Vorsorgesystem in der Schweiz – Weisst du Bescheid?

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1. Säule, 2. Säule und 3. Säule, jeder kennt sie. Doch weisst du auch, welche Säule für was steht und warum es sich lohnt, bereits in jungen Jahren in die 3. Säule einzuzahlen? Wir erklären es dir in diesem Beitrag. Reto Fischer, Finanz- und Vorsorgeplaner bei der BLKB, hat es mir erklärt.

Bis ans Lebensende Arbeiten? Unvorstellbar.

Das Vorsorgesystem sichert Risiken bei Arbeitsunfähigkeit, bei Todesfall sowie Risiken im Alter ab. Es hat das Ziel, dass wir als Versicherte, nach Eintreten dieser Ereignisse, weiterhin unseren Lebensunterhalt bestreiten können und wir nicht bis ans Lebensende arbeitstätig bleiben müssen. Das System besteht aus 3 Säulen, wovon uns die ersten beiden, die staatliche sowie die berufliche Vorsorge, automatisch und ohne dass wir etwas unternehmen versichern. Für die 3. Säule, die private Vorsorge, sind wir selbst verantwortlich.

Welche Säule bewirkt was?

1. Säule: AHV/IV, Staatliche Vorsorge

Sie bildet die Basis der Vorsorge und soll die Existenz der Personen nach dem Rückzug aus dem Arbeitsleben sichern. Versichert sind alle, welche in der Schweiz wohnhaft sind sowie Grenzgänger, die in der Schweiz erwerbstätig sind. Die AHV/IV wird jeweils direkt vom Lohn abgezogen.

2. Säule: Berufliche Vorsorge

Die 2. Säule ergänzt die Leistungen aus der 1. Säule und unterstützt die Versicherten, dass der gewohnte Lebensstandard im Alter weitergeführt werden kann. Arbeitnehmer ab einem Jahreseinkommen von CHF 21’330 sind obligatorisch versichert. Auch hier wird der entsprechende Beitragssatz jeweils direkt vom Lohn abgezogen. Der Sparprozess startet ab dem 25. Lebensjahr.

3. Säule: private Vorsorge

Bei der 3. Säule wird zwischen der Säule 3a und der Säule 3b unterschieden.
3a: Die Beiträge können von dem steuerbaren Einkommen abgezogen werden und sind deshalb begrenzt. Aktuell liegt der Maximalbeitrag für Angestellte bei 6’826 Franken. Eine Säule 3a kann bei einer Bank oder bei einer Versicherung geführt werden.
3b: Hier spricht man von der freien Versorge. Sie ist gesetzlich nicht reglementiert und beinhaltet grundsätzlich alle Vermögenswerte. Oftmals wird in diesem Zusammenhang jedoch von freien Versicherungspolicen gesprochen.

«Wenn wir alt sind, erhalten wir keine AHV mehr» – richtig oder falsch?

Zurzeit ist die Finanzierung der AHV für die nächsten Jahre noch gesichert. Fakt ist, dass aktuell hauptsächlich zwei Probleme bestehen: Die Überalterung der Gesellschaft und die Situation mit den historisch tiefen Zinsen.

Überalterung:

Die Überalterung führt dazu, dass das Gleichgewicht zwischen Beitragszahlern (Erwerbstätigen) und Bezügern (Pensionierte) nicht mehr stimmt. Bei der Gründung der AHV kamen auf einen Rentner noch 9 Einzahler. Heute finanzieren drei Berufstätige einen Rentner. Mit der grossen Pensionierungswelle verschärft sich das Problem in den nächsten Jahren weiter.

Für das «Problem der Überalterung» gibt es drei Lösungen:

  1. Tiefere Renten: Sehen wir bereits vielerorts durch die Reduktion der Umwandlungssätze
  2. Beiträge oder Beitragsjahre erhöhen: So können wir mehr im AHV-Topf sowie in unserem 2. Säule-Kässeli ansparen
  3. Effektivste, aber derzeit politisch unattraktivste Variante ist die Erhöhung des Rentenalters. Wir zahlen länger ein und haben eine reduzierte Bezugsdauer.

