Wenn der Aktienmarkt ausatmet

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Aktienkurse steigen, da Unternehmen ihre Effizienz verbessern, die Technologie voranschreitet und Firmen nur dann langfristig überleben werden, wenn sie nachhaltig Gewinne erwirtschaften. Volkswirtschaften wachsen also, demnach nimmt der Marktwert von Unternehmen und damit deren Aktienkurse zu. Dies geschieht jedoch nicht ohne Störung. Rezessionen, unabhängig davon, wodurch sie ausgelöst werden, sind meist kurz- bis mittelfristiger Natur und bringen auch Aktienmärkte teils schwer unter Druck. Was sollte ein langfristig orientierter Anleger in dieser Situation beachten?

Verteilung der Aktienrenditen

Die langfristig zu erzielenden durchschnittlichen Renditen am Aktienmarkt liegen historisch in etwa bei 6 bis 8 Prozent pro Jahr inklusive ausgeschütteter Dividenden. Nun werden diese Renditen nicht etwa wie bei einem Sparbuch auf jeden einzelnen Tag heruntergebrochen und gutgeschrieben. Die erzielbaren Tages-, Monats- und Jahresrenditen schwanken stark und nähern sich erst bei einem langfristigen Horizont dem Erwartungswert an. Schauen wir in die jüngste Vergangenheit, wurden Anleger eher fürstlich belohnt. So stieg der breit gefasste Schweizer Aktienmarkt im Jahr 2019 um etwa 30% an. Hingegen steht für das aktuell laufende Kalenderjahr ein sattes Minus unter dem Depotauszug. Diese Schwankungen sind normal und gehören zum Aktienmarkt wie die Nacht zum Tag. Weil eben diese zum Teil erheblichen Schwankungen ausgehalten werden müssen, ist die Anlageklasse im Vergleich zum genannten Sparbuch langfristig auch deutlich rentabler.

Beimischung von anderen Anlageklassen

Um die Schwankungen seiner Aktieninvestitionen etwas zu glätten, können Anlagen beigemischt werden, die andere Eigenschaften besitzen als Aktien. Staatsanleihen z.B. haben eine feste Laufzeit, einen festen regelmässig ausbezahlten Zins und die Preisentwicklung ist oft sogar entgegengesetzt zu derjenigen von Aktien. Zudem sind die Ausfallraten für Staatsanleihen industrialisierter Länder sehr tief, was bedeutet, dass der Anleger sein Geld mit hoher Sicherheit zurückerhält. Für sich ge- sehen scheinen Staatsanleihen gerade im momentanen Tiefzinsumfeld nicht die erste Wahl für einen Vermögensaufbau zu sein. Im Zusammenspiel mit Aktien kann die Beimischung Sinn ergeben, werden doch die Schwankungen des gemischten Portfolios deutlich reduziert. So verändert sich das Risikoprofil eines Depots. Man gibt etwas Rendite auf und erhält dadurch weniger Wertschwankungen, also weniger Risiko. Die individuelle Zusammenstellung der Anlageklassen sollte in ruhigen Zeiten gemeinsam mit dem Kundenberater der Bank gemäss der eigenen Risikotragfähigkeit definiert werden. Dieser strategischen Ausrichtung sollte dann in hektischeren Phasen unbedingt treu geblieben werden. Was nutzt eine Strategie die nur für schönes Wetter ausgelegt ist?

Jetzt kaufen oder verkaufen?

In starken Aktienmarktphasen zu profitieren, ohne in schwachen Zeiten Gewinne teilweise wieder abzugeben, ist und bleibt ein Wunschgedanke. Statt sich mit Kauf- oder Verkaufsfragen zu befassen, ist es viel wichtiger, sich zu fragen, wie viel das Vermögen schwanken darf, wie lange das Geld zur Verfügung steht und dann anschlies- send entsprechend zu investieren. Der Zeitpunkt der Investition ist dabei nicht so ausschlaggebend für den Erfolg wie der Zeithorizont. Somit gibt es kaum falsche Zeitpunkte, seine Strategie umzusetzen. Wer aktuell Anlagebedarf hat, kann seine Investition tätigen mit dem Wissen, nicht zum Höchststand gekauft zu haben. Über die Jahre hinweg relativiert sich dieser Vorteil jedoch immer mehr. Ein schneller Gewinn durch Timing bleibt damit eher Zufall als Können. Zudem empfiehlt sich ein schrittweiser Einstieg über mehrere Tranchen. Wer bereits investiert ist und durch die aktuell hohen Tagesschwankungen so sehr beunruhigt ist, dass eine Liquidation der Anlagen im Raume steht, sollte sich auf seine Strategie besinnen und diszipliniert an ihr festhalten. Hektik und Panik waren selten gute Ratgeber. Das Risiko ist hoch, bei tiefen Kursen zu verkaufen und von einer Erholung nicht zu profitieren. So wird aus einem Risikobegrenzungsversuch schnell eine Realisierung eines Verlusts.

Auf Fakten vertrauen

In turbulenten Zeiten, wie sie aktuell sind, wird man mit vielen unnützen Informationen beliefert. Das Grundrauschen nimmt zu und lenkt von fundamentalen Faktoren ab. Finanzmärkte folgen langfristig gewissen Regeln, kurzfristig werden sie von schnelllebigen Schlagzeilen beeinflusst. Wer Erfolg bei der Vermögensanlage haben möchte, muss sich auf verifizierbare Daten wie z.B. Wirtschafts- und Gewinnwachstum, Inflation, Zentralbankpolitik, Fiskalpolitik oder Stimmungsindikatoren fokussieren. Ein sauberer Datenkranz dient als Radar durch den Nebel der vielen News, Tweets und Kommentare selbsternannter Finanzgurus. Auch wenn es schwerfällt, sich in angespannten Zeiten an seine ursprünglichen Pläne zu halten, es lohnt sich. Atmen Sie weiter, wenn der Aktienmarkt ausatmet.

Vorstehende Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.

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Björn Weigelt
Björn Weigelt ist Investment Specialist bei der BLKB. Er unterstützt die Kundenberatenden in allen Themen rund um die Finanzmärkte und bei Fragen zu den BLKB Anlagelösungen.

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