Volltreffer: Die Kleinbasler Bären erdrippeln sich den Ligaerhalt

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Diesen Sommer spielte die Herrenmannschaft des Basketballclub Bären Kleinbasel um den wohl wichtigsten Punkt in ihrer Vereinsgeschichte. Dessen Gewinn erlaubte ihr nämlich den Verbleib in der Nationalliga B. Jedoch fehlte das Geld zur Finanzierung einer weiteren Saison. Um dieses zu generieren, lancierte man eine Crowdfunding-Aktion. Nach deren erfolgreichem Abschluss habe ich den Präsidenten Pascal Kaufmann besucht, um mehr darüber herauszufinden. Dabei habe ich erfahren, dass der Ligaerhalt eine echte Herzensangelegenheit der Spieler war.

Beton, Korb und Ball

Der Basketballclub Bären Kleinbasel ist ein Projekt der Gesellschaft zum Bären, einer Stiftung, die sich für das friedliche Zusammenleben aller Menschen in der Stadt am Rhein engagiert. Und wie ginge das besser als mit einer Sportart, bei der Mädchen und Jungen, Gross und Klein mitmachen können, auch ohne eine gemeinsame Sprache zu sprechen? Aufgrund des fehlenden Grüns und der vielen Betonflächen im Matthäusquartier war der Basketball schnell gesetzt. Ein Vorteil davon ist auch, dass zum Spielen nur wenig benötigt wird: Ein Korb, ein ebener Boden zum Drippeln, zwei bis zehn Mitspielende. Hinzu kommt, dass der Basketball in den Balkan-Staaten sowie in Mittel- und Südamerika einen sehr hohen Stellenwert geniesst, teilweise sogar höher als Fussball. Ideale Voraussetzungen, um ein harmonisches Miteinander der unterschiedlichsten Nationalitäten zu gewährleisten.

Es war ein einmal…

Als Erstes wurde den Kindern im Kleinbasel jeweils am Mittwochnachmittag der Zugang zu einer Turnhalle gewährt. Dann wurde das Midnight Basketball, heute bekannt als Bärennacht, ins Leben gerufen. Pascal erinnert sich, dass bei deren erster Durchführung eine grosse Ungewissheit herrschte. Niemand wusste, wer kommen wird und was zu erwarten war. Daher waren am Anfang auch Polizisten in Zivil mit dabei. Der Abend verlief jedoch ganz entspannt. Deshalb geht die Bärenacht heuer bereits in die 20. Saison. Für Pascal ist das eine Bestätigung dafür, dass Sport tatsächlich verbindet: Für einmal spielt es keine Rolle, welche Nationalität man hat oder was für einen ethnischen Hintergrund, einzig das Können ist wichtig. Ist jemand ein guter Basketballer, steht er oder sie in der Hierarchie ganz oben, als Anfänger reiht man sich unten ein.

Vom Integrationsprojekt zur Gründung des Clubs

Neben den Bärennächten kamen auch an den Mittwochnachmittagen immer mehr Kinder, um Basketball zu spielen. Bald genügte ihnen das eine Training aber nicht mehr und sie äusserten den Wunsch, sich mit anderen Teams zu messen. Im Jahr 2001 wurde dafür der Basketballclub Bären Kleinbasel (BC) gegründet. Dieser erhielt von der Gesellschaft zum Bären ein Darlehen für Lizenz, Trikot und Spieluhren; die Bälle waren ja schon vorhanden. Die Mitgliederbeiträge wurden bewusst tief angesetzt, damit alle Interessierten die Möglichkeit hatten, dem Verein beizutreten – ein Grundsatz, der auch heute noch seine Gültigkeit hat. In den Fällen, in denen dies das Budget einer Familie trotzdem übersteigt, sucht der Vorstand nach einer Lösung. Dabei kann es sich zum Beispiel um das Gewähren von Ratenzahlungen handeln. Oder das betreffende Kind erbringt zusammen mit seinen Eltern eine andersgeartete Leistung für den Club.

Aus den Kinderschuhen herausgewachsen

Pascal erinnert sich, wie er mit dem neu gegründeten Juniorenteam zum ersten Auswärtsmatch nach Boncourt fuhr: Eine Stunde Fahrt hin und zurück für eine 119:9-Niederlage. Doch bei dieser negativen Erfolgsbilanz blieb es nicht. Und nach dem Erstarken des Nachwuchses formierte sich zudem eine Herrenmannschaft. Diese gewann schon bald die regionalen Meisterschaften und den Cup und wollte sich daraufhin auch der Konkurrenz auf Landesebene stellen. Infolgedessen wurde die Mannschaft in der Saison 2015/2016 für die 1. Liga National angemeldet und stieg 2018 schliesslich gar in die Nationalliga B, die zweithöchste Liga, auf. Sportlich ein Volltreffer, für Club, Vorstand, Trainer und Gönner aber eine finanzielle Herausforderung. Wie sollten die Mehrkosten, die der Aufstieg zwangsläufig zur Folge hatte, bewältigt werden?

