Vom Ende eines geldpolitischen Experiments-und wieso die SNB vorerst nicht nachziehen wird

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Am 19. Dezember 2019 veröffentlichte Schwedens Zentralbank ihre aktuelle Einschätzung zur geldpolitischen Lage. Im Zuge dieser Veröffentlichung beendeten die Währungshüter Schwedens wie erwartet ein bereits fünf Jahre andauerndes monetäres Experiment:  Sie hoben den Leitzins von -0.25% auf 0% an. Damit nimmt die Riksbank unter den europäischen Zentralbanken eine Vorreiterrolle ein und bietet die Gelegenheit, zum (vorläufigen) Abschluss der Negativzinspolitik Schwedens ein Resümee zu ziehen. Denn die Europäische Zentralbank (EZB), die Schweizerzische Nationalbank (SNB) sowie die dänische Notenbank halten in Europa aktuell noch am Instrument der Negativzinsen fest und es stellt sich die Frage, ob eine Abkehr auch hier ins Haus steht.

Die Negativzinsen der Riksbank – eine Erfolgsgeschichte!?

In ihrem Bericht zeigt sich die Riksbank zufrieden mit den bisherigen Auswirkungen ihrer geldpolitischen Massnahmen. Sie geht aber nicht explizit auf den Ausgang des Experiments «Negativzins» ein. Die Ökonomen gehen davon aus, dass die schwedische Wirtschaft von einem supernormalen Wachstumszyklus nun in eine normalisierte Situation überginge. Da sich die Inflation seit 2017 nahe des Zielbandes von 2% bewege und sich von einem kurzen Taucher im Sommer 2019 wieder erholt hat, entschieden sich die Notenbanker, den Repo-Satz anzuheben. Die Geldpolitik bleibt jedoch weiterhin expansiv. So rechnet die Riksbank damit, dass der Leitzins in den kommenden Jahren bei 0% bleibt und hält an den Anleihekäufen von SEK 45 Mrd. bis Dezember 2020 fest. Zudem lassen sich die Notenbanker auch die Möglichkeit offen, bei Bedarf den Repo-Satz erneut in den negativen Bereich zu senken sowie weitere expansive geldpolitische Massnahmen zu ergreifen. Ob mit dem jüngsten Zinsentscheid der Schweden damit das Kapitel der Negativzinsen abgeschlossen ist, bleibt also abzuwarten.

Werden nun andere Zentralbanken nachziehen?

In Europa führen nach dem Ausstieg der Schweden noch drei Zentralbanken Negativzinsen. Die EZB, die SNB sowie die dänische Nationalbank. Die weitgehend expansive Geldpolitik der globalen Notenbanken nach der Finanzkrise hat zum einen zu einem konjunkturellen Aufschwung und zum anderen zu einem starken Preisanstieg bei risikobehafteten Anlagen, allen voran Aktien geführt. Zeitgleich sind auch die Obligationenpreise, die sich invers zum Zinsniveau bewegen, deutlich angestiegen. Die Finanzmärkte haben sich an das Tiefzinsumfeld gewöhnt und manch ein Marktbeobachter sinnierte bereits über die Frage, ob eine Rückkehr zu höheren Zinsen unter diesen Umständen jemals wieder möglich sein wird. Hinzu kommt die Tatsache, dass für die meisten Notenbanken die zentrale Aufgabe in der Sicherung der Preisstabilität, also dem Inflationsmanagement, liegt. Die Inflationsraten in Europa liegen noch immer deutlich unterhalb der Zielgrösse von 2%, womit der Druck auf die Zentralbanker, etwas an ihrer expansiven Zinspolitik zu ändern, vernachlässigbar bleibt. Dementsprechend scheint es nicht vermessen zu konstatieren, dass die EZB auch unter der neuen Führung von Christine Lagarde das Negativzinsregime vorerst nicht aufheben wird.

