Kleine Teile – grosse Wirkung

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Halbleiter gestalten die Zukunft

Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, Datenverarbeitung in der Cloud, der neue Mobilfunkstandard 5G – die vernetzte Gesellschaft verlangt nach immer schnelleren Verbindungen, grösseren Rechenleistungen und immer höheren Speicherkapazitäten. Halbleiter, Mikroprozessoren und Chips sind die zentralen Bausteine für die Erfüllung dieser Anforderungen. Doch nicht alle Unternehmen dieser Branche scheinen gleich gut positioniert, um von diesen Trends zu profitieren zu können.

Spezialisierung weit fortgeschritten

Aufgrund der stark wachsenden technologischen Anforderungen hat sich die Halbleiterbranche in den letzten Jahren immer stärker spezialisiert. Auch ihre Zulieferer sind stark fokussiert. Für Maschinen, Testgeräte und Materialien gibt es jeweils entsprechende Spezialisten. Bei der Herstellung von Speicherchips ist der ökonomische Erfolg wesentlich von der Kapazitätsauslastung abhängig, und die Umsätze unterliegen stark ausgeprägten Zyklen. Unternehmen, die sich auf die Entwicklung von Mikroprozessoren konzentrieren und die Produktion an spezialisierte Hersteller ausgelagert haben, verfügen über freies Kapital, um in die Forschung nach neuen Technologien zu investieren. Diese sind die Basis für einen Technologievorsprung, welcher dann in höhere Margen umgemünzt werden soll. Dabei bleibt die Branche stark von Trends in den Endmärkten (z.B. Handys) abhängig.

Umgang mit den Ressourcen entscheidend

Aufgrund der starken Ausrichtung auf Innovation sind gut ausgebildete Mitarbeiter eine der wichtigsten Ressourcen der Branche. Aber auch der Wasserverbrauch in der Produktion ist zentral. Firmen, welche in der wasserintensiven Halbleiter-Branche tätig sind, können sich Vorteile verschaffen, wenn sie in wassersparende Prozesse investieren und mit lokalen Anspruchsgruppen zusammenarbeiten. So kann langfristig die Verfügbarkeit von sauberem Wasser sichergestellt werden. Durch eine bessere Energieeffizienz von Mikroprozessoren helfen die Hersteller zudem Kunden, z.B. Betreibern von Serverparks, ihre Stromrechnung zu senken. Rohstoffe aus Konfliktregionen stellen ein Risiko in der Beschaffung dar. Wollen Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein, müssen sie ihre umwelt- und sozialverträgliche Verfügbarkeit sicherstellen.

Langfristige Gewinner

Die Umsätze in der Halbleiterbranche haben sich 2018 auf einem rekordhohen Niveau bewegt. 2019 werden aufgrund der Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums tiefere Verkaufszahlen erwartet. Viele Aktienkurse dürften dies bereits vorweggenommen haben. Entsprechend können sich nun spannende Opportunitäten eröffnen. Ein näher zu untersuchendes Unternehmen könnte Intel als weltweit grösster Halbleiter-Produzent sein. Intel übernimmt in der Industrie eine führende Rolle, wenn es um die Durchsetzung von hohen Nachhaltigkeitsstandards in der Beschaffung von Rohstoffen aus Konfliktregionen geht. Um bei Zukunftstrends eine wesentliche Rolle spielen zu können, nutzt das Unternehmen seinen freien Cash Flow für die Forschung. Dazu gehören zum Beispiel Chips für das autonome Fahren sowie am Körper tragbare Kleingeräte („Wearables“). Auch Infineon könnte langfristig gut aufgestellt sein. Infineon ist der weltweit grösste Hersteller von Leistungshalbleitern für das Energiemanagement. Das deutsche Unternehmen profitiert von einer guten Nachfrage aus den Bereichen Elektromobilität und erneuerbare Energien. Ein weiteres Unternehmen, das zurzeit innovativ am Markt partizipiert, ist das an der Schweizer Börse kotierte österreichische Unternehmen ams. Es trägt mit seinen Microchips für Sensoren und Sensorschnittstellen dazu bei, die Energiebilanz der Endgeräte wie zum Beispiel Smartphones zu verbessern. Das Unternehmen verfolgt zudem klare Ziele zur Senkung des Wasserverbrauchs in der Produktion. Mit Blick auf den Markt Schweiz erscheint die Firma Inficon beispielhaft. Inficon ist führend in der Vakuumtechnologie von Messgeräten, die in der Herstellung von Halbleitern und Displays eine zentrale Funktion einnimmt. Alle Produktionsstätten von Inficon analysieren laufend ihre Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen und optimieren ihre Prozesse. Auch in Holland treten vielversprechende Unternehmen am Markt auf. Die niederländische ASML beispielsweise liefert die «Schaufeln» für die Halbleiterindustrie. Die Technologie von ASML ist zentral für die Beschichtung der Halbleiter-Grundbausteine («Wafer») und ermöglicht eine energieeffizientere Herstellung.

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Regula Simsa
Finanzanalystin bei BLKB
Regula Simsa ist Analystin im Investment Center der BLKB. Sie ist zuständig für die Finanzanalyse unter Einbezug von Nachhaltigkeitsaspekten, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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