US-Börse auf Höchstständen

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Lange Hausse führt zu hohen Bewertungen

Die Aktienindizes in den USA eilten in den letzten Wochen von Höchststand zu Höchststand und Apple und Amazon haben als erste Unternehmen an der Börse die 1-Billion-Dollar-Marke geknackt. Der längste Bullenmarkt in der Geschichte hält bereits seit Anfang 2009 an. Trotz der Risiken eines drohenden Handelskriegs und Zinsanstiegs ist der Optimismus an den amerikanischen Aktienmärkten bis heute ungebrochen. Gleichzeitig befinden sich die Bewertungen der Aktien in einer Langzeitbetrachtung auf sehr hohem Niveau. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis des US-Börsenindex S&P 500 der letzten zehn Jahre ist das Zweithöchste in über hundert Jahren. Nur vor dem Platzen der Technologie-Blase im Jahr 2000 war das Verhältnis auf einem höheren Stand.

Teure Aktien, tiefere Renditen

Grundsätzlich gilt: Je höher der Kaufpreis einer Investition, desto tiefer ist die durchschnittlich realisierbare Rendite. Kauft man Aktien zu sehr hohen Bewertungen, sind in den nächsten Jahren unterdurchschnittliche Renditen zu erwarten. Dies trifft momentan auf die US-Börse zu. Die Gewinnprognosen deuten darauf hin, dass in den aktuellen Kursen viele positive Erwartungen enthalten sind. Die Schätzungen für die nächsten fünf Jahre gehen von einer jährlichen Steigerung der Gewinne um rund 15% aus – nur im Jahr 2000 waren die Analysten optimistischer. Selbst wenn die amerikanische Wirtschaft weiterhin solide wachsen sollte, wäre das Erreichen eines solch hohen Gewinnwachstums sehr anspruchsvoll.

Marktbreite hat abgenommen

Der Anteil des Technologiesektors an der gesamten Börsenkapitalisierung beträgt inzwischen über 30% und hat seit Anfang Jahr über 20% dazugewonnen. Der Gesamtmarkt hingegen ist nur rund 8% gestiegen. Ein grosser Teil dieser Zugewinne geht auf die sogenannten FAANG-Aktien – Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google – zurück. Man spricht entsprechend von einer geringen Marktbreite. Sollten diese wenigen Titel in der Anlegergunst sinken, könnten sie den ganzen Markt in die Tiefe ziehen. Die Abnahme der Marktbreite ist zudem häufig ein Anzeichen für das nahende Ende eines Bullenmarkts.

Europäische Aktien attraktiver

Die zu erwartenden Rendite von Investitionen in US-Aktien gelten die derzeitigen Risiken mit hoher Wahrscheinlichkeit zu wenig ab. Grundsätzlich bleibt die Anlageklasse Aktien aber attraktiv. In Europa bestehen überdurchschnittliche Dividendenrendite und angemessenere Bewertungen. Die besseren Anlagechancen dürfte auch Asien bieten, wo die Indexstände seit Jahresanfang stark korrigiert haben.

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Regula Simsa
Finanzanalystin bei BLKB
Regula Simsa ist Analystin im Investment Center der BLKB. Sie ist zuständig für die Finanzanalyse unter Einbezug von Nachhaltigkeitsaspekten, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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