Nachhaltige Anlagen auf Wachstumskurs

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Raus aus der Nische, rein ins Portfolio

Nachhaltige Anlagen haben sich in den vergangenen Jahren erfolgreich von einer Randerscheinung zum globalen Trend in der Finanzindustrie entwickelt. Dies belegt neben hohen Wachstumsraten und steigender Diversität in den Anlageansätzen deutlich die wachsende mediale Aufmerksamkeit für das Thema. Während die institutionellen Anleger wie Pensionskassen ursprünglich praktisch alleine für das Wachstum der nachhaltigen Anlagen verantwortlich waren, gesellten sich in der jüngeren Vergangenheit vermehrt auch die privaten Investoren hinzu. Dementsprechend ist auch das Produktangebot gewachsen und immer mehr Vermögensverwalter und Banken bieten nachhaltiges Anlegen in der einen oder anderen Form an.

Grosse Auswahl in der Schweiz

In der Schweiz gibt es immer mehr Anlageprodukte, die Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekte berücksichtigen. Dies zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern. Gemäss der Studie ist die Anzahl nachhaltiger Fonds von Mitte 2017 bis Mitte 2018 um 26% auf 423 gestiegen, ihr Volumen nahm gleichzeitig um satte 44% auf CHF 157 Mia. zu. Der Anteil am Gesamtmarkt für Publikumsfonds ist mit 4,8% noch immer eher gering, aber das Wachstum der nachhaltigen Anlagelösungen übertrifft den Gesamtmarkt deutlich. Die «Schweizer Marktstudie Nachhaltige Anlagen 2018» des Branchenverbands Swiss Sustainable Finance berücksichtigt auch grosse institutionelle Anleger. Gemäss der Studie wurden in der Schweiz per Ende 2017 gut CHF 390 Mia. nachhaltig verwaltet. Im Vorjahresvergleich zeigt sich, dass die institutionellen Anleger zwar noch immer den Löwenanteil ausmachen, die privaten Anleger aber auch vermehrt nachhaltige Anlagelösungen nachfragen.

Augen auf beim Fondskauf

Unter dem Begriff «Nachhaltiges Anlegen» bewegen sich verschiedene Ansätze, um Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekte in Investmententscheide zu integrieren. Anlegerinnen und Anleger sollten sich von ihrer Bank über die entsprechenden Produktmerkmale informieren lassen. Die verschiedenen Ansätze machen die Auswahl komplizierter, aber reichhaltiger. Grundsätzlich gibt es Fonds, bei denen Nachhaltigkeitsaspekte direkt in die Finanzanalyse von beispielsweise Aktien ohne vorgegebene Gewichtung einfliessen (ein integrativer Ansatz). Andere Fonds setzen auf die jeweils nachhaltigsten Unternehmen einer Branche und/oder schliessen gewisse stark umwelt- und sozialbelastende Geschäftsaktivitäten ganz aus. Bei beiden Ansätzen sollte die Verbesserung des Risiko-/Rendite-Verhältnis im Vordergrund stehen. Wer stärker auf die positive Wirkung von Finanzprodukten setzt, wird sich Mikrofinanzfonds oder Fonds mit sogenannten Green oder Social Bonds anschauen. Das sind Obligationen mit einem fest definierten Verwendungszweck zur Verbesserung der nachhaltigen Entwicklung. Bei vielen Anbietern sind die genannten Fondstypen nur ein Teil der gesamten Produktpalette, während sie bei anderen der Standard sind. Wie auch immer, Kunden sollten auf eine gute Beratung achten.

Nachhaltiges Investieren – quo vadis?

Die Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien ergibt für alle Anleger Sinn. Es geht darum, bestimmte Chancen und Risiken auf den Radar zu nehmen, die in eher kurzfristig orientierten Investmentanalysen zu wenig berücksichtigt werden. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, bei einem wissensbasierten Unternehmen wie einem Softwareunternehmen zu prüfen, ob es ein attraktiver Arbeitgeber ist. Das Kapital eines solchen Unternehmens besteht hauptsächlich aus der «Brain Power» der Mitarbeitenden. Bei Medizinaltechnik-Unternehmen lohnt es sich, das Qualitätsmanagement zu prüfen, um Haftungsfälle und Produktrückrufe zu vermeiden. Bei energieintensiven Branchen könnten die Kosten für die Emissionen von Treibhausgasen in den nächsten Jahren steigen.

Fazit ist, dass nachhaltiges Investieren ein reifer Ansatz ist und zum Mainstream wird. Vermutlich wird der Begriff in den nächsten zehn Jahren sogar verschwinden. Und das ist gut so. Eine nachhaltigere Entwicklung muss zum globalen Standard werden, auch aus rein ökonomischen Gründen.

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Andreas Holzer on Linkedin
Andreas Holzer
Finanzanalyst bei BLKB
Andreas Holzer ist Analyst im Investment Center der BLKB. Er ist Spezialist für Nachhaltiges Investieren, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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