Der Herzschlag des Waldenburgertals

Tobias Schmid
Tschudin + Heid AG

Peter Mangold
Emil Mangold AG

Eduard Fussinger
E. Fussinger AG

Adrian Tschopp
Rero AG

Rolf Fussinger
Emil Mangold AG

Thomas Tschopp
Rero AG

Das Waldenburgertal hat eine geschichtsträchtige Vergangenheit. In der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Zentrum der Uhrenindustrie im Baselbiet aufgestiegen, tickte und tackte die Industrie unablässig. Hunderte Menschen fanden im Tal Arbeit, das Waldenburgertal gab sprichwörtlich den Takt vor.

Wer heute durch das enge Tal hochfährt, kann den Glanz dieser Ära nur noch erahnen. Viele Firmen sind abgewandert, und das Tal wirkt stellenweise so, als habe es nach den Anstrengungen der Industrialisierung nicht wieder zu neuen Kräften gefunden.

In manchen Firmen aber schlägt das Herz des Waldenburgertals noch immer, der Puls ist beständig und von beharrlicher Kraft. Hinter diesen Fabrikmauern wird seit Jahren gefräst, gestanzt, geschliffen, veredelt und gedreht. Es sind alteingesessene Familienunternehmen aus der Metallverarbeitung und -veredelung, die dem Waldenburgertal die Treue halten und in dem Tal nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen sehen.

Original Baselbiet

Eine Vision haben, unternehmerisch handeln, gemeinsam stark und innovativ sein – und dabei die eigenen Wurzeln kennen. Diese Eigenschaften machen die Stärke des Baselbiets aus. Das ist original Baselbiet.

In fünf Porträts zeigen wir Baselbieterinnen und Baselbieter, die unsere Region mit besonderem Erfindergeist, innovativen Ideen und grossem Engagement weiterbringen.

Denn visionär sein, zusammenarbeiten und unternehmerisch und innovativ sein – das sind auch die Eigenschaften, für die die BLKB stehen. Wir wollen unsere Region weiterbringen – das ist unser Leistungsauftrag.

Aus dieser Metallverarbeitungsbranche haben sich sechs Männer vor zwei Jahren zusammengetan, um ihren Firmen und dem Tal eine Zukunft zu geben. Inspiriert von der Idee einer gemeinsamen Bekannten, trafen sich Thomas und Adrian Tschopp von der Rero AG, Tobias Schmid von der Tschudin + Heid AG, Peter Mangold und Rolf Fussinger von der Emil Mangold AG sowie Edi Fussinger von der Eduard Fussinger AG auf ein Bier. Obwohl das Tal recht engmaschig ist, manch ein Fussinger bei Mangold arbeitet und der Name Tschopp mehr als eine Seite im Telefonbuch füllt, war es kein Bier unter alten Bekannten. Am Tisch sass nämlich die junge Generation alteingesessener Familienbetriebe, die bisher eher diskret miteinander verkehrt hatten. Wohl kannte man sich, doch wusste trotzdem keiner so recht, was der andere eigentlich tut. Und wie man sich vielleicht gar gegenseitig nützen könnte.

Aus dem Bedürfnis heraus, im Tal gemeinsam grösser zu denken und sich zu vernetzen, sass man also da, bei diesem Bier. Und merkte schnell: Die Sympathien stimmen und die Ziele sind die gleichen. In den darauffolgenden Wochen organisierte man eine Firmen-Tour durchs Tal, begann zuoberst und endete zuunterst, jeder zeigte den anderen seine Produktionsstätten. Zeigte, welche Maschinen er verwendet, wie die Abläufe in der Firma funktionieren, und wie lange die Rauchpausen dauern. Und schon war man mittendrin im gegenseitigen Austausch.

Es sind nämlich die scheinbar trivialen Dinge, mit denen sich die Firmen gegenseitig weiterhelfen. So hat Rolf Fussinger von der Mangold AG bei Tobias Schmid von Tschudin + Heid etwa gesehen, wie wertschätzend es daherkommt, wenn bei der Maschine das Bild des Arbeiters hängt und signalisiert: Das ist meine Maschine, hier bin ich verantwortlich. «Das haben wir bei uns in ähnlichem Stil übernommen», sagt Rolf Fussinger. Und Thomas Tschopp von der Rero war froh, von Eduard Fussinger Tipps zu erhalten, wie die Kosten im grenzüberschreitenden Warenverkehr reduziert werden können.

Die Zusammenarbeit hat immer mehr Früchte getragen. «Wir organisieren gemeinsame Warentransporte, damit nicht jeder einen halbleeren Lastwagen losschicken muss», sagt Adrian Tschopp, Mitglied der Rero-Geschäftsleitung. «Oder wir schleifen und walzen ein Teil für die Tschudin + Heid», gibt Edi Fussinger von der Eduard Fussinger AG ein Beispiel. Auch zu Fragen der Altlastensanierung, der Erfüllung von Umweltvorschriften oder der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ihrer Branche tauschen sie sich bei ihren Treffen gerne aus. Denn es sind genau diese Fragen, mit denen sich bisher jeder im Tal ein wenig allein gelassen fühlte. «Frühere Generationen waren noch zurückhaltender, wenn es darum ging, sich in die Karten blicken zu lassen», sagt Tobias Schmid von Tschudin + Heid.

Das bisher grösste Projekt dieser Zusammenarbeit ist ein Auftritt an der Swisstech in Basel, der wichtigsten Fachmesse der Metallwarenbranche. Tschudin + Heid, Mangold AG und Eduard Fussinger AG teilen sich einen Stand und profitieren gleich mehrfach: «Wir können uns einen schönen Stand leisten», sagt Peter Mangold von der Mangold AG, «können uns die Kosten teilen und uns eventuell auch Anfragen weiterreichen». Spätestens bei dieser Aussage wird klar, dass die vier Firmen dieses Konglomerats eben keine Konkurrenten sind, sondern in derselben Branche der Metallverarbeitung und -veredelung einen anderen Bereich besetzen.

Dass ein solches Zusammengehen funktioniert, ist dennoch bemerkenswert. Und es ist vom Wunsch aller Parteien getragen, den Firmen im Waldenbugertal eine Zukunft zu geben. Und die Maschinen auch künftig am Stanzen, Fräsen und Drehen zu halten.

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