktikantinnen und Praktikanten erhalten dafür einen Lohn. In den Praktika der Jobfactory sammeln die Jugendlichen nicht nur Berufserfahrung im ersten Arbeitsmarkt, sondern erhalten auch Unterstützung im Bewerbungsprozess und besuchen die Schule. Dank des Sponsorings der BLKB (Jobs for Juniors) kann die Begleitung von Jugendlichen aus der Region durch das Coaching gewährleistet werden. «Das Hauptziel ist, dass die Jugendlichen am Ende eine Lehrstelle haben», sagt Helene Schepperle.

In der Schreinerei an der Grenze zu Münchenstein – einer der Betriebe der Jobfactory – werden «Davidküchen» hergestellt – massgeschreinerte Küchen, die komplett in der Schweiz produziert werden. Einer, der für die Qualität dieser Küchen verantwortlich ist, heisst Axel Bauer. Der ruhige Mann ist Teamleiter und der Vorgesetzte von Sabrina Crameri. Die beiden arbeiten eng zusammen, denn die Berufspraktikantinnen und -praktikanten erhalten im Küchenbau eine Eins-zu-eins-Betreuung.

Kindheit an der Hobelbank

Die Arbeit mit Holz sei ihm in die Wiege gelegt worden, sagt Axel Bauer. «Mein Grossvater und mein Vater waren beide Schreiner, ich bin in unserem Familienbetrieb gross geworden.» Schon als Kind habe er in der Werkstatt mitgeholfen und sei auf Baustellen mitgegangen. So ist es kein Wunder, dass auch er eine Schreinerlehre gemacht hat und sich auch heute keinen anderen Beruf vorstellen kann. Selbst in seiner Freizeit bastelt er Musikinstrumente aus Holz – mittlerweile mit seinem eigenen Sohn.

Diese Leidenschaft sei spürbar und färbe auf sie ab, sagt Sabrina Crameri. «Axel ist geduldig und arbeitet exakt – das gefällt mir sehr an ihm.» Er wiederum lobt ihre hohe Eigenmotivation und ihr Durchhaltevermögen. «Das habe ich besonders am Anfang gebraucht», sagt Sabrina Crameri. «Einmal musste ich ein Eckmöbelbeschlag zusammensetzen, doch ich habe alles falsch gemacht.» Axel Bauer und Sabrina Crameri sehen sich an und lachen. «Zu wenig stark angezogen, falsch gebohrt, falsch verschraubt – ich war kurz vor dem Verzweifeln. Dann habe ich alles nochmals auseinandergenommen, und plötzlich hat es geklappt.»

Einzige Frau im Männerbetrieb

So gut das Verhältnis zwischen den beiden ist – am Anfang hatte Axel Bauer «schon etwas Zweifel», ob Sabrina Crameri den Schreinerberuf körperlich packen würde. «Man muss viel schleppen und körperlich belastbar sein», sagt er. Sie belehrte ihn innert kurzer Zeit eines Besseren. «Ich habe zwar nicht mehr Muskeln als die, die ich habe – aber das, was ich tragen kann, trage ich gerne», sagt Sabrina Crameri – die einzige Frau in der Schreinerei von «Davidküchen». Sie fügt nicht ohne Stolz an, dass sie mittlerweile ziemlich an Muskeln zugelegt habe.

Auch an Axel Bauer geht der Kontakt mit den «Juniors», wie die Praktikantinnen und Praktikanten genannt werden, nicht spurlos vorüber. In den zehn Jahren, in denen er bei der Jobfactory arbeitet, hat er rund zwanzig Jugendliche betreut. «Es ist anspruchsvoll, sich immer wieder auf neue Menschen und Persönlichkeiten einzustellen – aber es ist auch sehr belohnend», sagt er. Die offene, kommunikative Art von Sabrina beispielsweise habe bei ihm, der tendenziell eher ein verschlossener Mensch sei, etwas ausgelöst.

Zeitsprung. Seit dem ersten Treffen mit Axel Bauer und Sabrina Crameri sind einige Wochen vergangen. Und schon trägt das Teamwork Früchte: «Im Sommer 2018 kann ich eine Lehre in einer Muttenzer Schreinerei beginnen», sagt Sabrina Crameri freudig. «Ich habe mich so gefreut – ich bin fast in Tränen ausgebrochen.» Bereitet es Axel Bauer keine Mühe, dass er seine Schützlinge – kaum hat er sie kennengelernt – schon wieder gehen lassen muss? «Für mich ist der Moment, in dem sie eine Lehrstelle bekommen, ein absolutes Highlight», sagt er. «Da überwiegt das Positive.»