Trump is «FED UP!»

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oder wieso der US-Präsident auch eine Anlagestrategie ist.

Donald Trump will 2020 wiedergewählt werden und Anleger wollen Geld verdienen. Eine bewusst stark vereinfachte Darstellung zweier Bedürfnisse, welche die Börsenkurse in der Vergangenheit getrieben haben und auch zukünftig für Kursbewegungen sorgen werden. Dies ist der Versuch einer Prognose, wie sich die politischen Strategien des Präsidenten für Investoren in den kommenden Monaten auswirken werden.

Globale Wachstumsverlangsamung – «who cares?»

Seit über einem Jahr versucht der amerikanische Präsident Trump die weltweiten Handelsbedingungen zugunsten der USA zu verändern, typisch «America first». Dabei macht er gerne Deals wie z.B. die Umgestaltung der NAFTA in die heutige USMCA, eine Neudefinition des nordamerikanischen Freihandelsabkommens mit bislang wenig Relevanz. Viel wichtiger ist ihm das Instrument der Handelszölle. Dabei haben sich die daraus resultierenden Handelskonflikte zum zentralen Faktor der globalen wirtschaftlichen Abschwächung entwickelt. Experten reden von bis zu 0.5 Prozentpunkte tieferem globalen Wachstum aufgrund dieser Konflikte. Wenig überraschend wurden die Wachstumserwartungen im laufenden Jahr mehrmals angepasst – nach unten versteht sich. Auch die Wachstumsprognosen fürs kommende US-Wahljahr 2020 wackeln bereits. Wie weit wir noch von einem «Deal» im Handelskrieg zwischen den beiden Wirtschaftsmächten USA und China entfernt sind, ist schwer zu prognostizieren. Zu oft wurden über Tweets Hoffnungen an den Aktienmärkten geschürt, nur um wenige oder gar keine Taten folgen zu lassen. Seit Amtsantritt hat Trump über 44’000 Tweets abgesetzt, und viele davon bewegten die Märkte. Wichtig für die Anleger zu wissen ist, dass Präsident Trump flexibel bleibt, wenn es darum geht, die US-Wirtschaft am Laufen zu halten. Er wird im Wahljahr 2020 nichts anbrennen lassen. Egal, ob er dabei die Unabhängigkeit seiner Notenbank angreift oder neue Zölle erhebt, nur um einen Teil davon sofort wieder zurückzunehmen, da sie den Amerikanern sonst das Weihnachtsgeschäft vermiesen würden. Dabei bleibt sein Fokus extrem auf die USA gerichtet, denn vornehmlich dem eigenen Land soll es gut gehen.

US-Notenbankpolitik – «Fed, are you listening?»

Ein weiteres, beliebtes Instrument des US-Präsidenten ist der ständige Versuch, auf die Geldpolitik der US-amerikanischen Notenbank Fed Einfluss zu nehmen. Am liebsten hätte Trump Zinsen bei 0% oder tiefer, schliesslich steht man im weltweiten Handel in Konkurrenz mit Europa und China. Trump nutzt seinen medialen Einfluss gezielt, um die Fed zu tieferen Zinsen und damit zu einer schwächeren Währung zu bewegen. Schliesslich profitierten die amerikanische Exportwirtschaft und damit der US-Bürger von vorteilhafteren Wettbewerbsbedingungen. Da käme ein schwacher US-Dollar gelegen, um die heimische Wirtschaft anzuheizen und die Stimmung auch fürs Wahljahr hoch zu halten. Der Konsument steuert rund zwei Drittel zum BIP der USA bei. Tiefere Zinsen helfen via günstigerer Hypothekarzinsen das verfügbare Einkommen der Verbraucher hoch zu halten. Entsprechend stark zeigte sich die Konsumlust bis anhin. Solange diese positive Entwicklung nicht dreht, wird es den USA weiterhin gut gehen.

US-Fiskalpolitk – «tariff financed tax cuts»

Während wir in Europa gerade erst angefangen haben, über fiskalpolitische Massnahmen zur Wirtschaftsbelebung zu diskutieren, hat Trump seine erste Runde von Steuererleichterungen bereits verpulvert. Doch er hat noch mehr im Köcher. Die Idee, weitere Steuererleichterungen durch fortlaufende Zolleinnahmen zumindest teilweise zu finanzieren, ist nichts Neues. Sie dient dem Präsidenten aber als ein weiterer Joker, den er bei Bedarf ziehen kann. Dass die Staatsquote am BIP in den letzten Quartalen auffallend hoch war, zeigt welch aktive Rolle der Staat bei der Wirtschaftsbelebung einnimmt. Dieses Instrument ist dabei noch nicht mal richtig angespielt. Seit Jahrzehnten stehen Infrastrukturprojekte Schlange in den USA. Trump hätte gar keine Probleme hier für einen weiteren Wachstumsschub zu sorgen, sollte sich die Stimmung eintrüben. Der -Baubranche in den USA dürfte es dann sehr gut gehen.

Trumpsche Anlagestrategie – «new record highs!»

Während Trump geld- und fiskalpolitisch seinen Weg macht, führten die Handelsstreitigkeiten seit Ende 2017 leider auch zu einer deutlichen Zunahme geopolitischer Unsicherheiten. Ein Argument, welches viele Investoren in der Vergangenheit verunsicherte und von Anlagen in Aktien abhielt. Fakt ist, dass der US-Aktienindex S&P 500 unter Berücksichtigung der bezahlten Dividenden seit der Wahl Trumps bis Ende September eine Wertentwicklung von mehr als 45% verzeichnete, seit der Ankündigung von Handelszöllen zu Beginn 2018 noch rund 15%. Auch wenn die Wertentwicklung in den letzten Quartalen nur noch mit geringerer Dynamik fortschreiten konnte, verdienten Anleger mit Aktien Geld. Wer an der Seitenlinie auf den grossen Crash wartete, profitierte nicht.

Quelle: Bloomberg, BLKB, per 30.09.2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2020: Aktien, Rezession, Negativzinsen – «Bulls & Bears»

Welches Fazit ziehen wir nun aus diesen Feststellungen? Trump hat für die kommenden Quartale genügend Optionen, um eine Rezession in den USA zu verhindern. Ebenfalls hat er weitere Möglichkeiten die Unternehmensgewinne über tiefe Zinsen, erneute Steuererleichterungen oder deutlich höhere Staatsausgaben in Form von Infrastrukturprojekten weiter sprudeln zu lassen. Sein Atem dürfte dabei länger sein als derjenige von China oder der EU. An der Zinsfront ist davon auszugehen, dass wir in den kommenden Jahren noch tiefere Zinsen in den USA sehen könnten. Ein Ende der Negativzinsen in Europa inklusive der Schweiz rückt damit in weite Ferne. Die tiefen Zinsen und stabile Gewinnentwicklung lassen die Aktienbewertungen wieder attraktiver erscheinen. An Aktien führt damit kein Weg vorbei. Wichtig ist, die für sich passende individuelle Anlagestrategie zu kennen und dieser auch in schwankenden Märkten diszipliniert zu folgen, denn Markt-Timing bleibt schwierig. Ein ständiges Hin und Her macht bekanntlich nur die Taschen leer. Oder einfach gesagt: Trump wird 2020 wiedergewählt und Anleger werden weiterhin Geld verdienen. «That’s all, folks!»

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Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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