Zinsen:

Das Problem mit den Zinsen ist für die meisten vermutlich etwas schwieriger fassbar und trifft vor allem die 2. Säule. Da die meisten Schweizer ihr grösstes Vermögen in der Pensionskasse haben und wir insgesamt von rund CHF 900 Mia (9 mit 11 Nullen!) sprechen, macht es einen grossen Unterschied, ob das Vermögen mit 1% oder 2% verzinst wird. Aktuell liegt der Zinssatz für BVG-Altersguthaben bei 1%, wogegen er bis 2002 noch bei stolzen 4% lag. Somit haben wir bei der Pensionierung auch deutlich tiefere Altersguthaben zu erwarten.

Unser Tipp:
In die 3. Säule einzahlen. Auf diese Säule hat die Überalterung keinen Einfluss, denn da spare ich für mich selbst. Klar würden höhere Zinsen die Guthaben auch schneller anwachsen lassen. Indem ich meine 3a Guthaben langfristig in Wertschriften investiere, kann ich voraussichtlich eine schöne Mehrrendite gegenüber einem normalen Vorsorge-Konto erzielen.

Wann kann ich eine Säule auflösen?

  1. Säule:
    Grundsätzlich läuft sie bis zum ordentlichen Pensionierungsalter (aktuell bei Männern 65 und bei Frauen 64 Jahre). Die 1. Säule kann 2 Jahre vorbezogen oder bis zu 5 Jahre aufgeschoben werden.
  2. Säule:
    Diese Säule hängt mit meiner Erwerbstätigkeit zusammen und wird mit der Pensionierung fällig. In welchem Zeitraum dies möglich ist, definiert das Reglement meiner Pensionskasse. Gemäss Gesetz ist die frühestmögliche Pensionierung mit Alter 58 vorgesehen, was aber nicht heisst, dass meine Pensionskasse dies auch zulässt. Ein vorzeitiger Bezug aus der 2. Säule ist nur für Wohneigentum oder bei Selbstständigkeit möglich.
  3. Säule:
    Grundsätzlich ist die Auflösung mit der ordentlichen Pensionierung fällig. Die Möglichkeit besteht, das Guthaben bereits 5 Jahre vor der ordentlichen Pensionierung zu beziehen, sprich Frauen aktuell ab 59 und Männer ab 60 Jahren. Eine Weiterführung der Säule 3a nach Alter 65 ist ebenfalls möglich, jedoch nur wer weiterhin erwerbstätig ist. Der angesparte Betrag kann also im Alter, für Wohneigentum, Selbstständigkeit, Auswanderung oder Invalidität bezogen werden.

Auch junge können früh Vorsorgen – unsere Tipps

  • Auf das erste grössere Einkommen folgt auch die erste grössere Steuerrechnung. Ab diesem Zeitpunkt macht es Sinn, auf eine Säule 3a einzuzahlen.
  • Das angesparte Geld auf einem Säule-3a-Konto hilft beim Kauf des Eigenheims, sodass der Traum von Wohneigentum später auch realisiert werden kann.
  • Vorsorgen heisst auch sparen für das Studium, den Wohntraum, die Familie oder für finanziell schwierige Zeiten.
  • Auch kleine, monatliche Beträge summieren sich auf die Dauer zu einem schönen Vermögen.
  • Bestimme mit! Bei politischen Entscheiden rund um unser Vorsorgesystem unbedingt abstimmen. Junge Leute sind von diesen Entscheiden am längsten betroffen.

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Weitere nützliche Infos in Bezug auf die 3. Säule und den Abzügen findest du auf unserem Blog unter der Rubrik #BLKBeinfach.

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Valerie Seitz
Social Media & Content Management bei BLKB
Valérie Seitz ist Online Content Managerin bei der BLKB. Sie ist am Puls der sozialen Netzwerke und hält den Blog mit aktuellen Einblicken auf dem Laufenden.

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