KMU Lunch: Trade Finance und Devisenabsicherung

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Brexit und der Handelskrieg zwischen China und USA führen zu starken Verunsicherungen auf den Weltmärkten. Vor allem für international orientierte Firmen im Handels- und Dienstleistungssektor entstehen dadurch täglich neue Herausforderungen. In der diesjährigen KMU-Lunch-Reihe zeigten unsere Experten Wege auf, wie Trade Finance heute und morgen funktioniert. Zudem erfuhren die Gäste, inwiefern Devisenrisiken minimiert werden können und sich daraus auch Chancen ergeben.

Teil 1: Trade Finance heute und morgen

Mehr oder weniger überraschend kann festgestellt werden, dass das Baselbiet in Bezug auf Export und Import die schweizweit am stärksten wachsende Region ist. Umso wichtiger scheint es für Unternehmen aus der Region, sich über die Möglichkeiten im Trade Finance Gedanken zu machen. Bei länderübergreifenden Geschäften werden manche Unternehmensrisiken komplexer, als wenn das Geschäft mit Geschäftspartnern im eigenen Land und einem stabilen Rechtssystem abgewickelt wird. Die wichtigsten Risikodimensionen betreffen: Leistungsrisiko, Produktionsrisiko, politisches Risiko, Transferrisiko, Kreditrisiko und Liquiditätsrisiko.

Traditionelle Bankprodukte bieten Absicherung und Liquidität

Traditionelle Bankprodukte bieten Absicherung und Liquidität.

Die Produkte bieten Kunden eine Möglichkeit, bei zunehmendem Risiko eine Absicherung zu tätigen. Dadurch nimmt der Handel auf offene Rechnung mit zunehmendem Risiko ab. Es findet eine klassische Supply Chain Finance statt.

Einige KMU stehen jedoch vor einer hohen Komplexität und Kosten, welche für sie zu aufwändig sein können. Sie entscheiden sich deshalb oft, ihre Transaktionen nicht abzusichern. Mit anderen Worten für diese Unternehmen entsteht ein Vakuum. Lösungen, die etwas weniger Sicherheit bieten und im Gegenzug auch weniger kosten werden attraktiv. Dadurch entsteht eine Nachfrage nach einfacheren und günstigeren Absicherungen und Finanzierungsmodellen.

Marktentwicklungen

  • Digitalisierung der Gesellschaft und Elektrifizierung der Prozesse
  • Geopolitische Geschehnisse und Verlagerungen von Handelsströmen
  • Zunehmender Wettbewerb zwischen Banken und Nicht-Banken
  • Öffnung von Schnittstellen, Etablierung von Standards und sich verändernde Geschäftsmodelle
  • Aufkommen neuer Technologien (z.b. Robotik, Blockchain, Künstliche Intelligenz)

Die diversen Entwicklungen auf dem Markt führen dazu, dass sich neue Handelsfinanzierungslösungen etablieren und das Vakuum in Bezug auf die Bedürfnisse von KMU geschlossen werden kann.

Neue Lösungen bieten KMU mehr Möglichkeiten Risiken abzusichern

Teil 2: Devisenabsicherung – auch eine Chance?

Wissen Sie wie gross das tägliche globale Volumen im Devisenhandel (Spot; Termin, Swap, Optionen) in Milliarden USD ist? Diese Frage haben wir auch dem Publikum gestellt. Das Spektrum der Antworten reichte von ca. 50 bis 75’000 Milliarden. Fakt ist, es sind 5’008 Milliarden. Jedes Unternehmen mit einem Devisenexposure sollte sich mit den damit verbundenen Risiken und Möglichkeiten auseinandersetzen, um diese zu mindern.

Was beeinflusst die Devisenkurse?

Diverse Themen können auf die Devisenkurse und deren Volatilität Einfluss nehmen, wobei jedes einzelne eigene Wirkungen entfalten kann:

  • Geldpolitik der Zentralbanken
  • EU-Politik: Europawahl / Brexit
  • Protektionismus: Handelskrieg
  • Digitalisierung: Algorithmischer Handel
  • Globale Liquidität
  • Verschuldung
  • Marktpsychologie
  • Black Swan

«Devisenabsicherung ist nur Spekulation» gegenüber «Nichtstun»

Immer wieder wird die Aussage gemacht, dass man besser nichts tut, weil alles andere nur Spekulation sei. Um mit diesem Vorurteil aufzuräumen, sollte man sich mit den Konsequenzen von «Nichtstun» auseinandersetzen. Ein Beispiel zu Veranschaulichung:

  • Produktion einer Maschine in der Schweiz für den Verkauf im Euroraum, Verkaufspreis 100’000 Euro
  • Fälligkeit Zahlung: Nach Lieferung
  • Kurs EUR/CHF bei Vertragsabschluss: 1.20
  • Kurs EUR / CHF nach Lieferung: 1.115
  • Mit der Konsequenz, dass der Ertrag bei einem Wechsel um 8’500 Franken geringer ausfällt.

