Investoren sind nicht zimperlich

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Eine bewegte Berichtssaison

Ein Grossteil der Firmen hat die Zahlen für das zweite Quartal bereits vorgelegt. Alles in allem können sich die Investoren nicht beklagen. Die globalen Unternehmen trotzten den Unsicherheiten eines drohenden Handelskrieges grösstenteils und konnten gute Ergebnisse vorlegen.

Was für die Mehrheit der Gesellschaften gilt, soll nicht über die harsche Kursreaktion einzelner Aktien hinwegtäuschen. Denn eines wurde in dieser Berichtssaison klar: Das Nervenkostüm der Anleger ist dünn.

Die Anleger freuts

Trotz der widrigen Umstände mit politischen Unsicherheiten und drohenden weiteren Handelshemmnissen verlief die Berichtssaison erfreulich. Der US-Aktienmarkt konnte bisher eine Gewinnsteigerung im zweiten Quartal von deutlich über 20% hinlegen. Auch der Schweizer und europäische Markt erfreuen mit einer höheren Ertragskraft, wenn auch nicht im gleichen Ausmass.

In der Schweiz vermochten Börsenschwergewichte wie ABB, Novartis, Roche, LafargeHolcim und UBS positiv zu überraschen. Die Anleger honorierten die besser als erwartete Entwicklung und liessen die Aktienkurse steigen. Doch es gibt eine Kehrseite der Medaille. Wer nicht liefert oder einen schwachen Ausblick vorlegt, wird hart abgestraft.

Ausrutschen verboten

Ein gutes Beispiel für die fehlende Toleranz der Investorengemeinde bilden die beiden FAANG-Aktien Facebook und Netflix sowie der Titel von Trumps bevorzugtem Kommunikationskanal Twitter. Den Beginn machte Netflix Mitte Juli. Die Aktie enttäuschte die Anleger mit schwächer als erwarteten Wachstumszahlen. In einer ersten Reaktion schickten die Investoren den Titel über 10% in die Tiefe, die Aktie konnte sich im Tagesverlauf jedoch wieder erholen.

Schlimmer erwischte es Facebook: Nach Bekanntgabe von sinkenden Nutzerzahlen büsste die Aktie über Nacht rund 20% beziehungsweise über USD 100 Mrd. an Börsenwert ein. Dies entspricht etwa der gemeinsamen Marktkapitalisierung der beiden hiesigen Grossbanken UBS und Credit Suisse. Einige Tage darauf erwischte es Twitter: der Facebook-Konkurrent büsste Ende Juli nach schwachen Zahlen am Ankündigungstag rund 20% an Wert ein.

Doch auch in der Schweiz gibt es Beispiele für die harsche Reaktion nach schwachen Zahlen. So büssten Dormakaba bei der Ergebnisbekanntgabe innert Stunden rund 17%, GAM 15% und Meier Tobler über 23% ein.

Titelselektion gewinnt an Bedeutung

Der Markt beweist damit, dass er im derzeit anspruchsvollen Umfeld sehr wohl zu differenzieren weiss. Gute Resultate und Unternehmen mit einer soliden Basis für profitables Wachstum werden genauso honoriert, wie ein schwacher Ausblick abgestraft wird.

Damit zeigt sich, dass Investoren der Titelselektion mehr Wert beimessen sollten. Denn in diesem Markt lässt sich mit der richtigen Selektion im Portfolio ein zusätzlicher Gewinnbeitrag erwirtschaften.

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Fabienne Erni, CFA
Leiterin Investment Research bei Basellandschaftliche Kantonalbank
Fabienne Erni ist Leiterin Investment Research bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

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