Wie nachhaltig ist nachhaltig?

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Mittlerweile ist es unbestritten, dass Nachhaltigkeit Anlegern einen Mehrwert liefert. Wenig überraschend kommen laufend neue Vermögensverwalter hinzu, die Nachhaltigkeitsaspekte in irgendeiner Form in ihren Anlagen berücksichtigen. Viele Anbieter reden in diesem Zusammenhang von ESG-Integration. Für Anleger ist diese Entwicklung Fluch und Segen zugleich, denn die Vergleichbarkeit und Beurteilung der Qualität wird immer schwieriger. Wir zeigen auf, worauf Investoren achten müssen.

Nein, danke!

Ein weit verbreiteter Ansatz um ein nachhaltiges Portfolio aufzubauen sind Ausschlusskriterien. Dabei bestimmt man diejenigen Branchen oder Geschäftstätigkeiten, in welche nicht investiert werden soll. Häufig fallen darunter Waffen oder Betreiber von Kohlekraftwerken, aber auch Tabakproduzenten. Viele Vermögensverwalter verlassen sich bei der Auswahl dieser exkludierten Geschäftsfelder auf ethische Wertvorstellungen. In der Regel fehlt es jedoch an ökonomischen Überlegungen.

Besser geeignet erscheint deshalb die Herleitung der Ausschlusskriterien aus Risikoüberlegungen. Dabei schliesst man diejenigen Geschäftsfelder aus, die einen auffällig hohen Anteil ihrer Kosten an die Gesellschaft ausgelagert haben (Externalisierung der Kosten).  Es ist davon auszugehen, dass diese Kosten aufgrund von gesellschaftlichem Druck, Regulierungen oder des Gesetzgebers zukünftig durch das Unternehmen getragen werden müssen. Ein Beispiel für eine solche drohende Internalisierung der Kosten stellt im Zusammenhang mit dem Klimawandel das CO2-Pricing dar. Gemäss Schätzungen der Handelszeitung kostet dieses die Weltwirtschaft bis 2050 rund 8 Billionen Dollar. Diese Kosten tragen die hauptverantwortlichen Firmen heute nur zu einem kleinen Teil. Doch mit zunehmendem Druck der Regierungen und der Konsumenten (Beispiel Klimajugend) werden diese Kosten zukünftig auf die Unternehmen zurückfallen. «Ceteris paribus» bedeuten höhere Kosten, weniger Gewinn, somit tiefere Dividenden und eine schlechtere Aktienperformance. Unternehmen, die ihre Emissionen aktiv reduzieren, werden, relativ gesehen, profitieren. Dies zeigt, dass auch ein ökologisches Thema durchaus eine wirtschaftliche Relevanz für ein Unternehmen besitzen kann und bei einer systematischen Herleitung von Ausschlusskriterien solch wenig versprechende Anlagen von Anfang an vermieden werden können.

Nur die Klassenbesten kommen weiter

Mit dem «Best-in-Class»-Ansatz sucht man jeweils die nachhaltigsten Unternehmen der jeweiligen Branche. Dabei werden die Unternehmen nach Umwelt-, Sozial-, und Unternehmensführungskriterien bewertet. Diese sogenannten ESG-Faktoren (ESG = Environmental, Social, Governance) ermöglichen eine breit abgestützte, quantitative Beurteilung der Nachhaltigkeit eines Unternehmens. Dabei handelt es sich um eine relative Betrachtungsweise. Die Unternehmen einer Branche werden untereinander verglichen und relativ zueinander bewertet. Dieser Prozess birgt Vor- und Nachteile. Einerseits kann man viele qualitative Aspekte erstmals auch quantifizieren, wodurch die Grundlage für eine spätere ESG-Integration entsteht. Zudem liegen die sozialen und ökologischen Risiken in jeder Branche anders. Mit dem «Best-in Class»-Ansatz wird der Fokus bzw. die Gewichtung der ESG-Bewertung entsprechend angepasst. Andererseits bedeutet dieser Ansatz auch, dass sozial oder ökologisch problematische Sektoren (z.B. Ölindustrie) gesondert beurteilt werden und sich auch hier die relativ gesehen «besten» Unternehmen im Portfolio wiederfinden können. Deshalb funktioniert dieser Ansatz zufriedenstellend grundsätzlich nur in Kombination mit den bereits angesprochenen Ausschlusskriterien.

Mainstream: ESG-Integration

Als weit verbreitete Praxis hat sich die ESG-Integration als «Mitberücksichtigung» von ESG-Kriterien durch den Portfoliomanager durchgesetzt. Der Portfoliomanager entscheidet dabei weitgehend selbst, ob und wie er die ESG-Faktoren eines Unternehmens in seiner Anlageentscheidung gewichtet. Dieser wenig systematische Ansatz kann zu einer sehr unterschiedlichen Behandlung von ESG-Faktoren führen. Der Investor hat damit nur wenig Transparenz darüber, was ihn nun im Portfolio erwartet und was nicht. So ist nicht zwingend sichergestellt, dass nur Unternehmen mit überdurchschnittlichen ESG-Bewertungen den Weg ins Portfolio finden. Ebenfalls muss damit gerechnet werden, dass auch Unternehmen aus problematischen Sektoren im Portfolio auftauchen. Die ESG-Integration hat aber einen ganz wesentlichen Vorteil: Analysten, die es verstehen, die klassische Finanzanalyse durch die Resultate der ESG-Analyse zu ergänzen, sprechen die besseren Aktienempfehlungen aus.

Was für Sie morgen zählt

Wir wissen nun, dass eine Beurteilung einer Anlage ohne Nachhaltigkeitsanalyse unvollständig ist. Wie in der Grafik dargestellt, ist die Kombination von Ausschlusskriterien, Best-in-Class und ESG-Integration der vielversprechendste Weg um ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Portfolio zusammenzustellen. Bei einer konsequenten und systematischen Umsetzung muss zum Schluss ein Portfolio aus Unternehmen entstehen, bei dem hochriskante Branchen bereits aussortiert sind und die nachhaltigsten Unternehmen unter Berücksichtigung von finanziellen und ESG-Faktoren umfassend beurteilt wurden. ESG-Integration alleine genügt dabei nicht. Es ist die erfolgreiche Kombination aller vorgestellten Schritte, mit welcher eine langfristige Risikooptimierung erreicht werden kann. Davon profitieren nebst klassischen Vermögensanlagen natürlich auch Vorsorgelösungen. Das ist, was für Sie morgen zählt!

Alle Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.

 

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Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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