Die Wortakrobatin

Zwei Gestalten purzeln aus einem Hubschrauber. Die eine ist ein zurückhaltender Denker, der sich zunächst einmal hinsetzt und überlegt, wohin die Reise gehen könnte. Der anderen Gestalt, einem extrovertierten Schreiber, ist das zu langweilig. Ungestüm stürzt er sich in den Dschungel der Phantasie – und eine wilde Reise beginnt.

Genauso voll mit Tatendrang wie der Schreiber in ihrer Geschichte scheint auch deren Erfinderin zu sein. Die 34-jährige Baselbieterin Daniela Dill ist Spoken-Word-Autorin und mischt seit einigen Jahren die Poetry-Slam-Szene auf: Hier ein Auftritt in Basel, da eine Lesung in Schaffhausen, dort ein Workshop in Luzern. Ob am Radiomikrofon oder im Scheinwerferlicht: Sie geizt mit ihrem Einsatz nicht, gestikuliert, verzieht das Gesicht zu Grimassen, verstellt die Stimme, zieht das Publikum in ihren Bann. Daniela Dill scheint für die Bühne geboren.

Doch – so einfach ist das nicht. «Ich habe erst mit 22 angefangen, Theater zu spielen, weil ich mich während der Schulzeit nie getraut habe», sagt eine andere, zurückhaltende Daniela Dill. Und plötzlich hat sich der unbekümmerte Schreiber verzogen und der Denker ergreift das Wort, hier, im Wohnzimmer ihrer Altbauwohnung in der Stadt. Sie habe zwar schon als Kind Geschichten geliebt, habe alle ihre Märchenkassetten auswendig gekonnt. Habe als Mädchen ihre Familie bei «Wetten Dass» mit Showeinlagen unterhalten. Aber alles im geschützten Rahmen, zuhause in Lausen, wo sie aufgewachsen ist. Vor ein richtiges Publikum hätte sie sich nie gewagt.

Original Baselbiet

Eine Vision haben, unternehmerisch handeln, gemeinsam stark und innovativ sein – und dabei die eigenen Wurzeln kennen. Diese Eigenschaften machen die Stärke des Baselbiets aus. Das ist original Baselbiet.

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Es war auf einem bronzenen Schwein vor dem Münchner Jagdmuseum, während der Maturareise, als der Schreiber in ihr plötzlich erwachte und das Abenteuer suchte. «Nach einem Abend im Hofbräuhaus sind wir zu zweit auf diese Sau geklettert und haben Goethes ‹Erlkönig› inszeniert», erzählt sie mit funkelnden Augen. Die Leute seien stehengeblieben und hätten geklatscht. «Das war der Anfang», sagt Daniela Dill. Denn danach wagte sie sich plötzlich auf die Bühne. Während ihrem Deutsch- und Französischstudium spielte sie zunächst in Aarau Theater. Bald performte sie ihre Goethe-Gedichte aber auch an der Offenen Bühne des Deutschen Seminars in Basel.

«Eines Abends sass dort ein Poetry Slammer im Publikum», erzählt sie. Ein Vertreter jener Mischung aus Lesung und Theater also, bei der alle mitmachen können und sich Texte um die Ohren hauen. Er lud sie zu einem Slam nach Aarau ein: «Ich stand da und war vom Rhythmus fasziniert, von den Reimen – und dass man seine eigenen Geschichten schreiben und auch gleich noch performen durfte.» Noch in derselben Nacht habe sie ihren ersten eigenen Text geschrieben: «Mit dem Steckenpferd im Windkanal». Heute möchte sie ihn nicht mehr vorlesen. Als sie ihn vor zehn Jahren in Zürich zum ersten Mal vortrug, öffnete er aber eine Tür in diese neue Welt.

So, wie der Schreiber in ihrer Geschichte immer tiefer in den phantastischen Regenwald eintaucht, liess auch sie sich auf die Reise ein und schrieb fortan Geschichten über unzufriedene Geissen, unmögliche Globetrotter und platonische Beziehungskrisen mit Kafka. Ihre Texte sind lustig, nachdenklich, kritisch, philosophisch, voller Wortwitz, Reimen, Rhythmen. «Am Anfang steht oft ein Wortspiel. Dann fange ich an zu schreiben, ohne zu wissen, wo die Geschichte endet.»

Sie tingelte von Bühne zu Bühne, schlief in Hotels, feilte in Cafés an ihren Texten und wurde zu einem Teil der Szene, der «Slamily». «Zeitweise habe ich die Slam-Kolleginnen und -Kollegen mehr gesehen als meine privaten.» Mit der Organisation des Slam Basel, eines zweimonatlich stattfindenden Wettbewerbs im Basler SUD, half sie mit, eine regionale Szene aufzubauen. Dafür und für ihre «überdurchschnittlich guten Texte», wie es in der Begründung heisst, wurde sie 2010 mit dem Kulturförderpreis Baselland ausgezeichnet.

Doch – so, wie der Schreiber bei seiner Tollerei durch den Urwald plötzlich an eine «Urgestalt» gerät, die ihn fesselt und in einen Kochtopf steckt, genauso hatte auch Daniela Dill plötzlich das Gefühl, sich «verzettelt» zu haben, wie sie sagt. Tatsächlich nahm in den vergangenen Jahren neben dem Schreiben das Organisieren und Moderieren von Lesungen einen immer grösseren Stellenwert ein, zuletzt bei ihrer Anstellung im Dichter- und Stadtmuseum Liestal.

In ihrer Geschichte taucht plötzlich der Denker auf – und hilft dem Schreiber aus dem Kochtopf. Und so hat auch sie ihren Job gekündigt und ist im Winter nach Paris ausgezogen. «Ich muss mich einmal aus allem herausnehmen und herausfinden, wie es mit mir und dem Schreiben weitergeht», sagt sie. Und das passt wiederum zu der Geschichte. Dort heisst es am Schluss über Denker und Schreiber: «Welch Ausgang die Geschichte nahm? Das weiss ich nicht. Wer brauchts zu wissen. Doch gingen sie vom Schrecken an im Wechselschritt zwischen Denken und Schreiben und Schreiben und Denken. So kamen sie Tritt für Tritt irgendwann am Ende an.»

Daniela Dill ist Spoken-Word-Autorin und mischt seit einigen Jahren mit Auftritten, Lesungen und Workshops die Poetry-Slam-Szene auf. Und dies, obwohl sie sich lange Zeit nicht auf die Bühne getraute.

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