Börse im Höhenflug: Lauf alter Bulle, lauf!

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Der Bullenmarkt ist in die Jahre gekommen – seit über zehn Jahren scheinen die Aktienmärkte nur einen Weg zu kennen: den Weg nach oben. Mittlerweile sind die grossen Kursverwerfungen nach der Lehman-Pleite überwunden und ein Höchststand jagt den anderen. Doch wie lange kann dieser Bullen-Ritt noch weitergehen?

2019 – ein Ausnahmejahr

Die Zeichen standen Ende 2018 auf Sturm. Der Aktienmarkt verzeichnete im Dezember historisch hohe Kursrückschläge und Panik machte sich breit. Marktteilnehmer stellten sich die Frage: Ist dies das Ende der seit der Finanzkrise anhaltenden Börsen-Hausse? Mit Blick auf die hohe politische Unsicherheit wie dem schwelenden Handelskrieg zwischen den USA und China oder der globalen konjunkturellen Abschwächung wäre dies nicht auszuschliessen gewesen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Trotz aller negativen Vorzeichen sucht das vergangene Aktienjahr seinesgleichen und Investoren erfreuten sich ausserordentlich hoher Renditen. In der Schweiz und in den USA verzeichneten die Aktienmärkte 2019 Gewinne von rund 30%.

Ausgangslage wird anspruchsvoller

Die Ausbreitung des Coronavirus sorgte im Januar für einen zurückhaltenden Start ins Anlagejahr 2020. Der Zeitpunkt des Ausbruchs trifft im Reich der Mitte mit dem wichtigsten traditionellen Feiertag zusammen. Das chinesische Neujahr gilt für viele Industrien als fruchtbare Zeit, denn die freien Tage werden von den Chinesen für Ferienreisen genutzt und bringen weltweiten Konsumsegen. So leiden in den ersten Tagen seit der Bekanntgabe der Virus-Erkrankung vor allem Aktien von Flug- und Ferienanbietern oder Titel der Luxusgüterindustrie. Die Auswirkung der Krankheit auf die chinesische Wirtschaft und folglich auf die globale Konjunkturentwicklung liessen die Investoren vorsichtiger werden.

Geldschleusen wieder weiter offen

Die Anleger beschäftigen sich jedoch seit längerer Zeit mit einer konjunkturellen Abschwächung – nicht zuletzt in China. Die aktuelle Situation um den Coronavirus lassen die fundamentalen Überlegungen jedoch wieder stärker in den Fokus rücken. Da das abflachende Konjunkturmomentum keine neue Erscheinung ist, stehen die globalen Währungshüter bereits seit längerem «Gewehr bei Fuss». So vollzog beispielsweise die US-Notenbank im letzten Jahr eine signifikante Kehrtwendung in ihrer Zinspolitik und schwenkte unter anderem über Zinssenkungen wieder auf den Weg einer expansiver werdenden Geldpolitik ein. Auch die Europäische Zentralbank wagte einen weiteren Schritt ins Negative und bekräftigt ihr Bestreben, die Wirtschaft über die Geldpolitik weiter anzukurbeln. Damit wird auch die Schweizerische Nationalbank ihre Pläne für eine Normalisierung der Zinsen bis auf weiteres auf Eis legen können. Für Anleger hat diese erneute Öffnung der globalen Liquiditätsflut eine zentrale Konsequenz: lower for longer – again!».

TINA regiert die Anlagewelt

There is no alternative (TINA) beschäftigt als Folge der weltweiten Geldschwemme die Finanzwelt. Auf der Obligationenseite blicken Investoren ratlos auf das von den Notenbanken künstlich tief gehaltene Zinsniveau, welches kaum positive Renditen zulässt. Auch die globalen Immobilienpreise schossen als Reaktion der erneuten Zinssenkungen nochmals massiv in die Höhe. Damit steigt die Attraktivität von Aktien. Es locken einerseits attraktive Dividendenrenditen, andererseits erscheint das derzeitige Bewertungsniveau angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds nicht als übertrieben und die Gewinnaussichten der Unternehmen sind intakt. Zudem dürfte Donald Trump im Hinblick auf seine Wiederwahl im Herbst jegliche Hebel in Bewegung setzen, falls der US-Wirtschaftsmotor zu fest ins Stocken gerät und damit dem Bullen weiter Fahrt verleihen.

Risikofähigkeit zentral

In diesem Umfeld, wo sich die Anlagewelt einig scheint, dass nichts an Aktien vorbeiführt und der Bullenmarkt noch nicht dem Ende entgegenblickt, gilt es die Risiken im Blick zu haben. Es ist durchaus damit zu rechnen, dass wir im Jahresverlauf einen deutlichen Anstieg der Volatilität beobachten werden. Es ist zentral, die eigene Risikofähigkeit zu kennen und auch bei höheren Kursschwankungen die Nerven nicht zu verlieren. Ist man entsprechend der eigenen Risikofähigkeit und –neigung investiert, sollte man sich keinesfalls zu Kurzschlussreaktion hinreissen lassen. So lässt es sich auch durch ein Aktienjahr mit einer anspruchsvollen Ausgangslage wie zurzeit gut navigieren.

Vorstehende Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.

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Fabienne Erni, CFA
Leiterin Investment Research bei Basellandschaftliche Kantonalbank
Fabienne Erni ist Leiterin Investment Research bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

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