Strukturelle Herausforderungen in der Konsumbranche

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Der Konsument will online einkaufen und setzt auf nachhaltige Marken

Die traditionellen Modelle des Einzelhandels stehen unter Druck: Die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre haben das Online-Shopping zu einem leicht zugänglichen Einkaufskanal gemacht. Gleichzeitig verlieren stationären Geschäfte immer mehr an Umsätzen. Das «Lädelisterben» ist weit verbreitet, während die über Internet bestellten Volumina zweistellig wachsen. Zudem ändern sich auch die Konsumentenanforderungen an die Produkte.

Online-Shopping: Vorteile für Konsumenten – Herausforderungen für Unternehmen

Konsumenten schätzen die einfache Vergleichbarkeit von Preisen, die Einkaufsmöglichkeiten rund um die Uhr und das grosse Angebot des Online-Shoppings. Die traditionellen Einzelhändler stehen dabei vor der Herausforderung, auf die sinkenden Kundenfrequenzen in ihren stationären Verkaufsläden die richtigen Antworten zu finden. Besonders erfolgreich sind dabei diejenigen Unternehmen, die sogenannte Omni-Channel-Konzepte verfolgen. Dabei steht nicht ein bestimmter Absatzkanal im Vordergrund, sondern die Kombination mehrerer Kanäle. Immer mehr werden auch die sozialen Medien auf mobilen Geräten eingebunden. Über Werbebeiträge wird auf Infokanälen auf ein Produkt aufmerksam gemacht und mit einem Klick ist der Kunde bereits im Bestellvorgang. Einkaufen ist dadurch jederzeit und überall möglich. Für die Einzelhändler bedeutet dies, dass sie in allen relevanten Medien präsent sein müssen, was unter anderem substantielle Investitionen in die IT bedingt.

Zukunftsweisendes Geschäftsmodell von Inditex

Ein spanischer Bekleidungskonzern zum Beispiel hat vor rund zwei Jahren sein Geschäftsmodell so umgebaut, dass die stationären Filialen und der Online-Handel global voll integriert sind. Er gehört damit zu den Vorreitern in Europa in diesem Bereich. Ein Tracking-System erlaubt, jeden Artikel zu erfassen, und ermöglicht so die Auslieferung einer Internet-Bestellung aus der nächstgelegenen Filiale. Das verkürzt die Lieferzeiten und senkt die Lieferkosten. Gleichzeitig kann so der CO2-Verbrauch reduziert und die Effizienz gesteigert werden. Dank der Omni-Channel-Strategie konnte Inditex die Anzahl der Filialen laufend senken und stattdessen in grosse Flagship-Stores an guten Lagen investieren. Die Online-Verkäufe sind gleichzeitig in den letzten Quartalen jeweils um über 20% gewachsen und machen inzwischen bereits 12% des Gesamtumsatzes aus. Die Spanier dürften das Wachstumstempo aufgrund des vorausschauenden Geschäftsmodells beibehalten.

Die Generation Y verlangt nachhaltige Produkte

Neben dem Preis und der Verfügbarkeit ist heute die Marke eines der wichtigsten Entscheidungskriterien. Mit ihr verbindet der Konsument einen Qualitätsanspruch und ein Lebensgefühl. Gerade die Generation Y möchte vermehrt Produkte mit einem positiven Image kaufen. Die Nachhaltigkeit spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Schlechte Arbeitsbedingungen oder schädliche Stoffe im Produkt führen schnell zu einer Minderung des Markenwertes. Ein proaktiver Umgang der Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit hingegen trägt zur Steigerung des positiven Images bei. Ein deutscher Sportartikelhersteller hat mit seinen Turnschuhen aus wiederverwendetem Plastik aus dem Meer den Nerv der Zeit getroffen. Bis 2024 will das Unternehmen ausschliesslich recykliertes Polyester in Kleidung und Schuhen verwenden. Mit seiner «low-waste initiative» soll der Verbrauch an Rohmaterialien pro Endprodukt deutlich gesenkt und zum Beispiel die Anzahl Teile pro Schuh verringert werden. Optimiert werden auch die Produktionsprozesse, so dass laufend weniger Wasser, Energie und schädliche Stoffen verwendet werden. Mit dieser Produktestrategie sollte das vom Unternehmen prognostizierte Umsatzwachstum von 5-8% pro Jahr erreichbar sein, nachdem bereits in den letzten fünf Jahren ein Zuwachs von jährlich über 7% erzielt wurde.

Die Beispiele zeigen, dass Konsumgüterunternehmen, die mit den strukturellen Veränderungen proaktiv umgehen, Herausforderungen in Chancen wandeln und so auch in einem schwierigen Umfeld erfolgreich agieren können.

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Regula Simsa
Finanzanalystin bei BLKB
Regula Simsa ist Analystin im Investment Center der BLKB. Sie ist zuständig für die Finanzanalyse unter Einbezug von Nachhaltigkeitsaspekten, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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