Handelskonflikt spitzt sich zu

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Zu den Verlierern gehören besonders die USA

US-Präsident Trump ist bereit, Importzölle auf chinesischen Waren im Wert von jährlich USD 500 Mrd. zu erheben. Damit wäre der gesamte Warenimport aus dem Reich der Mitte betroffen. China dürfte dieser Massnahme jedoch nicht tatenlos zusehen und ihre jüngst eingeleitete Währungsabwertung weiter fortsetzen. Dies birgt für Anlegerinnen und Anleger einige Risiken.

Unternehmen bekunden zunehmend Sorgen

Vorletzte Woche fanden im US-Handelsdepartement Anhörungen zur Bedrohung der nationalen Sicherheit durch den Import von ausländischen Automobilen statt. Ein Importzoll von 25 Prozent auf ausländische Automobile sowie Autoteile scheint unvermeidbar. Mexiko wäre davon am stärksten betroffen, gefolgt von Deutschland, Japan und Kanada.

Die Handelszölle treffen aber nicht nur die Automobilindustrie: Anfang Woche machten Meldungen die Runde, der US-Internetgigant Amazon wolle seine Lobbyarbeit gegen weitere Handelszölle, insbesondere auf chinesische Waren, verstärken, um durch höhere Preise nicht sein Weihnachtsgeschäft zu beeinträchtigen.

Die Konsumgüterindustrie, insbesondere der Detailhandel, gehören zusammen mit der Automobilindustrie zu den am direktesten betroffenen Branchen im Handelsstreit. Auch das US-Automobilunternehmen General Motors zeigt sich über eine Auflösung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA besorgt und prognostiziert tiefere Absätze im In- und Ausland.

Gefährliche Sekundäreffekte

Die volle disruptive Wirkung von Handelszöllen entfaltet sich erst nach einiger Zeit in den sogenannten Sekundäreffekten. Darunter versteht man die in der Folge der Handelszölle entstehenden Auswirkungen auf das globale Wirtschaftswachstum. Jüngste Studien verschiedener Institutionen weisen darauf hin, dass sich bei einer Eskalation des Handelsstreits das weltweite Wirtschaftswachstum um grob 1 Prozent abschwächen könnte. Dabei würden ironischerweise die USA mit geschätzten 2,5 Prozent den grössten Teil der Wachstumsreduktion erleiden noch vor China, wo man den Effekt auf rund 2,3 Prozent schätzt.

Durch die Zölle steigen auch die Kosten für Güter, was die Inflation künstlich anfeuern würde. Ein Anstieg der globalen Teuerung von bis zu 0,5 Prozent ist denkbar. Dies würde genügen, um die globale Konsumnachfrage zu schwächen und somit einen wichtigen Pfeiler des US-Wachstums spürbar zu treffen. In der Folge dürfte auch der Ölpreis deutlich nachgeben und die Grossölkonzerne unter Druck bringen.

Zinsen und Geldpolitik bislang kaum betroffen

Ein Handelskrieg bedeutet tiefere Zinsen. Dabei betrifft es vorerst noch nicht die Leitzinsen, sondern die zehnjährigen Renditen, welche mit der Erwartung tieferen Wachstums ebenfalls sinken müssten. Der Obligationenmarkt hat dies bislang aber noch nicht eskomptiert. Spannender wird es beim Blick auf die Notenbanken, denn die stehen vor einem Dilemma: Während die tieferen Wachstumsraten eher für niedrigere Zinsen sprechen, würden höhere Inflationszahlen auch auf höhere Leitzinsen deuten. Dabei dürfte der Inflationsschock aber nur von kurzer Dauer sein und die Wachstumsabkühlung deshalb bei den Notenbanken im Vordergrund stehen.

Die SNB und die EZB äussern sich aktuell wenig oder gar nicht zum Thema. Die US-Notenbank Fed dagegen zeigte sich von Trumps Äusserungen in einem Interview gänzlich unbeeindruckt und dürfte an ihrem geldpolitischen Fahrplan festhalten. Fakt ist, dass eine durch Handelszölle künstlich hervorgerufene Wachstumsverlangsamung es den europäischen Notenbanken praktisch verunmöglicht, die Leitzinsen wie gewünscht zu erhöhen. Die Bekämpfung einer Wirtschaftsabkühlung würde, von aktuellen Zinsniveaus ausgehend, für die SNB und die EZB eine deutlich grössere Herausforderung als für die amerikanische Fed darstellen.

Risiken nicht unterschätzen

Die Aktienmärkte konnten sich bislang noch gut halten. Der Juli brachte sogar eine deutliche Erholung. Dennoch dürfen sich Investoren nicht in falscher Sicherheit wiegen. Das Risiko einer Eskalation im Handelsstreit ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen und die Unsicherheit über die weitere Gewinnentwicklung bei den Unternehmen nimmt zu. Vor diesem Hintergrund sind selektive Gewinnmitnahmen sicher nicht falsch. Damit reduzieren Anlegerinnen und Anleger auch die Schwankungsrisiken in ihrem Portfolio.

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Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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