Schweizer Aktien im Fitness-Check

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Auf welches Pferd setzen?

2018 war für Schweizer Aktienanleger kein erfreulicher Jahrgang. Nach anfänglichen Zins- und Inflationsängsten verhagelten die Sorgen um die Auswirkungen eines schwelenden Handelskonflikts zwischen den USA und China sowie der globalen Wachstumsverlangsamung das Börsenjahr. Nach der schlechten Performance bleibt ein schaler Nachgeschmack. Die Unsicherheit für das angebrochene Jahr ist gross. Doch der Schweizer Markt könnte davon profitieren.

Defensive auf Aufholjagd

Mit Blick auf die deutlich gestiegene Volatilität an den Märkten lohnt es sich, defensive Werte mit attraktivem Potenzial in den Depots zu halten. Die Tendenz weg von zyklischen Titeln, die sich seit dem zweiten Halbjahr 2018 manifestiert, dürfte auch im laufenden Jahr anhalten. Damit sollten sich die defensiven Qualitäten des Schweizer Marktes auszahlen. Der stark vertretene Gesundheitssektor dürfte deshalb auch im neuen Jahr gesucht bleiben. Dabei überzeugen die Schwergewichte Novartis und Roche. Novartis wartet in diesem Jahr mit dem Spin-off von Alcon auf und kann auf eine attraktive Pipeline zählen. Zudem lockt eine hohe Dividendenrendite. Dies gilt auch für Roche, wobei das Risiko aufgrund von Patentabläufen leicht höher ist. Aber auch der wachstumsstarke Dentalimplantatehersteller Straumann dürfte 2019 die Anleger erfreuen. Zudem lockt Nestlé, das dritte Börsenschwergewicht, mit seinem defensiven Charakter und bringt damit weitere Stabilität in den Schweizer Markt.

Verachtete Perlen mit Handicap

Neben den defensiven Qualitäten der Schweizer Aktien dürften auch die teils übertriebenen Umschichtungen weg aus Schweizer Small- und Midcaps Opportunitäten bieten. Die starken Verwerfungen des letzten Jahres bieten in einigen Titeln attraktive Einstiegsmöglichkeiten für langfristig denkende Investoren mit der nötigen Risikobereitschaft. Dies gilt vor allem für den Technologiesektor. So verzeichneten bisherige Börsenüberflieger wie Inficon, VAT oder ams im vergangenen Jahr regelrechte Kurseinbrüche. Auch im Industriesektor gibt es attraktive Titel, die zu stark unter dem negativen Sentiment an den Märkten gelitten haben. So geriet beispielsweise Georg Fischer mit der Autobranche in eine Art Sippenhaft und könnte entsprechend ein hohes Aufholpotenzial aufweisen.

Zukunftsträchtige Technologien in Lauerstellung

Ein weiteres interessantes Segment im Börsenjahr 2019 könnte jenes von Gesellschaften sein, welche sich mit zukunftsträchtigen Technologien beschäftigen und ihr Geschäftsmodell darauf ausrichten. Die globalen Megatrends wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz, autonomes Fahren oder die fortschreitende Urbanisierung werden ihnen auch in diesem Jahr Rückenwind geben. Entsprechend sollten Anleger vermehrt in Aktien investieren, welche von diesen Trends profitieren. Aufgrund der hohen Innovationskraft dürften viele Schweizer Unternehmen von diesen Entwicklungen profitieren können. Auch hier stehen Technologiefirmen im Fokus. Jedoch wird auch der hiesige Industriesektor global mitspielen können. So dürften Gesellschaften wie beispielsweise ABB vom ungebrochenen Trend im Bereich Industrie 4.0 profitieren.

Qualität macht das Rennen

Das anspruchsvolle Umfeld bietet im neuen Jahr also durchaus attraktive Opportunitäten im Schweizer Markt. In Zeiten grosser Unsicherheit gilt es umso mehr, ein aktives Risikomanagement mit in den Anlageprozess einzubeziehen und auf Unternehmen zu setzen, die auf ein zukunftsorientiertes Geschäftsmodell bauen. Neben der Berücksichtigung von klassischen Finanzzahlen zur Beurteilung der Ertragskraft und Bilanzqualität bringt die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien, welche die Dimensionen Umwelt, Soziales und Corporate Governance umfasst, ein weiteres Risikomass. Ein solcher, integrierter Analyseansatz dürfte es in einem derart schwierigen Umfeld leichter machen, ein attraktiveres Risiko-Renditeprofil im Anlageportfolio zu erzielen. Gerade wenn die Nervosität an den Märkten hoch ist und die Unsicherheit über den Einfluss der Politik die Börse treibt, dürfte sich eine aktive Selektion unter Berücksichtigung dieser Aspekte auszahlen.
Vorstehende Angaben eignen sich zu Informationszwecken und ersetzen nicht die Beratung, einen Anlagevorschlag oder eine Empfehlung der BLKB.

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Fabienne Erni, CFA
Leiterin Investment Research bei Basellandschaftliche Kantonalbank
Fabienne Erni ist Leiterin Investment Research bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

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