Das neue Sorgenkind auf dem Immobilienmarkt

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Kaum haben sich die Preise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen in der Schweiz stabilisiert, steht schon das nächste Sorgenkind des Schweizer Immobilienmarktes vor der Tür: Wohnrenditeliegenschaften. Die Preise für Mehrfamilienhäuser, die zu Renditezwecken gehalten werden, sind in den letzten Jahren explodiert. Die Behörden sehen Handlungsbedarf bei den Banken.

Wohnrenditeimmobilien: Das neue Sorgenkind

Der Run auf Schweizer Anlageimmobilien ist seit einigen Jahren ungebrochen hoch. Die Preise für inländische Wohnrenditeliegenschaften sind in den letzten 10 Jahren um 65% gestiegen. Vor allem gut gelegene Wohnliegenschaften bieten oft Aussicht auf stabile Renditen und garantierte Einkommensströme – und liegen damit im Vergleich zu anderen Anlagen klar im Vorteil. Angesichts der zuletzt hohen Neubautätigkeit im Wohnsegment wird allerdings immer häufiger vor Leerständen und möglichen Wertkorrekturen gewarnt.

Seit einiger Zeit steht die Entwicklung bei den Mehrfamilienhäusern auf dem Radar der Schweizer Behörden. Zur Diskussion stehen neue Regulierungsmassnahmen der Banken. Um die Preisentwicklung zu drosseln, stünden verschiedene Instrumente zur Auswahl. Einerseits könnten die Banken zukünftig verpflichtet werden, die Vergabe von Hypotheken für Renditeliegenschaften mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Andererseits könnten schärfere Amortisationsrichtlinien oder höhere Eigenmittelanforderungen beim Erwerb von Mietliegenschaften erlassen werden. Derzeit prüft eine Arbeitsgruppe der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) in engem Austausch mit den Behörden verschiedene Massnahmen.

Wer sind die Preistreiber?

Vergleichen wir den Wohneigentumsmarkt mit dem Markt für Mehrfamilienhäuser stellen wir etwas fest. Wohneigentum wird grösstenteils via Hypotheken finanziert. Schätzungen zufolge werden jedoch 50% der Mehrfamilienhäuser aus Eigenkapital finanziert. Durch Pensionskassen und Versicherungen, die ihre eigenen Gelder respektive die Gelder ihrer Versicherten in diesen Markt investieren. Es stellt sich also die Frage, ob eine alleinige Regulierung der Banken den gewünschten Preisdämpfungseffekt erzielen kann.

Regulierungsmassnahmen im Wohneigentumsmarkt haben gewirkt

2014, als der Markt für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen zu überhitzen drohte, wurden die Banken verpflichtet, ihre Hypotheken mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Ebenso wurden die Amortisations- und Eigenmittelvorschriften für Erwerber von Wohneigentum verschärft. Diese Massnahmen haben dazu beigetragen, dass sich die Preise für Wohneigentum in der Schweiz in den letzten Jahren stabilisierten. Eine Überhitzung im Eigentumsbereich ist heute kein grosses Thema mehr. Ob allfällige Regulierungsmassnahmen im Renditebereich ebenfalls fruchten, bleibt abzuwarten.

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Fabienne Schindler
Verantwortliche Produktmanagement Hypotheken bei BLKB
Fabienne Schindler ist Betriebsökonomin FH und arbeitet als Produktmanagerin bei der BLKB im Bereich Hypotheken und Immobilien. Sie versorgt die Leserinnen und Leser regelmässig mit Beiträgen rund um die Themen „Mieten, Kaufen, Wohnen“.

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