STAF / Steuervorlage 17: Darum geht es

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Das Volk hat die Vorlage der Unternehmenssteuerreform abgelehnt. Nichtsdestotrotz besteht Reformbedarf. Der Bundesrat und das Parlament haben deshalb umgehend eine neue Vorlage ausgearbeitet, über die im kommenden Mai abgestimmt wird. Was sind die wichtigsten Neuerungen?

Künftig sollen Grosskonzerne und KMU den gleichen Besteuerungsregeln unterliegen. Die Steuerprivilegien für Statusgesellschaften entfallen. Einerseits werden neue Abzüge für Forschung und Entwicklung geschaffen sowie Erträge aus Patenten und Rechten weniger stark besteuert, andererseits sollen steuerbefreite Ausschüttungen von Kapitaleinlagereserven beschränkt und qualifizierte Beteiligungserträge künftig höher besteuert werden.

Auswirkungen beim Bund

  • Erhöhung der privilegierten Dividendenbesteuerung von 50% (Geschäftsvermögen) oder 60% (Privatvermögen) auf neu 70%. Für die privilegierte Besteuerung braucht es weiterhin eine Beteiligung von 10% am Kapital eines Unternehmens.
  • Beschränkung der steuerfreien Ausschüttungen aus Kapitaleinlagereserven (KER) für an schweizerischen Börsen kotierte Unternehmen. Neu dürfen die steuerfreien Zahlungen aus Kapitaleinlagereserven die steuerbaren Dividenden nicht übertreffen.
  • Einführung per 01.01.2020.

Anstehende Volksabstimmung zum «Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung» am 19.05.2019

Auswirkungen Kanton Basel-Landschaft

  • Gestaffelte Reduktion der Gewinnsteuersätze bis ins Jahr 2025. Ab dem 01.01.2025 gelten die folgenden Steuersätze: Staatssteuer 4.4%, Gemeindesteuer maximal 55% der Staatssteuer.
  • Reduktion der Kapitalsteuer auf 1.6 ‰ für alle Unternehmen.
  • Besteuerung der Dividenden aus qualifizierten Beteiligungen zu 60%. Bisher wurden solche Erträge zum halben Satz des gesamten Einkommens besteuert.
  • Steuerliche Entlastung der Erträge aus Patenten und vergleichbaren Rechten im Umfang von 90%.
  • Zusätzlicher Abzug im Umfang von 20% für Forschung und Entwicklung.

Die Gesetzesänderungen sollen per 01.01.2020 in Kraft treten.

Auswirkungen Kanton Basel-Stadt

  • Der statutarische Gewinnsteuersatz wird von heute maximal 20% auf 6.5% gesenkt.
  • Einheitlicher Kapitalsteuersatz von 1 ‰.
  • Besteuerung von Dividenden aus qualifizierten Beteiligungen zu 80%. Bisher waren solche Erträge zu 50% steuerbar.
  • Steuerliche Entlastung der Erträge aus Patenten und vergleichbaren Rechten im Umfang von 90%.
  • Kein zusätzlicher Abzug für Forschung und Entwicklung.
  • Einführung per 01.01.2020.

Die Steuervorlage wurde am 10.02.19 vom Stimmvolk angenommen.

 

Während die Gewinn- und Kapitalsteuern künftig tiefer ausfallen, werden die Ausschüttungen aus qualifizierten Beteiligungen höher besteuert. Es ist deshalb für Unternehmen attraktiver, im Jahr 2019 erzielte Gewinne in spätere Perioden zu verlagern und qualifizierte Beteiligungserträge, sofern möglich, noch in diesem Jahr auszuschütten.

Was sind mögliche Ansätze?

Bildung von Arbeitgeberbeitragsreserven

Bei Arbeitgeberbeitragsreserven handelt es sich um Vorauszahlungen des Arbeitgebers an die Pensionskasse zur Deckung von künftigen Verpflichtungen. Akzeptiert wird in den meisten Kantonen wie auch beim Bund die Bildung im Umfang des fünffachen jährlichen Arbeitgeberbeitrages.

Bildung von Rückstellungen für Grossreparaturen und Renovationen

Ohne besonderen Nachweis ist für Grossreparaturen eine jährliche Rückstellung von maximal 1% der Gebäudeversicherungssumme möglich. Sofern geschäftsmässig begründet, sind auch höhere Rückstellungen möglich.

 

Abschreibungen

Abschreibungen können linear, degressiv oder leistungsabhängig vorgenommen werden. Die einmal gewählte Methode ist dem Grundsatz der Stetigkeit folgend grundsätzlich beizubehalten. Bei Neuanschaffungen kann die degressive Abschreibungsmethode geprüft werden (höhere Abschreibung im Anschaffungsjahr), ebenso können bewegliche Gegenstände des Anlagevermögens bis zu einem Wert von CHF 5’000 direkt dem Aufwand belastet werden.

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Mathias Mahrer
Leiter Abteilung Steuern bei BLKB
Mathias Mahrer leitet bei der BLKB die Abteilung Steuern. Er und sein Team beraten Kundinnen und Kunden in Steuerfragen. Hier schreibt er Artikel zu aktuellen Geschehen in der Steuerlandschaft.

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