Adieu Libor, Grüezi Saron

0
7
0

Letztes Jahr hat die britische Finanzmarktaufsicht das Ende der Libor-Ära angekündigt. Ende 2021 soll der Libor ausgedient haben. Doch nach wie vor ist der Libor der wichtigste Zinssatz der Welt. Er dient Banken weltweit als Grundlage für Zinsen auf Sparkonti, für Hypotheken oder Firmenkredite.

Bedeutsamkeit für den Schweizer Kreditmarkt

Libor-Hypotheken spielen auf dem Schweizer Kreditmarkt eine zentrale Rolle. Ihr Volumen wird schweizweit auf circa 150 bis 200 Milliarden Franken geschätzt. Im Vergleich zu Festzins-Hypotheken war die Libor-Hypothek in den vergangenen Jahren die kostengünstigste Finanzierungsvariante für Immobilien.

Libor: Hohe Manipulationsanfälligkeit

Hinter dem Libor stehen keine tatsächlichen Transaktionen. Stattdessen beantworten die beteiligten Banken zur Festlegung des Satzes folgende Frage: «Zu welchem Zinssatz könnten Sie Geld leihen, wenn sie eine andere Bank um ein Angebot für eine angemessene Marktgrösse bitten?» 2011 führten unerlaubte Absprachen zwischen einigen Banken zu dem sogenannten «Libor-Skandal» – Bussen in Milliardenhöhe waren die Folge. Diese hohe Manipulationsanfälligkeit hat die britische Finanzmarktaufsicht, welche bisher den Libor bestimmte, bewogen, den Referenzzinssatz ab Ende 2021 nicht mehr zu unterstützen.

Saron – die Schweizer Nachfolgelösung

Weltweit wird der Libor durch neue Referenzzinssätze ersetzt – auch in der Schweiz. Hierzulande löst der Saron (Swiss Average Rate Overnight) den Libor ab. Er wird von der Börsenbetreiberin SIX berechnet. Diese hat den Satz bereits 2009 in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Nationalbank entwickelt. Beim Saron handelt es sich um einen Tagessatz, der auf tatsächlich getätigten Transaktionen beruht. Er ist somit deutlich transparenter und weniger manipulationsanfällig als der Libor.

Geldmarktbasierte Hypotheken bleiben im Sortiment

Auch wenn noch viele Fragen bei der Ablösung des Libor ungeklärt sind, zeichnet sich ab, dass wohl die Mehrheit der Schweizer Banken weiterhin geldmarktbasierte Hypotheken anbieten werden. Wer also bei der Finanzierung seiner Liegenschaft auf kurzfristige Zinsen setzen möchte, wird dies auch in Zukunft tun können. Bis zur Einführung eines Nachfolgeproduktes der Libor-Hypothek können alle Kundinnen und Kunden der BLKB weiterhin liborbasierte Hypotheken abschliessen. Diese enden spätestens am 31. Dezember 2021.

7
0
Teilen.
Fabienne Schindler
Verantwortliche Produktmanagement Hypotheken bei BLKB
Fabienne Schindler ist Betriebsökonomin FH und arbeitet als Produktmanagerin bei der BLKB im Bereich Hypotheken und Immobilien. Sie versorgt die Leserinnen und Leser regelmässig mit Beiträgen rund um die Themen „Mieten, Kaufen, Wohnen“.

Eine Antwort geben