Ist dies nicht auch spekulieren? Ob sich ein Unternehmen so verhalten kann, ist grossteils von seiner Marge abhängig. Wenn man sich dessen bewusst ist oder die Marge von Anfang an mit einem ungünstigen Wechselkurs kalkuliert, kann dies durchwegs eine Lösung sein. Ansonsten sollten Sie sich mit einer allfälligen Devisenabsicherung auseinandersetzen.

Devisenabsicherung: einige Möglichkeiten

Im Folgenden werden einzelne Möglichkeiten kurz erläutert, wobei einfachheitshalber immer der Fall EUR Kauf / Verkauf CHF dargestellt wird.

Termingeschäft. auf Nummer sicher
    • Der Kurs wird heute fixiert
    • Die EUR-Gutschrift bzw. CHF-Belastung erfolgt mit der vereinbarten Valuta in der Zukunft
    • Für den Aufschlag / Abschlag ist die Zinsdifferenz der involvierten Währungen relevant
Vorteile Nachteile
– Gegen Kursanstieg abgesichert

– Kurs ist fixiert

– Planungssicherheit

– Keine Partizipation an einem Kursrückgang
Optionsgeschäft... alle Chancen intakt
    • Erwerb des Kaufrechts, zu einem bestimmten Zeitpunkt (Expiry) die EUR zu einem festgelegten Kurs (Strike) zu kaufen.
    • Das Recht KANN, MUSS aber nicht angewendet (ausgeübt) werden
    • Dafür wird heute eine Prämie (Versicherungskosten) fällig
Vorteile Nachteile
– Gegen Kursanstieg über 1.16 abgesichert

– Volle Partizipation bei Kursrückgang

– Planungssicherheit

– Keine Partizipation an einem Kursrückgang
Risk Reversal... alle Chancen intakt
Beispiel: Kauf CALL Option 12 Monate bei Ausübungspreis 1,16 und Verkauf PUT Option 12 Monate bei Ausübungspreis 1,115

    • Verkauf des Verkaufsrechts zu einem bestimmten Zeitpunkt (Expiry) die EUR zu einem festgelegten Kurs (Strike) zu verkaufen.
    • Als Verkäufer der Option MUSS man die Entscheidung des Käufers der Option akzeptieren.
    • Dafür erhält man heute eine Prämie.
Vorteile Nachteile
– Gegen Kursanstieg über 1,16 abgesichert

– Begrenzte Partizipation bei Kursrückgang bis 1,115

– Keine Prämienkosten (netto)

– Planungssicherheit

– Keine Partizipation an einem Kursrückgang unter 1,115

Portfolio-Ansatz

Die meisten Unternehmen benötigen nicht nur einmal ein Absicherungsgeschäft, sondern kontinuierlich in diversen Volumen und periodisch. Hier ist der Portfolio Ansatz richtig, bei dem für jedes Unternehmen die individuelle Situation stetig analysiert und festgelegt wird. Dieser Ansatz ist eine Kombination von:

  • Absicherunginstrumenten
  • Abschlusszeitpunkten
  • Absicherungsgrad
  • Laufzeiten

Wie gehen Sie in Ihrem Unternehmen vor?

Um Ihre Devisengeschäfte im Griff zu haben, gibt es einige Hausaufgaben zu tätigen:

  1. Die Devisenrisiken identifizieren
  2. Die Devisenrisiken messen: Was bedeutet dies quantitativ und konkret für mein Unternehmen?
  3. Welche Risiken können Sie in Ihrem Unternehmen selber reduzieren? Z.B.: Natural Hedging, Rechnungen in der eigenen Währung stellen, etc.
  4. Die Risiken, die Sie nicht reduzieren können, sollten Sie wenn möglich transferieren. Nehmen Sie in diesem Fall mit Ihrer Beraterin oder Ihrem Berater Kontakt auf. Wir unterstützen Sie gerne dabei.
  5. Nach Umsetzung der Lösung sollten Sie diese nochmals gemeinsam mit dem Berater überprüfen.

 

Beachten Sie, dass das Vorgehen ein stetiger Kreislauf ist, wobei Sie immer wieder mit der Identifizierung Ihrer Risiken (Punkt 1) starten.

 

Untenstehend eine Übersicht von Schlüsselthemen, welche Sie in der Analyse Ihres aktuellen Umgangs mit Ihrem Devisenexposure unterstützen kann:

Schlüsselthemen

Weiterführende Informationen:

https://www.blkb.ch/unternehmen/handel/devisengesch%C3%A4fte

https://www.blkb.ch/unternehmen/finanzieren/exportfinanzierung

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Scarlett Estermann on Linkedin
Scarlett Estermann
Scarlett Estermann hat den Master in Rechtswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei der BLKB in der Verkaufsführung Unternehmenskunden. Hier schreibt sie Artikel zu aktuellen KMU-Themen.

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