… und schuld sind die Zinsen!

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Ist die Angst vor steigenden Zinsen berechtigt?

Die Aktienkurskorrekturen vom Oktober und November haben mehrere Gründe. Der Haupttreiber – die gestiegenen US-Zinsen – bleibt auch fürs kommende Jahr im Fokus der Anleger. Wie gross ist das Risiko weiterer Zinsschritte der US-Notenbank Fed und welche Auswirkungen auf die Schweizer Zinsen sind zu erwarten?

US-Midterms als Zinsbremse

Das Resultat der vergangenen US-Kongresswahlen bedeutet für Präsident Donald Trump ein demokratisch geprägtes Repräsentantenhaus und einen republikanischen Senat. Die expansive Fiskalpolitik des US-Präsidenten wird damit im kommenden Jahr eingeschränkt werden. Das US-Haushaltsdefizit dürfte deshalb weniger stark steigen als erwartet. Das wirkt einem weiteren Anstieg der zehnjährigen Renditen der US-Staatsanleihen entgegen.

Tiefer Ölpreis via Twitter

Wie Trump jüngst unmittelbar vor dem G20-Gipfel und dem darauffolgenden OPEC-Treffen auf Twitter schrieb, wünscht er sich einen tiefen Ölpreis. Dieser wirke wie eine Steuersenkung für Unternehmen und Haushalte. Die damit verbundene Erleichterung an der Inflationsfront würde ebenfalls entspannend für die US-Zinsen wirken.

Wachstumsabschwächung 2019

Das globale Wachstum wird nächstes Jahr tiefer ausfallen als 2018. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass die USA den Gipfel ihres Wachstums im Sommer 2019 erreichen werden. Die fiskalpolitischen Optionen für eine Verlängerung des Wachstumszyklus scheinen weitestgehend ausgereizt. Wie auch jüngst US-Notenbankchef Jerome Powell sagte, erwartet er zunehmenden Gegenwind für die US-Wirtschaft. In der Folge reduzierten sich die Markterwartungen an die Zinserhöhungen in den USA für 2019 auf nur noch einen Schritt. Die Serie der Zinserhöhungen in den USA dürfte damit zu einem Ende kommen.

Auswirkungen für die Schweiz

Die Schweizerische Notenbank (SNB) wird es in dem Umfeld schwer haben, die Zinsen nächstes Jahr zu erhöhen. Ohne die Europäische Zentralbank (EZB) riskiert die SNB bei einem Alleingang eine deutliche Aufwertung des Schweizer Franken. Dies steht bei den Währungshütern bislang nicht zur Debatte. Die Eurozone bekundet im aktuell instabilen Umfeld Mühe, aus der Wachstumsdelle herauszukommen. Damit verschieben sich die Erwartungen an einen ersten Zinsschritt der EZB auf Ende 2019, eventuell sogar ins Jahr 2020. Insbesondere würde die EZB Zinserhöhungen nur behutsam vornehmen, um Italiens Verschuldungssituation nicht zusätzlich durch höhere Zinszahlungen anzuspannen. Somit ist für die Schweiz 2019 ein weiteres Jahr mit Negativzinsen zu erwarten. Unter diesen Aspekten dürfte der Angst vor weiter steigenden Zinsen und deren negativen Auswirkungen auf die Aktienpreise bald die Luft ausgehen.

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Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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