Klein im Raum, gross in der Innovation: 100 fürs Baselbiet

1
0
3

Die BLKB spannt mit der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Standortförderung Baselland zusammen: Gemeinsam sollen neue Unternehmen angesiedelt und etablierte Firmen bei der Realisierung innovativer Ideen unterstützt werden. Als Weiterentwicklung aus der Swiss Innovation Challenge wird dabei auf die bewährte Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Baselland zurückgegriffen.

Der Kanton Basel-Landschaft zählt zu den erfolgreichsten Wirtschafts- und Forschungsstandorten der Schweiz. Besonders gut aufgestellt sind Unternehmen in den Bereichen Life Sciences, Präzision und Logistik. Darüber hinaus sorgt ein breiter Branchenmix von KMU und Weltkonzernen für ein Umfeld, in dem innovative Dienstleistungen und Produkte auf fruchtbaren Boden fallen. Mit Hochschulen und Forschungsinstituten direkt vor der Haustür kann sich die Nordwestschweiz mit den erfolgreichsten Wirtschaftsregionen der Welt messen, trotzdem gilt die Region in Unternehmerkreisen noch immer als Geheimtipp.
Mit der Initiative «100 fürs Baselbiet» soll sich das ändern. Hierfür spannen die BLKB, die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und die Standortförderung Baselland zusammen. Beat Röthlisberger, Leiter Unternehmenskundenberatung bei der BLKB, Daniel Halter, Vizepräsident Hochschulentwicklung FHNW, sowie Thomas Kübler, Leiter Standortförderung Baselland, erklären im Interview, was das Baselbiet auszeichnet und weshalb es wichtig ist, Innovationen zu fördern.

Innovation ist ein weit gefasster Begriff. Wann kann von einem innovativen Unternehmen gesprochen werden?

Beat Röthlisberger:
Innovation lässt sich nicht delegieren oder auslagern. Ich verstehe sie als eine unternehmerische Disziplin, die es zu beherrschen gilt. Innovative Unternehmen gestalten ihre Weiterentwicklung mehrheitlich selbst, egal ob auf Produkt-, Prozess-oder Geschäftsmodellebene. Mit «100 fürs Baselbiet» wollen wir ein ideales Umfeld für Innovationen schaffen und innovationsfreudige Unternehmen mit gezielten Impulsen anstossen. Gemeinsam mit der FHNW und der Standortförderung sind wir dazu in der Lage.
Daniel Halter:
Markenzeichen der Innovation ist die unverbrauchte Idee, aus der ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung entsteht und welche sich erfolgreich am Markt behauptet. Ein System braucht Erneuerung. Wenn es sich nur noch verwaltet, hat es in einer dynamischen Umwelt keine Zukunft. Die teilnehmenden Unternehmen an der von der FHNW organisierten jährlich stattfindenden Swiss Innovation Challenge demonstrieren jeweils eindrucksvoll, wie viel Innovationspotenzial in jungen, aber auch bereits etablierten Unter-nehmen steckt.
Thomas Kübler:
Nur Unternehmen, die sich fortwährend erneuern, sind in der Lage, erfolgversprechende Innovationen hervorzubringen. Innovation ist der Schlüssel, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Innovativ ist ein Unternehmen dann, wenn es Chancen erkennt, schneller als seine Mitbewerber zu sein, und sich jeden Tag neu erfindet bzw. sich neuen Gegebenheiten schnell anpassen kann.

Inwiefern hebt sich das Baselbiet als Unternehmensstandort von anderen Regionen ab?

