Börse trotzt dem anspruchsvollen Umfeld

0
4
1

Schweizer Aktien geben Gas

Die Schweizer Börse ist in Fahrt. Der Swiss Performance Index hat bis Ende Juli eine Gesamtrendite von 23% abgeworfen und die hiesigen Investoren erfreut. Diese Entwicklung hätte wohl angesichts der derzeit vorherrschenden globalen politischen Krisenherde und der weltweiten Abkühlung des Wirtschaftswachstums zu Jahresbeginn keiner so erwartet. Doch die Nervosität steigt.

Schwergewichte legen vor

Eine treibende Kraft hinter der guten Performance bilden unsere ansonsten als «langweilig» und «defensiv» wahrgenommenen Schwergewichte. Allen voran Nestlé konnte den Schweizer Markt mit einer Gesamtperformance von 36% in den ersten sieben Monaten befeuern, doch auch die Performance von Novartis ist mit 27% ansehnlich. Einzig Roche fällt mit einer Gesamtperformance von 13% leicht ab. Auch weitere Angehörige des Swiss Market Index, welcher die 20 grössten Schweizer Aktien umfasst, konnten brillieren. Die Spitze bilden – beinahe gleichauf mit Nestlé – Richemont und Lonza mit einer Rendite von rund 35%. Auch Swiss Life, LafargeHolcim, Zurich, Geberit und Adecco überzeugen mit Performances von teilweise weit über 20%. Das Schlusslicht bildet UBS, welche bis Ende Juli einen Kursrückgang von 4% zu verkraften hatte. Bei den kleinen und mittelgrossen Unternehmen zeigt sich ein noch deutlich divergierenderes Bild: Mit Perrot Duval, ams und Santhera haben gleich drei Gesellschaften seit Jahresbeginn ihren Wert an der Börse mehr als verdoppelt. Dagegen büssten mit Relief Therapeutics, Blackstone Resources, Polyphor und Airopack vier Gesellschaften mehr als die Hälfte ihrer Marktkapitalisierung ein.

Zykliker in der Beweispflicht

Trotz der guten Kursperformance bleibt die Stimmung an der Börse angespannt. Denn die erfreulichen Renditen täuschen nicht über die hohe Unsicherheit in Bezug auf politische Entwicklungen sowie die Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen den USA und China hinweg, was in den letzten Tagen zu Kursrückschlägen führte. Hinzu kommt ein abflachendes globales Konjunkturmomentum, das sich bei einer anhaltenden Schwächephase mittelfristig auf die Gewinnaussichten der Unternehmen auswirken dürfte. Betroffen davon sind insbesondere zyklische Industrien, welche nun in den kommenden Quartalen in der Beweispflicht stehen. Die Berichtssaison zum ersten Halbjahr liess bereits durchblicken, dass sich der Industriesektor diesen negativen Entwicklungen nicht vollständig entziehen kann. Entsprechend haben diverse Gesellschaften ihren Ausblick für den weiteren Jahresverlauf nur sehr vorsichtig formuliert und auf die hemmenden Faktoren hingewiesen. Die Anfang August erfolgte Ankündigung von Donald Trump, auf weitere chinesische Importgüter im Umfang von USD 300 Mrd. ab 1. September einen Zoll in der Höhe von 10% zu erheben, wird auch in der Schweiz diverse Branchenzweige in Mitleidenschaft ziehen. So sind beispielsweise erneut Zulieferer für die Automobilindustrie betroffen, und auch der erhoffte Tiefpunkt in der Halbleiterindustrie könnte durch diese Ankündigung gefährdet sein. Damit müssen also besonders die zyklischen Unternehmen belegen, dass sie ihre Ertragskraft im derzeit äusserst anspruchsvollen Umfeld halten können.

Dividendenrendite lockt im Tiefzinsumfeld

Die erneute Provokation seitens Donald Trump im Handelskonflikt mit China hat seit Monatsbeginn global zu deutlichen Kursrückgängen an den Aktienmärkten geführt. Doch trotz der erhöhten Risiken für die Unternehmen bleibt das Umfeld für Aktien grundsätzlich attraktiv. Die Kehrtwende der globalen Zentralbanken – welche unter anderem auf den schwelenden Handelskonflikt zurückzuführen ist – untermauern dies. Die so lange herbeigesehnte Zinsnormalisierung dürfte sich weit in die Zukunft verschieben. Damit erhalten die Börsen neuen Antrieb. Die Bewertungen sind angesichts des vorherrschenden Tiefzinsumfelds nicht übertrieben, und die Dividendenrendite wird ein immer wichtigeres Investitionsargument für Investoren. Erhält man auf dem Obligationenmarkt kaum noch positive Renditen, locken im Schweizer Aktienmarkt Dividendenrenditen von rund 3%. Es ist jedoch davon auszugehen, dass wir bis Ende Jahr ein gutes Nervenkostüm brauchen, denn die Kursschwankungen dürften im weiteren Jahresverlauf wieder zunehmen. Entsprechend wichtig ist es, die Risiken von Aktienanlagen zu kennen und bei Kursrückschlägen nicht die Nerven zu verlieren.

Vorstehende Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.

4
1
Teilen.
Fabienne Erni, CFA
Leiterin Investment Research bei Basellandschaftliche Kantonalbank
Fabienne Erni ist Leiterin Investment Research bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

Eine Antwort geben