Erfindergeist der dritten Dimension

Mechanisch zieht der 3D-Drucker seine Linien, fährt vor und zurück, springt präzise an einen neuen Punkt. Mikroskopisch feine Düsen stossen dünne Schichten Kunststoff aus und ziehen exakte Formen auf eine Glasplatte. Schicht für Schicht entsteht das Produkt. Sebastian Pfirter folgt dem Ablauf mit wachem Blick, er scheint zufrieden.

Seit vier Jahren betreibt Sebastian Pfirter die Designerei in Liestal, ein Atelier für Industriedesign auf dem Hanro-Areal. Der 32-jährige gelernte Hochbauzeichner und Industriedesigner erfindet und verbessert Produkte für Industriefirmen, die später seriell gefertigt werden. Das Herzstück seiner Firma sind 3D-Drucker, die er selbst gebaut und über mehrere Gerätegenerationen weiterentwickelt hat.

Original Baselbiet

Eine Vision haben, unternehmerisch handeln, gemeinsam stark und innovativ sein – und dabei die eigenen Wurzeln kennen. Diese Eigenschaften machen die Stärke des Baselbiets aus. Das ist original Baselbiet.

In fünf Porträts zeigen wir Baselbieterinnen und Baselbieter, die unsere Region mit besonderem Erfindergeist, innovativen Ideen und grossem Engagement weiterbringen.

Denn visionär sein, zusammenarbeiten und unternehmerisch und innovativ sein – das sind auch die Eigenschaften, für die die BLKB stehen. Wir wollen unsere Region weiterbringen – das ist unser Leistungsauftrag.

Die verrückte Idee, einen solchen Drucker selbst zu bauen, kam ihm während seiner Arbeit bei der Uhrenfabrik Oris in Hölstein, bei der er während vier Jahren als Uhrenentwickler tätig war «Ich hatte beim Arbeiten oft das Bedürfnis, meine Ideen möglichst schnell aus der virtuellen Welt in die reale Welt zu holen und so einen ersten Testlauf machen zu können», sagt Pfirter. Also liess er sich im Internet von den Anleitungen anderer Tüftler inspirieren und baute in 300 Stunden Arbeit an Abenden und Wochenenden seinen ersten 3D-Drucker. «Sehr zum Leidwesen meiner Freundin», lacht Pfirter. «Ich war oft tagelang in meiner Werkstatt absorbiert, die Idee hat mir keine Ruhe mehr gelassen.»

Sebastian Pfirter liegt das Tüfteln und Handwerken im Blut. Schon als Kind baute er lieber Pfeilbogen und Steinschleudern, statt mit der Playstation zu spielen. Mit zwölf Jahren erhielt er seine eigene Akkubormaschine, und als später ein Schweissgerät dazu kam, war es um ihn geschehen. Mit seinem jüngeren Bruder schweisste er in der Werkstatt Go Karts neu zusammen, zerlegte alte Kassen, baute ferngesteuerte Schiffe, schraubte Videogeräte auseinander, und wollte dabei immer wissen, wie die Dinge im Innern funktionieren. «Es fasziniert mich, herauszufinden, wie ein Produkt technisch gelöst ist. Noch heute sauge ich diese Informationen auf wie ein Schwamm.» So nimmt Pfirter auch heute noch Geräte vom Schrottplatz mit nach Hause, um deren Innenleben zu erkunden, und seine Neugierde nach dem Funktionieren der Dinge zu stillen. «Es war als Kind tatsächlich mein Traum, Erfinder zu werden.»

In Sebastian Pfirters Atelier haben sich die Schichten auf der Glasplatte des 3D-Druckers unterdessen verdichtet, im Hintergrund ist noch immer ein leises Surren zu hören. Allmählich wird das Objekt erkennbar: Es ist ein Mikroskopaufsatz für Smartphones, eine Eigenkreation. Vor ein paar Jahren sah Pfirter im Internet, wie jemand mit einer Linse in einer sperrigen Vorrichtung und einem Handy Mikroskopaufnahmen machte. «Ich war fasziniert von der Idee, eine Mikroskoplinse auf die Handykamera aufzusetzen. Doch ich dachte mir: Das Ganze müsste doch handlicher sein!»

Sein Tüftlergeist war geweckt und so bestellte er sich im Internet diverse Linsen, entwickelte Vorrichtungen, und zeigte seinen Freunden beim Bier den ersten Prototypen. Als diese ihren Bierdeckel durchs Handy in x-facher Vergösserung sahen, waren sie so fasziniert, dass sie den Mikroskopaufsatz sofort bestellten. Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte – heute bestreitet Sebastian Pfirter etwa einen Drittel seines Geschäftsumsatzes mit dem Handymikroskop. Sein 3D-Drucker spielt auch da eine zentrale Rolle. Pfirter stellt das Mikroskop komplett selbst her, er druckt es einfach aus. «So bin ich enorm flexibel und kann das Modell jederzeit anpassen.»

Angst, dass jemand seine Ideen kopiert, hat er keine. «Wenn ich kopiert werde, dann nehme ich dies als Kompliment.» Und bis die Konkurrenz soweit ist, nutzt er die Zeitspanne, um zu produzieren. «Und wenn es soweit ist, erfinde ich wieder etwas Neues.» Sein Kopf ist voller Ideen, die auf eine Umsetzung warten. Stets wichtig ist ihm dabei, dass das Material sinnvoll genutzt und wenn möglich rezykliert wird. So auch beim Handymikroskop. Dieses ist aus Kunststoff auf Basis von Maisstärke gefertigt und lässt sich in einer Industriekompostanlage sogar kompostieren.

Daniela Dill ist Spoken-Word-Autorin und mischt seit einigen Jahren mit Auftritten, Lesungen und Workshops die Poetry-Slam-Szene auf. Und dies, obwohl sie sich lange Zeit nicht auf die Bühne getraute.

Zur Geschichte

Nadja Schütz aus Liestal studiert Agrarwissenschaften und produziert das erste und einzige Schweizer Popcorn. Die Vision der Bauerntochter: Mehr Wert aus der lokalen Landwirtschaft schöpfen.

Zur Geschichte

Sebastian Pfirter wollte schon als Kind Erfinder werden. Seit vier Jahren tüftelt er in seiner Designerei in Liestal unter anderem an 3D-Druckern, die er mit seinen bestehenden Geräten gleich selber ausdruckt.

Zur Geschichte

Andreas Drost aus Zwingen entwickelt Roboter, die etwa dem Spitalpersonal zur Hand gehen. Der Schnelldenker mit südbadischen Wurzeln hat im Laufental seine Heimat gefunden und vermarktet seine Erfindung weltweit.

Zur Geschichte

Sechs Männer aus vier Firmen haben eine gemeinsame Vision fürs Waldenburgertal. Um die Herausforderungen der heutigen Zeit stemmen zu können, arbeiten sie eng zusammen, tauschen sich aus und nutzen Synergien.

Zur Geschichte

Der Kolben fällt nicht weit vom Halm

Nadja Schütz aus Liestal produziert das erste und einzige Schweizer Popcorn. Die Bauerntochter und Studentin der Agrarwissenschaften hat mit Studienkollegen ein Projekt entwickelt, das Baselbieter Popcorn hervorbringt. Ein Porträt über eine innovative junge Frau mit der Vision, aus der lokalen Landwirtschaft wieder mehr Wert zu schöpfen.

Zur nächsten Geschichte