Europäische Aktien zwischen Politik und Konjunktur

0
3
2

Volatile aber weiterhin interessante Anlageregion

Zurzeit liegt der Fokus der Schlagzeilen, wenn es um Europa geht, auf der Politik. Dabei werden vor allem die Turbulenzen im Zusammenhang mit der neuen italienischen Regierung und dem Brexit thematisiert. Dies hat auch den europäischen Aktienmarkt beeinflusst, seit Jahresbeginn ergibt sich eine bescheidene Performance.

Salvini, May und Trump machen Schlagzeilen

Die Budgetplanung Italiens für das nächste Jahr schürt die Ängste vor einer deutlichen Erhöhung der Staatsschulden. Italien geht damit auf Konfliktkurs mit der EU und den Ratingagenturen. Es ist aber davon auszugehen, dass sich Italien und die EU finden werden. Italien kann sich einen Bruch mit der EU nicht leisten und die meisten Italiener wollen in der Währungsunion bleiben. Bisher haben die Turbulenzen um die italienische Budgetdiskussion zudem nicht auf andere südeuropäische Länder übergegriffen. Auch beim Thema Brexit haben beide Seiten ein grosses Interesse an einer bestmöglichen Lösung. Beim Handelskonflikt ist Europa nicht mehr im Fokus, nachdem sich der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker und Donald Trump vor einigen Monaten grob auf eine Lösung geeinigt haben. Die Situation zwischen den USA und China ist im Gegensatz dazu schlechter und erhöht die Unsicherheit des globalen Handels. Die Handelszölle zwischen diesen beiden Nationen treffen zum Beispiel auch die europäischen Automarken, die in den USA für den Weltmarkt produzieren.

Europas Wirtschaft ist weiter in Fahrt

Die europäische Wirtschaft startete 2018 verhalten, im Verlauf des dritten Quartals beschleunigte sich das Wachstum jedoch wieder. Europa ist, wenn auch auf tieferem Niveau als im sehr guten Vorjahr 2017, weiter gut unterwegs. Die Konjunktur ist im Vergleich mit den USA noch in einer frühen Phase und die inländische Nachfrage hat sich positiv entwickelt. Der Internationale Währungsfonds geht, trotz einer leichten Senkung des globalen Ausblicks Anfang dieses Monats, für die Eurozone von einem Wirtschaftswachstum von 2.0% im laufenden Jahr aus. Für 2019 liegt die Schätzung wegen möglichen Auswirkungen des Handelskonflikts bei 1.9%. Die Arbeitslosigkeit ist in der Eurozone zurzeit mit 8.2% auf dem tiefsten Stand seit 2008. In Deutschland liegt der Wert sogar bei rekordtiefen 5.0%.

Sektoren sind unterschiedlich in Form

In diesem Jahr hatten bisher vor allem die Branchen Gesundheitswesen, Energie und Informationstechnologie einen guten Lauf an der Börse. Die Pharmaindustrie profitiert von einer guten prognostizierten Gewinnentwicklung im nächsten Jahr, gefüllten Produktpipelines und einer moderaten Bewertung. Energietitel haben hauptsächlich vom gestiegenen Ölpreis profitiert. Eine Branche, die wir wieder etwas positiver einschätzen, sind Basiskonsumgüter. Die Aktien von Nahrungsmittelherstellern und -händlern haben lange unter dem hohen Preisdruck und gestiegenen Rohstoffkosten gelitten. Nun haben vor allem die Händler Massnahmen umgesetzt, um dem Preisdruck zu begegnen. Sie fusionieren, gründen neue Discounter-Tochtergesellschaften, verkaufen Immobilien und reduzieren Verkaufsfläche. Positiv für den Sektor ist auch die steigende Inflation. Die Bewertung der Unternehmen hat ein interessantes Level erreicht. Die Korrektur der Technologieaktien in den USA brachte die Techbranche in den letzten Wochen unter Druck. Im Vergleich mit den USA und Asien spielt Hightech an den europäischen Börsen eine kleinere Rolle. Globale Marktführer wie der Softwarehersteller SAP oder der Chipproduzent Infineon bieten aber trotz des negativeren Sentiments interessante Investitionsmöglichkeiten. Viel Gegenwind spüren zurzeit die Automobilhersteller und -zulieferer aufgrund der Probleme mit Dieselmotoren und neuer Abgasprüfverfahren.

Europäische Unternehmen sind gut aufgestellt

Die europäische Wirtschaft ist besser unterwegs, als es die politischen Turbulenzen vermuten lassen. Der europäische Aktienmarkt ist zudem vergleichsweise günstig bewertet und es lockt eine hohe Dividendenrendite. Man muss an der Börse in den nächsten Monaten wegen den politischen Unsicherheiten mit erhöhter Volatilität rechnen. Die Gewinndynamik der europäischen Unternehmen ist jedoch gut und lässt Fantasien für eine Aufholjagd gegenüber den amerikanischen Konkurrenten zu.

3
2
Teilen.
Andreas Holzer on Linkedin
Andreas Holzer
Finanzanalyst bei BLKB
Andreas Holzer ist Analyst im Investment Center der BLKB. Er ist Spezialist für Nachhaltiges Investieren, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

Eine Antwort geben