Mehr Raum für das Besondere

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Das stetig wachsende Tempo in unserem Alltagsleben stellt uns alle vor Herausforderungen. Einige leiden jedoch mehr darunter als andere: Die Menschen, die sich selbst als hochsensibel bezeichnen. Doch wie merkt man, ob man zu diesen gehört oder nicht? Und wie kann man lernen, diese vermeintliche Schwäche anzunehmen und so mit ihr umzugehen, dass am Ende gar eine Stärke daraus wird? Mit ihrem «Raum der Sinne» will Nicole Fischer genau diese Fragen beantworten. In einem aufschlussreichen Gespräch hat sie mir verraten, was es damit auf sich hat und weshalb sie dafür eine Crowdfunding-Aktion lanciert hat. 

Ein sensibles Thema

Um zu verstehen, was Nicole mit ihrem Projekt bezweckt, erkundige ich mich zuallererst danach, was Hochsensibilität überhaupt ist. Sie erklärt mir, dass hochsensible Menschen ihre Umwelt intensiver wahrnehmen als andere. «Das kann sich allerdings unterschiedlich äussern», so Nicole. «Es gibt Leute, die sind geräuschempfindlicher, manche haben einen beeindruckenden Geruchssinn oder sie können sich ausgesprochen gut in ihre Mitmenschen einfühlen.» Nicole betrachtet ihre ausgeprägte Empfindsamkeit mittlerweile als Gabe, auf die sie stolz ist. Das war aber keineswegs immer so. Schon in frühester Kindheit war ihr bewusst, dass sie anders ist als ihre Gspänli. Deshalb kam sie sich häufig so vor, als würde sie von einem fremden Planeten stammen.

Wissen ist Macht

Das änderte sich erst, als sie einen Artikel über dieses Thema las, in dem sie sich sofort wiedererkannte. Endlich hatte das Kind einen Namen – für Nicole eine enorme Erleichterung. Sie entwickelte daraufhin Strategien, um ihre Hochsensibilität in ihren Alltag zu integrieren. «Ich muss mich regelmässig zurückziehen, um meine Batterien aufladen zu können», erzählt sie. «Für mich funktioniert das am besten in der Stille oder in der Natur, aber auch das ist etwas sehr Individuelles.» Von ihrem Umfeld will sie hingegen nicht geschont, sondern lediglich verstanden werden. Sich jedes Mal erklären zu müssen, wenn sie eine Pause einlegen möchte, strengt sie nämlich zusätzlich an. Aus diesem Grund ist es für sie eine Herzensangelegenheit, das Phänomen Hochsensibilität bekannter zu machen und dadurch dessen Akzeptanz zu fördern.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wenn man bedenkt, dass Schätzungen zufolge 15 bis 20% der Bevölkerung hochsensibel sind, ist es höchste Zeit dafür. Nicole, die sich soeben zur Heilpädagogischen Früherzieherin ausbilden liess, setzt dabei neben Angeboten für Erwachsene (Coaching für hochsensible Menschen, Workshops, Vorträge) bei den Kleinsten an. Anfangs Jahr hat sie ihren «Raum der Sinne» eröffnet und organisiert seither einen Kindertreff sowie Back- und Märchennachmittage. Sie denkt aber auch an die Eltern. Mit Vorträgen oder im Dialog zeigt sie diesen, wie sie ihren Kindern dabei helfen können, mit ihrer Besonderheit besser zurechtzukommen. Eines ist für Nicole jedoch klar: Mit allem, was sie anbietet, muss sie sich selbst wohlfühlen. So legt sie beispielsweise Wert auf überschaubare Gruppengrössen. Und das nicht nur, um ihren Kunden gerecht zu werden, sondern auch, weil sie gelernt hat, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten.

Eine Oase mit Zukunft

Dank dem Crowdfunding mit der BLKB konnte Nicole den Raum einrichten und erste Werbemassnahmen realisieren. So verfügt sie seit Kurzem über eine Webseite und einen Flyer. Fast noch wichtiger als die finanzielle Unterstützung war für sie aber der Zuspruch, den sie im Rahmen ihrer Sammelaktion erhalten hat. «Das hat mir gezeigt, dass mein Projekt tatsächlich einem Bedürfnis entspricht», sagt sie. «Eine grössere Motivation, um den Raum der Sinne laufend weiterzuentwickeln, gibt es für mich nicht.» Deshalb macht sie sich als nächstes an die Planung des zweiten Quartals. Sie hat dafür bereits einige Ideen. Zum Beispiel möchte sie künftig auch Kurse für Fachpersonen aus Schulen und Kindergärten abhalten. Ich für meinen Teil bin fasziniert von ihrem Elan und ihrer Kreativität. Und jetzt schon gespannt darauf, wie sie ihr Angebot ausbauen wird.

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Karin Bjöörn
Marktetingspezialistin bei BLKB
Karin Bjöörn war Marktetingspezialistin bei der BLKB.

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