Macht die Pandemie die industrialisierte Welt nachhaltiger?

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Eine Nation nach der anderen beginnt, die Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus zu lockern. Doch auch wenn wir teilweise zur Normalität zurückfinden, wird die Welt nach Corona nicht dieselbe sein. Vielleicht erreicht dieses Virus sogar etwas, was die Regierungen und die Klimajugend bisher nicht schafften: Es führt uns zu einer nachhaltigeren Lebensweise.

Internationale Lieferketten in Frage gestellt

Die Coronakrise hat uns einige der negativen Aspekte der Globalisierung sehr eindrücklich aufgezeigt. Erst als man auf Masken- und Desinfektionsmittellieferungen aus China warten musste, wurde vielen diese Abhängigkeit bewusst. Manche Politiker fordern nun die Unternehmen auf, ihre Produktion entsprechend relevanter Güter wieder zurück in ihre Heimatländer zu verlagern (sog. Reshoring – «Zurückholen»). Zwar findet dies schon seit einigen Jahren statt, doch vor allem ausgelöst durch die steigenden Produktionskosten in China und nicht aus Abhängigkeits- oder Nachhaltigkeitsüberlegungen. Daneben bauen viele Unternehmen Aktivitäten in China wegen des Handelskriegs ab. Ein Reshoring in die wichtigsten europäischen Industriestaaten ist aber grossflächig nicht zu erwarten. Aus Kostengründen dürften mehr Firmen Standorte in Osteuropa und Südosteuropa wählen, um näher an den Kunden zu produzieren. Oder sie werden vermehrt arbeitsintensive Produkte in asiatischen Nachbarländern von China herstellen, wo die Arbeitskräfte noch günstiger sind.

Attraktiver wird die Vor-Ort-Produktion für die Unternehmen auch, wenn die Produktion durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung günstiger wird. Dadurch könnten sie lokal produzieren und dennoch wettbewerbsfähig bleiben. Gleichzeitig können sie so die Lieferwege kürzen und umweltfreundlicher gestalten. Auf der anderen Seite würden jedoch wertvolle Arbeitsplätze verloren gehen. Dass Corona ein Katalysator für Digitalisierung und Automatisierung ist, zeigt sich im nächsten Abschnitt.

Rückenwind für neue Technologien

Sicherlich wird die Pandemie auch den technologischen Fortschritt beschleunigen. Zum Beispiel in Polen, wo in Geschäftsgebäuden Büros und Aufzüge mit UV-Licht automatisch desinfiziert werden oder am bargeldlosen Zahlungsverkehr, der beinahe kontaktlos möglich ist. Dieser hat dadurch in manchen Restaurants und Einkaufsläden das Bargeld fast schon verdrängt. Dies führt nun dazu, dass sich immer mehr KMU mit Kartenlesegeräten ausrüsten, wodurch dieser Trend auch nach Corona zunehmen wird. Auch das komplett kontaktlose Einkaufen über Online-Händler und über Lieferdienste erfreute sich neuer Kunden. Vorausgesetzt die Verpackungen und die Produktion sind umweltverträglich, profitiert davon auch die Umwelt. Wenn ein Fahrzeug, im besten Falle ein Elektro- oder Wasserstoff-Van, 100 Haushalte anfährt und diese beliefert, ist dies einiges effizienter, als wenn die Mehrheit der Leute mit ihrem eigenen Auto zum Einkaufen fährt. Dagegen dürfte es für die kleinen Einkaufsläden ohne Online-Angebot nach der Krise noch schwerer werden, sich gegen ihre Konkurrenz zu behaupten und einige Arbeitsplätze werden verschwinden.

Verändertes Verhalten der Bevölkerung

Zu den grössten Gewinnern der Pandemie werden Online-Meeting- oder Coworking-Softwareanbieter gehören. Viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer rüsteten sich mittlerweile mit Home-Office-Lösungen aus und werden diese mindestens teilweise auch nach der Pandemie weiterverwenden. Kurzfristig mündet dies in weniger Verkehr und entsprechend tieferem CO2-Ausstoss der Pendler. Längerfristig dürften sich auch die energieintensiven Grossraumbüros verkleinern und mit schwindendem Bedarf an Nähe zum Arbeitsplatz könnte sich auch eine kleine Suburbanisierung abzeichnen, mit entsprechend weniger Staus in den Städten und schliesslich besserer Luftqualität.

Mit Sicherheit wird die Corona-Krise auch Auswirkungen auf unser Reiseverhalten und den Tourismus haben. Viele verbringen dieses Jahr die Ferien im eigenen Land und verzichten so auf umweltverschmutzende Flugreisen und Kreuzfahrten. Doch leider können wir das Bedürfnis, andere Länder und Kulturen zu besuchen, kaum durch Internet und TV befriedigen, wodurch sich die private Reisetätigkeit längerfristig wieder stabilisieren wird. Die Geschäftsreisen hingegen werden noch etwas mehr zurückgehen, wenn die Unternehmen realisieren, wie viel einfacher und günstiger Online-Meetings sind.

Fazit

Neu sind die meisten der beschriebenen Entwicklungen nicht. Mit der Coronakrise wurden viele jedoch beschleunigt und verstärkt. Wieviel nachhaltiger wir nach der Krise leben werden, hängt auch in Zukunft sehr stark von unserem Konsumverhalten ab. Die Hoffnung besteht, dass das Jahr 2019 den historischen Höhepunkt unserer CO2-Emissionen markiert und wir unsere Emissionen stetig senken können. Damit Ihre Anlagen dafür gerüstet sind, sollten Sie bereits heute zukunftsorientiert investiert sein.

Vorstehende Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.

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Ben Rieder
Ben Rieder ist Junior Investment Specialist bei der BLKB. Er unterstützt die Kundenberatenden bei Fragen zu den BLKB Anlagelösungen und erarbeitet Inhalte für die Marketingaktivitäten.

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