Die BLKB will den Kulturwandel offen angehen und vorantreiben

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Die Basellandschaftliche Kantonalbank will als Arbeitgeberin attraktiver werden und macht die Betreuung von Angehörigen zum Thema. Ein Sensorium für gesellschaftlichen Wandel ist eine zentrale Voraussetzung für die Gewinnung von Fachkräften.

Der Zug hält. In Liestal eine Seltenheit, denn die meisten IC-Verbindungen brausen am «Stedtli» vorbei. Die kleine Stadt ist ländlich geprägt. Dies ist bei der Rekrutierung von Fachkräften eher ein Hindernis, wie John Häfelfinger, CEO der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB), feststellt: «Viele Fachkräfte sind urbane Hotspots gewohnt. Wenn wir sie anwerben und halten wollen, müssen wir ihnen ein flexibles Arbeitsumfeld bieten, das uns von anderen Arbeitgebenden unterscheidet.» Zum Beispiel mit dem Programm «Work Smart».

Es erlaubt den Angestellten Home-Office, ortsunabhängiges Arbeiten und insgesamt die Möglichkeit, das Arbeitspensum den persönlichen Lebensumständen anzupassen. Eltern soll es beispielsweise die Kinderbetreuung erleichtern. Work Smart gilt für alle Positionen und über alle Hierarchiestufen hinweg. Die Betreuung von Angehörigen sei parallel zur Einführung von Work Smart ins Bewusstsein gerückt, erklärt Häfelfinger: «Wir haben für Mütter ein Wiedereinsteigerinnen- Programm entwickelt und gleichzeitig festgestellt, dass wir die Thematik der Betreuung breiter denken müssen.» Denn viele der Wiedereinsteigerinnen übernähmen auch die Betreuung von älteren Angehörigen.

3 bezahlte Tage haben die Mitarbeitenden der BLKB für die Betreuung von Angehörigen pro Jahr zur Verfügung – ein ärztliches Zeugnis ist erst ab dem vierten Tag notwendig.

Work Smart enthalte auch Massnahmen, die sich speziell an Bedürfnisse von Arbeitnehmenden in ihrer zweiten Berufshälfte richteten. So zum Beispiel die Betreuung unterstützungsbedürftiger Eltern – eine Herausforderung, die sich nach wie vor insbesondere Frauen stelle. «Die Digitalisierung, vor allem aber der demografische Wandel verschärfen den Mangel an Fachkräften. Bei den über 50-Jährigen liegt Rekrutierungspotenzial brach. Wir wollen auch für diese Zielgruppe attraktiv sein», meint Häfelfinger.

10 Prozent der Angestellten bei der BLKB betreuen heute oder in absehbarer Zukunft Angehörige – bei 750 Angestellten betrifft dies rund 75 Personen.

Wie der Kulturwandel gelingt

Die BLKB konzentriert sich bei der Förderung der familienfreundlichen Unternehmenskultur auf fünf Punkte:

  • Vorleben:
    Vorleben: Führungspersonen dazu anhalten, Work Smart vorzuleben. So steigt allgemein
    die Akzeptanz, wenn die Anlageberaterin oder der Produktspezialist abwesend ist, weil sie oder er den kranken Vater ins Spital begleitet.
  • Flexibilität ermöglichen:
    Als Vorgesetzte oder Vorgesetzter Flexibilität zugestehen und einfordern. Beispielsweise den Arbeitnehmenden den Freiraum geben, Arbeitszeit vor- oder nachzuholen.
  • Kreative Lösungen finden:
    Den Angestellten die Möglichkeit geben, Betreuungsarbeit zu leisten – sei es mit der flexiblen Anpassung der Stellenprozente an die anfallende Betreuungsarbeit oder der Gewährung von Freitagen.
  • Informieren:
    Die Betreuung von Angehörigen – seien es Kinder oder unterstützungsbedürftige Erwachsene – nach innen und aussen zum Thema machen. Auf allen Kanälen, die ein Unternehmen nutzen kann, zum Beispiel im Intranet, beim wöchentlichen Austausch mit der vorgesetzten Person, an Weiterbildungen und gegenüber der Öffentlichkeit..
  • Nachfragen:
    Dem Thema im Alltag bewusst Beachtung schenken – zum Beispiel mit der simplen Frage: «Passt der Termin allen oder leistet jemand Betreuungsarbeit, macht jemand Work Smart?» Oder Mitarbeitende auf die Thematik hin befragen, Rückmeldungen sammeln und bei Bedarf Anpassungen vornehmen.

Familienmensch als Chef:
John Häfelfinger – Der 48-jährige italienisch-schweizerische Doppelbürger John Häfelfinger ist seit 2017 CEO der BLKB. Der Betriebswirt ist Vater von zwei Kindern im Teenager-Alter und wohnt in Basel.

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Familienfreundliche Wirtschaftsregion Basel
Die FfWR zeigt die Familienfreundliche Wirtschaftsregion Basel mit praktischen Tipps und Beispielen, wie Unternehmen die Herausforderung offen angehen und gleichzeitig vom Kulturwandel profitieren.

1 Kommentar

  1. Avatar
    Helga Walker am

    Dieses Angebot hätte ich sehr gerne in der Vergangenheit in Anspruch genommen.
    Während vieler Jahre habe ich meine Eltern bis zum Tode neben meinem 100% Job gepflegt und umsorgt. Dies war eine im Nachhinein übermenschliche Anstrengung. Während dieser Zeit habe ich einfach funktioniert.
    Danke BLKB für diese Idee.

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