Kooperation und Innovation für mehr Nachhaltigkeit

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Unternehmen packen das Plastikproblem an

Zahlreiche Studien der letzten Jahre zeigen auf, wie belastend Plastikabfälle für Mensch, Tier und Umwelt sind: Plastikteppiche in den Ozeanen, mit Plastikresten übersäte Strände auf unbewohnten Inseln, mit Plastik gefüllte Mägen von Meerestieren und Mikroplastikrückstände in vermeintlich sauberen Bächen und Seen machen immer wieder Schlagzeilen.

Plastik – ein Kunststoff mit vielen Vor- und Nachteilen

Plastik ist leicht, billig und für viele Anwendungen geeignet. Diese Vorteile führen dazu, dass sich die Menge des produzierten Plastiks in den letzten 50 Jahren rund verzwanzigfacht hat auf über 300 Mio. Tonnen jährlich. Aufgrund mangelhafter Entsorgungssysteme landet ein substantieller Teil dieses Kunststoffes in Deponien und unter anderem durch Abrieb und insbesondere über den Reifenabrieb von Fahrzeugen in Gewässern. Dabei verursacht er aufgrund seines sehr langsamen Abbaus grosse Schäden in der Umwelt. Sollte das Wachstum im gleichen Tempo weitergehen, so wird 2050 gemessen am Gewicht mehr Plastik in den Ozeanen schwimmen als Fische und bereits 20% des geförderten Erdöls in die Produktion von Plastik fliessen. Die Entwicklung von unschädlichen alternativen Kunststoffen wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Lösungsansätze müssen daher im ganzen Lebenszyklus von Plastik andocken, von der Produktion bis zur Entsorgung.

Zusammenarbeit aller Akteure wichtig

Bereits durch das Design von Plastikprodukten oder Gütern, die in Plastik verpackt werden sollen, besteht heute die Möglichkeit, den Plastikanteil deutlich zu verringern. Auch die Wiederverwendbarkeit kann durch die Entwicklung entsprechender Produktausgestaltung massiv gesteigert werden. Der Plastikabfall, der nicht vermieden werden kann, soll nicht mehr unkontrolliert in die Natur gelangen. Es besteht enormes Potential, die globalen Recyclingquoten zu erhöhen. Bei Plastikverpackungen rechnet man mit bis zu möglichen 20%. Filter in Abwasseranlagen und eine angepasste Strassenreinigung können verhindern, dass Mikroplastik durch Reifenabrieb in die Gewässer gelangt. Um eine deutliche Verbesserung zu erreichen, müssen aber alle Akteure zusammenarbeiten: Von den Herstellern von Plastikprodukten, den Abnehmern von Plastikverpackungen, Recyclingunternehmen bis zu den staatlichen oder privaten Unternehmen, die die Abwasser- und Abfallentsorgung sicherstellen.

Verbot oder Freiwilligkeit?

In den letzten Jahren haben immer mehr Regierungen zu Verboten von bestimmten Plastikprodukten gegriffen: Plastikteller oder Trinkhalme zum Beispiel, deren Verkauf in der EU in zwei Jahren verboten sein wird. Die US-Bundesstaaten Hawaii und Kalifornien haben den Gebrauch von Plastiktüten untersagt. Daneben gibt es ebenfalls Initiativen aus dem Unternehmenssektor, die häufig eine Selbstverpflichtung von Firmen beinhalten, den eigenen Plastikverbrauch deutlich zu senken. Eine neuere und viele Akteure umfassende Initiative ist die «New Plastics Economy Global Commitment»-Initiative, zu deren Unterzeichnern sowohl Plastikhersteller als auch -abnehmer und Regierungsbehörden gehören, die sich selber öffentlich zu klaren Zielen verpflichten. Das Ziel der Initiative ist es, bis 2025 alles unnötige Plastik zu eliminieren, die immer noch notwendigen Plastikprodukte zu 100% wiederverwendbar, recyclier- oder kompostierbar zu machen und so alles Plastik im Kreislauf zu halten. Die Initiative unterzeichnet haben bereits über 250 Organisationen, die 20% der weltweiten Plastikverpackungsnachfrage decken. Dazu gehören in Europa grosse Konzerne aus dem Konsumgüterbereich wie Ahold, Unilever, Danone, Diageo, Henkel oder Nestlé. Hersteller von Reifen haben sich im «Tyre Industry Project» zusammengeschlossen, um die Produktion nachhaltiger zu gestalten. Bereits haben sich so 65% der globalen Herstellungskapazitäten für einen besseren Umgang mit Plastik verpflichtet.

Motivation der Unternehmen: Innovation und Reputation

Die Vorteile einer Teilnahme an solchen Initiativen sind neben dem Wissensaustausch auch die mögliche Verhinderung von staatlichen Verboten durch proaktives Verhalten und, natürlich, die erhoffte positive Wirkung auf die Reputation. Wenn die Unternehmen ihre Ziele öffentlich machen, besteht ein starker Anreiz, diese auch einzuhalten. Dies beeinflusst die öffentliche Wahrnehmung positiv. Adidas zum Beispiel will bis 2024 nur noch rezyklierten Plastik für Schuhe und Bekleidung verwenden. Ein Schuh speziell aus Abfallplastik aus den Ozeanen wurde bereits lanciert. Continental forscht an Reifen mit möglichst wenig Abrieb, Michelin an biologisch abbaubaren Reifenmaterialien. Unternehmen, die sich bereits heute als Lösung des Plastikproblems positionieren, sind besser für die Zukunft gerüstet. Dies ist auch für Investoren ein wichtiges Merkmal bei der Unternehmensbeurteilung.

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Regula Simsa
Finanzanalystin bei BLKB
Regula Simsa ist Analystin im Investment Center der BLKB. Sie ist zuständig für die Finanzanalyse unter Einbezug von Nachhaltigkeitsaspekten, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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