Thomas Kübler:
Wenn sich ein Unternehmen für die Nordwestschweiz entscheidet, betritt es eine Region, die reich ist an Innovationskraft. Unser Wirtschaftsraum ist offen und definiert sich durch eine fruchtbare Kombination aus Internationalität und Tradition. Wer das Baselbiet kennt, weiss die ländlichen und urbanen Vorzüge unseres Kantons zu schätzen. Hinzu kommt die Nähe zu Deutschland und Frankreich. Ein spannendes und inspirierendes Umfeld, nicht nur in kultureller Hinsicht.
Daniel Halter:
Wer Innovationen hervorbringen will, ist auf innovative Mitarbeitende angewiesen. Das Angebot an hervorragend ausgebildeten Fachkräften in unserer Region ist gross. Zudem sind die Bodenpreise in der Nordwestschweiz vergleichsweise attraktiv, gut erschlossene Flächen sind vorhanden. Die Lage zwischen den beiden Wirtschaftszentren Basel und Zürich kann man als weiteren wichtigen Standortvorteil anführen.
Beat Röthlisberger:
Für uns als regional verankerte Bank ist die Wirtschaft direkt vor unserer Haustür von zentraler Bedeutung. Die Wege im Baselbiet sind kurz, das Netzwerk umso weitläufiger. Der Zugang zu Verantwortungsträgern ist mit relativ wenig Aufwand verbunden. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen den unterschiedlichen Akteuren ist mehr als eine leere Floskel. Unser Kanton ist ländlich geprägt, verfügt daneben aber über eine hervorragende urbane Infrastruktur, die Innovationen begünstigt.

Woran fehlt es der hiesigen Wirtschaft, welche Unternehmen werden mit «100 fürs Baselbiet» angesprochen?

Thomas Kübler:
Aufholpotenzial sehe ich im IT-Bereich, wobei es wichtig ist, die IT als Technologie und nicht als Branche zu begreifen. Es geht also nicht nur um den Softwareentwickler, sondern auch um den Schreiner, der seiner Kundschaft dank digitalen Werk-zeugen neue Dienstleistungen anbieten kann. Von den teilnehmenden Unternehmen bei «100 fürs Baselbiet» wünschen wir uns, dass sie den digitalen Wandel in ihrer Geschäftstätigkeit für sich nutzen.
Daniel Halter:
Wie Thomas Kübler sagt, es gibt beinahe bei jeder Geschäftstätigkeit digitale Aspekte. Es ist deshalb wichtig, das Bewusstsein zu schärfen, dass Digitalisierung mehr ist als IT. Es geht um Denkweisen, Einstellungen und natürlich Kompetenzen im Umgang mit entsprechender Technologie. Die Förderung solcher Kompetenzen ist ein strategisches Ziel der FHNW und wir verfügen darin bereits über eindrückliche Kompetenzen. Ich denke zum Beispiel an die Geomatik, in der wir in Muttenz weltweit eine führende Rolle spielen und uns in diesem Aspekt vor Unternehmen wie Google nicht verstecken müssen. Es ist wichtig, dass wir selbstbewusst die ganze Vielfalt der Kompetenzen in unserer Region ins Scheinwerfer¬licht rücken.
Beat Röthlisberger:
Wir haben uns bewusst für eine offene Teilnahmemöglichkeit entschieden. Ein gesunder Wirtschaftsstandort lebt letztlich von seiner Vielfalt. Entscheidend für uns als Bank und für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens ist es, dass sich die Strategie auf künftige Entwicklungen fokussiert und eine stetige Weiterentwicklung möglich ist. Wichtiger als eine bestimmte Branche ist für uns die Frage nach der Realisierbarkeit.
«100 fürs Baselbiet»: Standort mit Zukunft 
Mit «100 fürs Baselbiet» erhalten innovative Unternehmen und Start-ups eine neue Plattform. Ihr Geschäftsmodell präsentieren Unternehmerinnen und Unternehmer in Form eines Pitch. Business- und Finanzpläne werden von der FHNW bzw. BLKB geprüft, bevor ein eigens einberufenes Advisory Board bestehend aus erfahrenen Unternehmer- und Wirtschaftspersönlichkeiten entscheidet, ob die Teilnahme am Programm infrage kommt, z. B. mittels einer Anschubfinanzierung sowie einer Begleitung und eines Coachings innerhalb des Netzwerks von BLKB, FHNW und Standortförderung.
Neben den Teilnehmenden von Swiss Innovation Challenge und Swiss Startup Challenge haben auch andere innovative Unternehmen und Start-ups die Möglichkeit, sich zur Aufnahme bei «100fürs Baselbiet» zu bewerben. Grundsätzlich steht die Plattform jedem Unternehmen offen.
0
3
Teilen.
Scarlett Estermann on Linkedin
Scarlett Estermann
Scarlett Estermann hat den Master in Rechtswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei der BLKB in der Verkaufsführung Unternehmenskunden. Hier schreibt sie Artikel zu aktuellen KMU-Themen.

1 Kommentar

Eine Antwort geben