Goldilocks oder Rezession?

0
2
3

Wenn die Fed zur Rettung schreitet

Seit der letzten Fed-Sitzung ist es klar: Die Zinsen in den USA werden dieses Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr steigen. Die altbekannte Liquiditätsschwemme bleibt den Märkten also weiter erhalten. Die EZB hat ebenfalls neue Stützungsmassnahmen angekündigt und die SNB wird ihre Negativzinsen wohl bis ins 2021 beibehalten. Stehen Investoren vor einem erneuten Goldilocks-Szenario oder sind dies die ersten Vorboten einer drohenden Rezession?

Wachstumsabschwächung ist Konsens

Die Märkte haben die Wachstumsabschwächung zum grossen Teil bereits eskomptiert, sprich in ihre Erwartungen mit aufgenommen. Unklar bleibt, ob sich die Abschwächung durch die erneuten Liquiditätsspritzen heilen lässt, denn bis auf die US-Notenbank Fed konnte bislang keine der grossen Zentralbanken die Zinsen nennenswert anheben. Erneute Senkungen bei drohender Rezession werden für EZB, SNB und Konsorten schwierig. Die Hoffnungen auf Fed-Chef Jerome Powell sind entsprechend hoch, nicht nur in den USA, sondern weltweit.

Gewinnaussichten bleiben intakt

Die tieferen Wachstumserwartungen zeigen keine Rezession an, sondern anhaltend positive Werte, einfach tiefer als im vergangenen Jahr. Bewahrheiten sich diese Prognosen, wird es 2019 zu keiner breiten Rezession in der westlichen Welt kommen. Für 2020 bleiben Aussagen noch schwierig. Hört man den Unternehmen und ihren CEO zu, so erhält man den Eindruck, dass der Geschäftsverlauf für 2019 ohne grosse Probleme genügen sollte, um die Gewinnerwartungen der Analysten zu erreichen oder gar leicht zu übertreffen.

In Kombination mit anhaltend tiefen Zinsen für Aktionäre eine traumhafte Kombination namens Goldilocks: Genügend Wachstum mit Potenzial für anständige Gewinne, zu wenig Wachstum, um steigende Zinsen befürchten zu müssen.

«Trump»-Put

Ein weiteres, gewichtiges Argument ist, dass sich der amtierende US-Präsident nächstes Jahr wohl wieder zur Wahl stellen möchte. Zu diesem Zweck wird er alles Notwendige tun, um ein rezessives Umfeld oder gar eine Rezession mit drohenden Jobverlusten zu verhindern. Seine Handlungsoptionen gehen dabei weiter als der kurzsichtige Versuch von Schutzzöllen für die eigene Wirtschaft.

Trump könnte ein breit angelegtes Infrastrukturprogramm für die USA starten, welches die US-Wirtschaft deutlich beleben würde. Europa und die Welt dürften davon ebenfalls profitieren. Die Aktienmärkte goutieren solche Massnahmen in der Regel mit weitere Kursavancen.

2
3
Teilen.
Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

Eine Antwort geben