Mit Engagement und Teamleistung in die Nationalliga B

Es wurde gerechnet, diskutiert und überlegt, unterschiedliche Szenarien wurden besprochen. Budgetiert war eine weitere Saison in der 1. Liga National, was den Kosten für die Lizenz in der Nationalliga B entspricht. Die Reisespesen, die Trikots und was es sonst noch braucht hätte man damit aber nicht bezahlen können. Dafür galt es, 12’000 Franken zu sammeln – ein sportliches Unterfangen im wahrsten Sinn des Wortes, denn die Zeit war knapp. Doch trotz aller Bemühungen kam das Geld nicht zusammen und der Traum schien geplatzt zu sein. Der Wunsch, in der Nationalliga B mitzuspielen, war jedoch so gross, dass jeder einzelne der 12 NLB-Spieler dem Club 1’000 Franken aus der eigenen Tasche als Darlehen zur Verfügung stellte. Dem Aufstieg und der ersten Saison in der Nationalliga B standen damit nichts mehr im Wege.

Forfait oder geht das Märchen weiter?

Beflügelt von dieser aussergewöhnlichen Demonstration von Teamgeist folgte eine weitere erfolgreiche Saison mit Ligaerhalt. Wer hätte das gedacht? Das Karussell um die Finanzierung ging aber ebenfalls in eine neue Runde. Reserven waren keine mehr vorhanden, ausserdem wurde der Anmeldeschluss von Ende Mai auf Mitte Februar 2019 vorverschoben. Die Frist, um weitere Gelder zu generieren, wurde dadurch noch knapper. Und dem Club war es wichtig, dass die Mitgliederbeiträge erschwinglich bleiben. Egal wie gerechnet wurde, das Geld reichte nicht. Pascal stand nun sein schwerster Gang in die Garderobe bevor: Dem sportlichen Erfolg zum Trotz musste er dem Team verkünden, dass ein Abstieg unausweichlich war.

Das Spiel dreht sich in letzter Sekunde

Doch Pascal hatte die Rechnung ohne sein Team gemacht. Denn dieses gab nicht auf, suchte nochmals das Gespräch mit dem Vorstand und lud den Verband Swiss Basket ein, um ihm zu zeigen, wer die Bären sind und woher sie kommen. Mit Erfolg: Beeindruckt von so viel Engagement gewährten die Gäste einen zeitlichen Aufschub für die Anmeldung. Mit dem Wissen, dass der Restbetrag mittels Crowdfunding gesammelt werden muss, setzte Pascal alles auf eine Karte und meldete die Mannschaft an. Das Risiko war jedoch enorm, denn ein Rückzug hätte eine Busse von 12’000 Franken zur Folge gehabt.

Ich bin schwer beeindruckt vom Handeln der 1. Mannschaft, demonstriert dieses doch eindrücklich, dass die Philosophie des Clubs tatsächlich gelebt wird. Damit sind die Spieler echte Vorbilder für die jüngere Generation. Deshalb freue ich mich mit dem Club über das Erreichen des Crowdfunding-Ziels und werde sicher der einen oder anderen Partie beiwohnen. In diesem Sinne wünsche ich den Bären eine faire und erfolgreiche Saison. Und wer nun ebenfalls Lust bekommen hat, sie bei einem Heimspiel anzufeuern, ist herzlich dazu eingeladen. Die Spieldaten sind auf ihrer Homepage zu finden: www.bcbaeren.ch

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Karin Bjöörn
Marktetingspezialistin bei BLKB
Karin Bjöörn ist Marktetingspezialistin bei der BLKB. Auf BLKBlive gibt sie Einblicke in unsere Engagements.

1 Kommentar

  1. Avatar

    Der BC Bären ist ein eindrückliches Beispiel für die erfolgreiche Integration ausländischer Jugendlicher im Kleinbasel. Die Zahlen sprechen für sich: 230 Aktivmitglieder auf 40 Nationen! Das Engagement der Bären verdient unsere Unterstützung. Dank an die BLKB, dass sie das auch so sieht!

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