Rekordjagd an der Schweizer Börse

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Schwergewichte glänzen

David gegen Goliath: In der Schweizer Börsenlandschaft heisst es in diesem Jahr für einmal 1:0 für Goliath, denn die Börsenschwergewichte haben die Nase seit Jahresbeginn klar vorne.

SMI brilliert im globalen Börsenumfeld

Der Swiss Market Index (SMI), welcher die 20 grössten Titel im Schweizer Markt umfasst, markierte jüngst neue Höchststände. Unter Berücksichtigung der Dividendenzahlungen resultiert in den ersten zehn Monaten des Jahres eine Gesamtrendite von knapp über 25%. Damit gehört der SMI weltweit zu den Indizes mit der besten Performance. Mit Ausnahme von Swatch und UBS konnten bis Ende Oktober alle SMI-Titel zweistellige Performancezahlen erzielen. Führend dabei ist Lonza mit einer Gesamtrendite von 41%. Jedoch haben mit Zurich, Sika, Swiss Life, Nestlé, Adecco, Geberit, LafargeHolcim und Givaudan beinahe die Hälfte der Unternehmen im SMI für Aktionäre mehr als 30% Gewinn abgeworfen. Die starken Kursavancen sind vor allem in Anbetracht des äusserst anspruchsvollen Umfelds beeindruckend und erfreuen die Investoren.

Solider Mittelbau, «Kleine» im Hintertreffen

Auch die mittelgrossen Schweizer Börsenwerte konnten im Schnitt eine sehr gute Performance verzeichnen. Der SPI Extra Index, welcher alle an der Schweizer Börse kotierten Gesellschaften unter Ausschluss der SMI-Titel umfasst, konnten bis Ende Oktober um knapp 23% zulegen. Dabei gaben Titel, welche 2018 starke Kurseinbussen zu verzeichnen hatten, ihr Comeback. So konnten beispielsweise AMS, VAT oder Landis + Gyr Gesamtrenditen zwischen 70 und 90% verbuchen. Investoren, welche ihr Geld dagegen in kleineren Unternehmen angelegt haben, erging es indes nicht so rosig. Der SPI Small Index avancierte nur knapp 6%. Ein ungewohntes Bild, liegt historisch doch die Performance von kleinkapitalisierten Gesellschaften über jener der «Grossen».

Chart: David gegen Goliath am Schweizer Aktienmarkt

Umfeld fordert Investoren

Die derzeitige Börsenlage bleibt anspruchsvoll. Es wirken mehrere treibende Kräfte, welche die Kurse bewegen. Einerseits steht die Wirtschaft vor einer weltweiten Wachstumsabschwächung, unter anderem ausgelöst durch den Handelskonflikt zwischen China und den USA. Dies widerspiegelt sich auch in den Wachstumsaussichten der Unternehmen. Bisher gelang es den Firmen noch gut, durch Effizienz- und Kostenprogramme die Profitabilität zu schützen, doch die Herausforderung bleibt gross. Demgegenüber stehen drei nicht zu unterschätzende Kursstützen: Erstens die globale Geldschwemme, welche weltweit die Zinsen auf Rekordtiefständen hält, zweitens die Aussichten auf eine Entspannung der geopolitischen Auseinandersetzungen sowie, drittens, fiskalpolitische Stimuli. Jeder einzelne dieser drei Faktoren kann den Aktienmärkten weltweit positive Impulse geben und auch dem Schweizer Markt nochmals Schub verleihen.

Kann David das Blatt wenden?

Ob gross oder klein, alle Unternehmen müssen sich dem anspruchsvollen Umfeld stellen. Neben dem abschwächenden Konjunkturmomentum fordern anhaltende politische Unsicherheiten die Management-Teams. Als Exportwirtschaft tangieren die genannten Kräfte alle Schweizer Firmen übermässig stark. Die Positionierung in interessanten Nischen, wo mit Qualitätsführerschaft und Innovationskraft gepunktet werden kann, eröffnet Schweizer Unternehmen jedoch auch künftig attraktive Opportunitäten. Die global aufgestellten SMI-Titel haben zwar mehr Manövriermasse, dagegen können die Kleinen vermehrt von attraktiven Nischen profitieren. Langfristig dürfte David wohl zu einer Aufholjagd ansetzen, auf kurze Sicht bieten die Schwergewichte den Anlegern jedoch etwas mehr Sicherheit im aktuellen Umfeld.

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Fabienne Erni, CFA
Leiterin Investment Research bei Basellandschaftliche Kantonalbank
Fabienne Erni ist Leiterin Investment Research bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

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