Unbezahlter Urlaub: Sorgenfrei die Welt bereisen

0
13
2
Lange haben Sie darauf gespart. Lange haben Sie mit Ihrem Arbeitgeber verhandelt. Und nun ist es endlich möglich: Sechs Monate unbezahlter Urlaub und die Welt bereisen. Die Reiseroute steht, die Flugtickets sind gekauft, der Camper und das Mietauto sind gebucht, die Kreditkartenlimite ist erhöht, wer den Briefkasten leert und die Blumen giesst, ist organisiert. Es kann also losgehen. Oder etwa doch nicht?

Gesetzliche Aspekte

Da es keine vollständige gesetzliche Regelung zum unbezahlten Urlaub gibt, sollten Sie das jeweilige Personalreglement Ihres Arbeitgebers beachten. Es ist wichtig, einzelne Themen wie Dauer des Urlaubs, Arbeitspflichten, Erreichbarkeit, Kündigungsschutz, ordentlicher Ferienanspruch, Anspruch auf vollen 13. Monatslohn, Fortzahlung der Sozialversicherungsbeiträge, Dienstaltersgeschenk etc. individuell abzuklären und schriftlich festzuhalten.

Auswirkungen auf die AHV und Arbeitslosenversicherung

Da Sie während des Urlaubs keinen Lohn erhalten, sind auch keine Beiträge an die AHV/IV/EO geschuldet. Allerdings sollten Sie sicherstellen, dass keine Beitragslücken entstehen. Pro fehlendes Beitragsjahr wird Ihre künftige AHV-Rente unabhängig von Ihrem Einkommen um rund 2,3 Prozent lebenslang gekürzt. Beitragspflichtig sind Sie ab 20 bis zum Erreichen des ordentlichen AHV-Rentenalters. Wenn Sie ein ganzes Kalenderjahr auf Reisen gehen, würde auf jeden Fall eine Beitragslücke entstehen. In diesem Fall müssten Sie sich bei der Ausgleichskasse als «Nichterwerbstätiger» melden und einen AHV-Beitrag aufgrund Ihres Einkommens und Vermögens zahlen.
Während Ihres Urlaubs zahlen Sie des Weiteren keine Beiträge an die Arbeitslosenversicherung. Somit besteht während dieser Zeit auch kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Sollten Sie nach der Rückkehr Ihren Job verlieren, besteht der Anspruch im Rahmen der aktuellen gesetzlichen Regelung, insofern Sie mindestens 12 Monatsbeiträge während der letzten zwei Jahre entrichtet haben.

Zusätzliche Versicherungskosten für Pensionskasse

Der Versicherungsschutz gegen Invalidität und Tod endet bereits einen Monat nach der letzten Lohnzahlung. In der Regel erlaubt aber die Pensionskasse, dass Sie sich während der gesamten Dauer des unbezahlten Urlaubs gegen Invalidität und Tod im Rahmen der bisherigen Leistungen versichern. Die Prämienkosten hierfür gehen in der Regel vollumfänglich zu Lasten der Versicherten.
Sie sollten deshalb Ihr Pensionskassenreglement prüfen. Dieses regelt die Weiterversicherungsmöglichkeiten und auch die Finanzierung der Beiträge. Ebenso könnte es sein, dass die Pensionskasse die Weiterbezahlung der Sparbeiträge zulässt. Dadurch vermeiden Sie einen Leistungsverlust bei Pensionierung, Invalidität und Tod.

Unfallversicherung zeitlich beschränkt

Während der ersten 30 Tage Ihres unbezahlten Urlaubs sind Sie über die bisherige Unfallversicherung Ihres Arbeitgebers abgesichert. Wenn Sie einen längeren Urlaub planen, empfiehlt es sich, über den Unfallversicherer Ihres Arbeitgebers eine sogenannte Abredeversicherung abzuschliessen. Den Umfang der Deckung sollten Sie dabeivorher abklären und bei Bedarf eine Zusatzversicherung abschliessen. Wenn Sie länger als sechs Monate verreisen,  reicht die Abredeversicherung nicht mehr, und Sie müssten sich über Ihren Krankenversicherer zusätzlich absichern.
Die Versicherungspflicht in der Krankenkasse bleibt übrigens während eines unbezahlten Urlaubs bestehen. Es lohnt sich, die Prämie jährlich zu zahlen. So müssen Sie niemanden beauftragen, Ihre monatliche Prämienrechnung zu begleichen, und erhalten dazu noch einen kleinen Rabatt auf Ihre Prämie. Solange Sie sich innerhalb der EU/EFTA aufhalten, bezahlt die Krankenkasse allfällige Leistungen direkt. Ausserhalb der EU/EFTA müssten Sie erbrachte Leistungen vor Ort selbst bezahlen und dann von der Krankenkasse zurückfordern.

Weitere wichtige Aspekte

Weiter lohnt es sich zu überlegen, welche regelmässigen Zahlungen auszuführen sind und wer dies für Sie übernimmt. Dazu ist eine Bankvollmacht notwendig. Ebenso könnte es hilfreich sein, dass jemand auf Ihr E-Banking zugreifen kann. Während des Urlaubs sind nämlich auch die restlichen privaten Versicherungen (Haftpflicht, Hausrat etc.) zu finanzieren. Es ist möglich, dass Sie auf Ihrer Reise auch aus diesen Versicherungen – insbesondere der Reiseversicherung – Leistungen benötigen werden.

Fazit

Es ist unablässig, dass Sie nicht nur die schöne Seite des unbezahlten Urlaubs planen, sondern auch detailliert die Versicherungsdeckung und -kosten vorher abklären. So vermeiden Sie unliebsame Überraschungen in Form von ungedeckten Risiken.
Geniessen Sie Ihren unbezahlten Urlaub. Die Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse einer längeren Reise sind mit keinem Geld der Welt zu ersetzen und werden Sie für das restliche Leben prägen.
13
2
Teilen.
Bjoern Cueni
Leiter Finanz- und Vorsorgeplanung
Björn Cueni ist Leiter Finanz- und Vorsorgeplanung und Referent bei den BLKB-Vorsorgeforen. Seit vielen Jahren begleitet er Kundinnen und Kunden auf dem Weg in die Pensionierung. Seine Artikel kommen aus den Bereichen Vorsorge, Pensionierung und Steuern.

Eine Antwort geben