Weshalb die Zinsen bei uns nicht steigen

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Druck auf die SNB erhöht sich

Seit Dezember 2014 nutzt die Schweizerische Nationalbank negative Zinsen, um den Franken abzuschwächen. Am 15. Januar 2015 hat sie den Mindestkurs EURCHF von 1.20 aufgegeben und die Negativverzinsung akzentuiert. Viele Anleger hofften, dass die wirtschaftliche Erholung der letzten Jahre nun endlich zur Normalisierung des Zinsumfelds führen würde. Die jüngste Rhetorik der US-Notenbank Fed und der europäischen Zentralbank haben diese Hoffnung nun endgültig und für längere Zeit zerschlagen.

Wirtschaftswachstum schwächt sich ab

Das globale Wirtschaftswachstum stockt. Handelskonflikte, Strafzölle, tiefere Handelsaktivitäten und ein allgemein weit fortgeschrittener Wirtschaftszyklus lassen die globalen Wachstumsraten fallen. Diese führen bei der Fed dazu, dass man nicht mehr über weitere Zinserhöhungen in der USA spricht, sondern über erste Zinssenkungen. Diese könnten bereits im September stattfinden. Damit verbunden reagiert auch die EZB und stellt weiter Stimuli in Aussicht. Will die SNB in diesem Umfeld den Schweizer Franken in einem bestimmten Band gegenüber dem Euro halten, wird sie um weitere Interventionen am Währungsmarkt nicht herumkommen. Auch eine Ausweitung der Negativverzinsung können wir in unseren Szenarien nicht ausschliessen.

Weltweit keine Inflation in Sicht

Seit Jahren kämpften die Zentralbanken in den entwickelten Ökonomien gegen Deflation und für Inflation. Einzig die Fed konnte die Inflation in den USA ansatzweise auf das Niveau anheben, welches sie sich vorgestellt hatte. Das Risiko weiter steigender Inflation ist vor dem Hintergrund einer sich abschwächenden Wirtschaft gering und setzt die Zentralbanken eher wieder unter Druck, die Zinsen zu senken, damit mehr Inflation entstehen kann. Auch dieser Aspekt spricht für anhaltend tiefe Zinsen. steht dieser Entwicklung zumindest nicht im Wege.

Schweizer Zinsen seit Jahrzehnten im Sinkflug

Wie geht es weiter?

Die Zinsen werden in der Schweiz auch in den kommenden Jahren nicht wesentlich steigen. Unsere Prognose hat nichts mit den aktuell hochsommerlichen Temperaturen zu tun. Wir haben für unsere Aussage durchaus fundierte Gründe: Sollte sich das Wirtschaftswachstum wie erwartet über die kommenden Quartale weiter abschwächen und die USA Mitte 2020 in eine Rezession rutschen, dürfte die Fed bis Ende 2020 keine Zinserhöhungen, sondern Zinssenkungen vornehmen. 2020 ist aber auch Wahljahr in den USA. Die Wahrscheinlichkeit einer Wiederwahl Donald Trumps erscheint hoch. Der US-Präsident hat in den letzten Monaten wiederholt klargemacht, dass er ein Fan tiefer Zinsen ist und eine zu «aggressive» Zinspolitik seiner Zentralbank nicht schätzt. Trump wird sich sicher nicht während einer Rezession der Wiederwahl stellen wollen.

Die schwache US-Wirtschaft, sinkende US-Zinsen und damit verbunden ein tiefer Aussenwert des US-Dollars rufen die europäische Zentralbank aufs Parkett. Denn wertet sich der US-Dollar gegenüber dem Euro zu stark ab, werden europäische Exporte uninteressant und der EU aber auch der Schweiz drohen weitere Wachstumseinbussen. Die EZB wird also ebenfalls für tiefere Zinsen sorgen um die Aufwertung des Euro zu bremsen. Dies wäre aber genau das, was die SNB gerne hätte: Einen teureren Euro und einen schwächeren Franken. In der beschriebenen Konstellation wird die SNB also vorrangig gegen eine Frankenaufwertung kämpfen müssen. Dafür stehen ihr hauptsächlich zwei Instrumente zur Verfügung: direkte Interventionen am Devisenmarkt und Zinssenkungen. Das Tiefzinsumfeld scheint für die kommenden Jahre also betoniert.

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Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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