Jute statt Rendite?

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Nachhaltiges Anlegen ist nicht in erster Linie Weltverbesserung

Die Trockenheit in diesem Sommer und die damit verbundenen Waldbrände, verdeutlichen einmal mehr die Auswirkungen des Klimawandels. Als Konsument spürt man die Folgen hierzulande erst wenig. Einige landwirtschaftliche Produkte und Benzin wurden etwas teurer. Letzteres kann aufgrund des gesunkenen Wasserpegels des Rheins nur erschwert importiert werden. Die Themen Klimawandel und nachhaltige Entwicklung spielen auch für Anleger eine Rolle. Unternehmen verschiedenster Branchen sind davon betroffen. Damit wird der Klimawandel auch für Anleger ein relevanter Entscheidungsfaktor.

Der Preis der Umweltverschmutzung wird zunehmen

Unternehmen sind auf verschiedenste Weise mit der Umwelt verknüpft. Sie verbrauchen Ressourcen und stossen Emissionen wie Abwasser und Luftschadstoffe aus. Rohstoffe wie Metalle, fossile Brennstoffe und landwirtschaftliche Produkte haben natürlich einen Preis. Diese Preise berücksichtigen kaum die Schädigung der Umwelt durch deren Produktion und es kommt zu einer Übernutzung. Noch deutlicher ist dies, wenn es um saubere Luft und Klima geht. So kostet global das Ausstossen von CO2 bei der Verbrennung von Treibstoffen meist nichts. Die Umweltschäden trägt die Allgemeinheit. Die ökonomisch sinnvollste Art des Umweltschutzes ist es, Preise festzulegen, die sämtliche Kosten berücksichtigen. Dies würde umwelteffizientere Unternehmen bevorzugen. Stark negativ wäre dies beispielsweise für Erdölunternehmen: je höher der Preis für CO2-Ausstoss, desto tiefer der Wert der Ölreserven. Es gibt in einzelnen Ländern bereits entsprechende marktwirtschaftliche Umweltmechanismen. Die Schweizer CO2-Abgabe deckt Brennstoffe wie Heizöl ab. Die EU hat seit 2005 ein Emissionshandelssystem, das energieintensive Industriebranchen abdeckt und China hat im vorigen Dezember den Start seines nationalen Emissionshandels verkündet. Entsprechende Planungen laufen unter anderem auch in Kanada und Kalifornien. Wir gehen davon aus, dass solche und andere gesetzliche Massnahmen in Zukunft verstärkt nötig sind, damit global eine nachhaltigere Entwicklung in die Wege geleitet werden kann.

Auch soziale Aspekte steigern den Unternehmenswert

Auch Aspekte wie Mitarbeiterzufriedenheit oder die Sicherstellung einer langfristig funktionierenden Lieferkette sind relevant für Unternehmen. So sieht zum Beispiel SAP das Mitarbeiterengagement und die Kundenbindung als wichtige Indikatoren für die künftige Entwicklung des Unternehmens und kann dies auch finanziell messen. So verändert jede Zu- oder Abnahme des SAP-Index zur Gesundheitskultur im Unternehmen das jährliche Betriebsergebnis um 85 bis 95 Millionen Euro. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Überalterung in den Industrieländern nimmt die Bedeutung der Attraktivität als Arbeitgeber generell zu. Ein Mangel an Facharbeitern besteht heute schon in der Schweiz oder in Deutschland, Tendenz steigend. Aus Finanzlogik sollte auch auf gute Beziehungen zu anderen Partnern wie Lieferanten geachtet werden. Nahrungsmittelhersteller wie Nestlé investieren verstärkt in ihre Lieferketten. Zum Beispiel zahlen sie Kaffeebauern in Schwellenländern höhere Preise und helfen ihnen bei der Bewirtschaftung der Plantagen. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch noch in zehn Jahren genug Kaffee von hoher Qualität vorhanden ist, den Nestlé veredeln kann.

Gute Corporate Governance ist im Sinne des Anlegers

Einen sehr direkten Einfluss auf den Investmenterfolg hat die Corporate Governance. Die Berücksichtigung der Aktionärsinteressen durch das Management und die diesbezügliche Überwachung durch den Verwaltungsrat sind zentral für den Erfolg eines Unternehmens. Eine überhöhte Entlöhnung des Managements oder eine mangelnde Einhaltung gesetzlicher Vorgaben wie beim Dieselskandal können die Aktionäre substanzielle Beträge kosten.

Der Begriff Nachhaltigkeit ist eigentlich überflüssig

Die Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien ist zwingend für eine langfristig erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung. Der Einbezug dieser Faktoren in Anlageentscheide ist deshalb keine Frömmlerei. Es geht vielmehr darum, Wertpapiere wie Aktien umfassend zu analysieren. Die starken globalen Veränderungen auf den Ebenen Klima, Demographie und Technologie haben einen Einfluss auf den Anlageerfolg. Wenn man durch fundierte Anlageentscheide auch noch ein Beitrag zu einer nachhaltigeren Entwicklung leisten kann, umso besser.

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Andreas Holzer on Linkedin
Andreas Holzer
Finanzanalyst bei BLKB
Andreas Holzer ist Analyst im Investment Center der BLKB. Er ist Spezialist für Nachhaltiges Investieren, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governanceaspekten und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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