Erschwerende Umstände bei der SNB

Die Schweizerische Nationalbank hat, vertreten durch ihren Präsidenten Thomas Jordan, am 12. Dezember 2019 ein weiteres Mal am Leitzins von -0.75% festgehalten und die Negativzinspolitik – die jüngst durchaus auch Kritik erfährt – verteidigt. Den schärfsten Kritikern, namentlich Banken und Pensionskassen, wird dabei eine zu enge und von Eigeninteressen getrübte Sicht unterstellt. Für die SNB überwiegt in der Gesamtbetrachtung der Nutzen des Negativzinses seine Kosten klar. Ein wichtiger Faktor in dieser Gesamtbetrachtung ist der Schweizer Franken, der aufgrund seines Status als «Safe Haven» bei vielen Anlegern in der Gunst steht. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu Schweden, wo die «Swedish Krona» seit 2015 kontinuierlich abgewertet werden konnte. Als kleine, offene Volkswirtschaft ist die Schweiz in hohem Masse darauf angewiesen, seine Güter und Dienstleistungen exportieren zu können. Höhere Zinsen bzw. eine geringere Zinsdifferenz zu Gunsten des CHF führen zu steigender Nachfrage und damit einer Aufwertung der Währung. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Schweizer Güter und Dienstleistungen auf dem Weltmarkt teurer werden und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigt. Entsprechend hoch ist die Sensitivität der hiesigen Konjunktur zu Änderungen der geldpolitischen Voraussetzungen. Die SNB weist in ihrer Zinspolitik also eine hohe Abhängigkeit von anderen Notenbanken wie der EZB, aber auch der US-Fed auf. Zusammenfassend lassen diese Überlegungen das Fazit zu, dass Europa und damit auch der Schweiz die Negativzinsen trotz des mutigen Schritts der Riksbank auf absehbare Zeit erhalten bleiben.

Vorstehende Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.

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Cyrill Marugg
Analyst bei BLKB
Cyrill Marugg ist Analyst im Investment Center der BLKB. Er ist zuständig für die Finanzanalyse unter Einbezug von Nachhaltigkeitskriterien, das heisst die Beurteilung von Umwelt, Sozial- und Governancekriterien und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

1 Kommentar

  1. Avatar

    Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in der Schweiz bz vom 13.1.2020

    Die Negativ Zinsen sind u. a. auch ein Grund. So sagen sich doch die AHV wie auch die Pensionskassen, dann auch noch andere, die Geld haben, was kann man machen, um eine Rendite zu erwirtschaften. Also investieren viele in Liegenschaften. Man erhofft sich dann, dass man mit der Miete eine gewisse Rendite erzielt. Gut, wir sehen es ja, einerseits in gewissen Städten in der Schweiz, die Mieten können viele sich nicht leisten. Z.B. Basel, Genf, Zürich und Zug werden erwähnt. Dann auf der anderen Seite, man könnte haben Wohnungen zu günstigen Preisen auf dem Land. Nur eben, da ist dann wieder die Beweglichkeit vom Bürger das Problem. Wie kommt man zur Arbeit, es kann auch im Alter der Arzt sein, wenn dies ist in der Stadt und nicht auf dem Land. Ich gestehe, dass ich kein Fan von den Negativ Zinsen bin. Nicht nur wegen den Wohnungen, nein auch wegen dem normalen Bürger und auch den Gefahren von der Verschuldung zu tiefen Zinsen. Erwähne nur zwei Länder Griechenland und Italien. Natürlich kann man eine gute Rendite auch mit Aktien verdienen. Nur eben, einmal können Aktien steigen, dann auch wieder sinken. Viele sagen sich, einfach sparen rechtzeitig, dann hast Du auch etwas in der Not. Natürlich weiss auch ich die Begründung der Nationalbank oder auch der EZB oder der Federal Reserve, so kann man haben weiterhin erhalten die Arbeitsplätze und auch eine gute Konjunktur. Es geht hier um den festen Franken. Sei es wie es will, der Normalbürger hat dies zu akzeptieren. Warum? Ja die Antwort überlasse ich lieber anderen, ob richtig oder falsch. Wir leben heute ja auch im digitalen Zeitalter. Hier sagt man doch auch, wer nicht mit der Zeit geht, den bestraft das Leben.

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