Und dann kam Corona

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«Ich bin eine von denen, die gerne ein halbes Jahr im Voraus die Betreuungssituation für die Kinder organisiert hat», sagt Tabea Fux. Die 35-Jährige ist Mutter von zwei Kindern und als Salesmanagement-Spezialistin im 60 Prozent Pensum bei der BLKB tätig. Ihre Wochen sind durchgetaktet, zwischen Kinderbetreuung und Arbeit im Büro bleibt wenig Zeit für anderes. «Das klappt super, die Kombination aus Arbeit und Familienzeit erfüllt mich sehr», betonte Tabea Fux immer.

Und dann kam Corona.

Die 7-Jährige Tochter kann nicht mehr zur Schule und die beiden Grossmütter, die den 4-Jährigen Sohn vormittags und beide Kinder über Mittag und Nachmittags an den Arbeitstagen der Mutter betreuen, gehören nun zu einer Risikogruppe. «Wir haben die Situation sehr ernst genommen», sagt Tabea Fux. «Daher haben wir ab Anfang März auf die Betreuung durch die Grossmütter verzichtet. Zuerst organisierte sich die Familie zusammen mit einer befreundeten Familie: «Wir Mütter hüteten gegenseitig die Kinder und konnten so abwechselnd unseren Arbeitsverpflichtungen nachkommen.» Doch dann wurde Social Distancing immer mehr zum Thema. «Die Kinder gegenseitig zu sich zu nehmen, schien uns da nicht mehr sinnvoll.» Also standen Tabea Fux und ihr Mann Andreas Fux auf einmal vor der Situation, dass beide zusammen ein 160-Prozent arbeiten und die ganze externe Betreuung inexistent war.

Vom Voll-Stress zu einem neuen Alltag

«Am Anfang war ich total gestresst», sagt Tabea Fux. Was sie sich über die Jahre an Strukturen für eine funktionierende Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufgebaut hatte, war plötzlich hinfällig. Dann tauchten Stück für Stück kleine Puzzleteile auf, die einen neuen Alltag in der Ausnahmesituation möglich machten. Ein Familienmitglied, das die Kinder ein paar Stunden pro Woche übernehmen kann. Ein Vorgesetzter, der ihr alle Freiheiten liess, zu welcher Zeit sie ihre Arbeit erledigen konnte. Und der Arbeitgeber ihres Mannes, der ihm unkompliziert anbot, jeweils den Freitag für die Kinderbetreuung zu nehmen – bei voller Bezahlung.

Tabea Fux ist überhaupt kein Einzelfall. Überall sind derzeit Mütter und Väter gefordert, Beruf und Familie in einem Ausmass unter einen Hut zu kriegen, wie sich das wohl keiner hatte träumen lassen. Einige starten um 5 Uhr morgens ihren Laptop und arbeiten, bis die Kinder aufstehen. Andere arbeiten bis spät in die Nacht. «Schichtdienst» ist momentan nicht nur ein Begriff für Mitarbeitende in Spitälern und in der Industrie, sondern auch für Eltern im Homeoffice. «Ich habe für mich bald gemerkt, dass das Arbeiten bis spät in die Nacht nicht nachhaltig ist», sagt Tabea Fux. «Das hätte vielleicht für zwei Wochen funktioniert, aber über mehrere Monate geht das mit meinen Ressourcen nicht auf.»

Bei der ganzen Jongliererei zwischen Homeoffice, Kleinkindbetreuung und Begleitung des Homeschoolings stellt sich bald die Frage: Wo bleibt da noch Zeit, sich selbst zu regenerieren? Von Zeit zu zweit als Eltern mal ganz abgesehen.

Kostenloses Webinar für Väter und Mütter

Aus diesem Grund ermöglichen die BLKB und Weleda ein Webinar des Frauen-Netzwerks womenmatters zum Thema «#Homeoffice plus Kids – wie kriegen wir das hin?». Das Webinar findet am Montag, 27. April 2020 von 13 bis 14 Uhr statt und beinhaltet neben Tipps & Kniffs zur Struktur im Homeoffice und einer möglichen Trennung von Privatleben und Job auch die Frage «Wie kann ich trotz allem Entspannung finden?» Das Angebot richtet sich ausdrücklich an beide Elternteile. Denn gerade die aktuelle Situation zeigt deutlich, das Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur für die Familie als Ganzes zu schaffen ist. In einem zweiten Teil werden die Ergebnisse einer Umfrage des CoWorking-Anbieters tadah präsentiert. Gibt es Best-Practice-Beispiele, von denen andere profitieren können? Was sind die grössten «Gains&Pains»?

Auch wenn sich derzeit alle Familien so gut wie möglich zu Hause einigeln und sich viele ein wenig verloren vorkommen im Moment: Mit dem Wissen, dass es ganz vielen gerade auch so geht, ist man schon ein wenig weniger allein.

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Nadja Schwarz
Nadja Schwarz hat Kommunikationswissenschaften und Journalistik studiert und ist heute Co-Leiterin Unternehmenskommunikation bei der BLKB.

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