Liquiditätsplan zur Sicherstellung Ihrer Zahlungsfähigkeit

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Schätzungsweise neun von zehn Konkurse gehen auf eine Liquiditätskrise zurück (Quelle: KMU Portal für kleine und mittlere Unternehmens des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO). Damit es nicht soweit kommt, ist eine sorgfältige Planung unabdingbar. Aufgrund des Budgets ist zwar ersichtlich, mit welchen Aufwendungen und Erträgen Sie über das Jahr zu rechnen haben. Die Kosten und Einnahmen fallen jedoch oft nicht zusammen, wodurch ein Unternehmen trotz genügend Aufträgen und Erträgen in einen Liquiditätsengpass fallen kann. Um dies zu verhindern, empfiehlt es sich, einen Liquiditätsplan zu erstellen. Er hilft Ihnen, Handlungsbedarf zu erkennen und Massnahmen frühzeitig zu ergreifen.

Was ist ein Liquiditätsplan?

Der Liquiditätsplan ist Teil der Finanzplanung. In ihm werden alle Ein- und Ausgaben für einen bestimmten Zeitraum erfasst, in der Regel sind das die nächsten sechs bis zwölf Monate. Idealerweise wird ein rollierender Ansatz (dynamisch) verfolgt, so ist die Planung immer den neuen Gegebenheiten angepasst und auf aktuellem Stand. Im Fokus steht nicht die Art und Weise der Ein- und Ausgaben, sondern deren Zeitpunkt. Es ist wichtig, dass die Zahlungsströme genau in der Periode erfasst werden, in welcher sie tatsächlich anfallen.

Was gehört in einen Liquiditätsplan?

Der Liquiditätsplan setzt sich aus den Einnahmen und Ausgaben zusammen. Wichtig ist, dass nur die tatsächlich erwarteten Einnahmen und Ausgaben realistisch aufgelistet werden. Eine geschönte Planung hilft niemandem.

Ebenfalls relevant ist, dass nicht nur der Brutto-Geldfluss beachtet wird, sondern dass auch die Nettoposten hineinfliessen. Abschreibungen werden in einem Liquiditätsplan nicht berücksichtigt.
Der Nettogeldfluss wird mit dem aktuellen Bestand (Kasse, Bank, Post) und den bereits zur Verfügung stehenden Kreditlimiten abgeglichen. Daraus resultiert ein Liquiditätsüberschuss oder -defizit.

Einnahmen Ausgaben
Barverkäufe Waren und Materialzahlungen
Debitorenzahlungen Löhne, Gehälter, Sozialleistungen
Übrige Bareingänge Werbung
Miete Steuern, Kapitalzinsen
Wertschriften / Zinsen Versicherungen
Büro- und Verwaltungsaufwand
Unterhalt, Reparaturen, Ersatz
Miete
Sonstige Auszahlungen (Strom, Wasser, etc.)
Mehrwertsteuer
Total Brutto-Geldzufluss Total Brutto-Geldabflusse
Total Brutto-Geldfluss:
Übrige Einzahlungen aus Anlagenverkäufen (Desinvestition) Übrige Auszahlungen für Investitionen
Übrige Einzahlungen (z. B. Kreditaufnahme) Übrige Auszahlungen (z. B. Kapitalrückzahlung, Kreditauszahlung an Dritte)
Übrige Einzahlungen aus Anzahlungen von Kunden Übrige Auszahlungen für Akontozahlungen an Lieferanten
Privateinlagen / Kapitalerhöhungen Privatentnahmen
Total Netto-Geldzufluss Total Netto-Geldabfluss
Total Netto-Geldfluss:
+ Bestand Kasse, Bank, Post
+ Bestehende Kreditlimiten
= Liquiditätsüberschuss oder -defizit

Vorteile eines Liquiditätsplans

  • Sie haben einen Überblick über die Zahlungskraft des Unternehmens für einen bestimmten Zeitraum.
  • Sie erkennen Liquiditätsüberschüsse für mögliche Investitionen.
  • Sie erkennen Liquiditätsdefizite und können auf das entsprechende Risiko geplant und frühzeitig Massnahmen ergreifen.

Massnahmen bei einem Liquiditätsdefizit

Konnte ein Liquiditätsengpass nicht verhindert werden, gilt es, möglichst schnell Liquidität zu beschaffen oder die Ausgaben zu reduzieren. Die folgenden Massnahmen stehen Ihnen hierbei zur Verfügung.
Besorgen Sie schneller Liquidität:
  • Stellen Sie die Rechnungen schnell bzw. schneller aus.
  • Geben Sie kürzere Zahlungsfristen vor.
  • Fordern Sie An- und Akontozahlungen.
  • Bewirtschaften Sie die Kundenforderungen über Factoring.
  • Nützen Sie vorhandene Kreditlimiten voll aus.
Halten Sie die vorhandene Liquidität länger:
  • Handeln Sie für das Unternehmen längere Zahlungsfristen aus.
  • Stellen Sie Investitionen, sofern möglich, zurück.
  • Reduzieren Sie Ihre Lagerbestände.
  • Straffen Sie den Produktionsprozess.
  • Mieten oder leasen Sie Anlagen, statt sie anzuschaffen.
Wenn keine der oben genannten Massnahmen greift, bleibt Ihnen die Möglichkeit, neue Liquidität zu beschaffen:
  • Desinvestieren Sie, indem Sie nicht mehr notwendige Anlagen verkaufen.
  • Erhöhen Sie Ihre langfristigen Schulden.
  • Schiessen Sie privat Geld ein.
  • Beschaffen Sie Fremd- oder Eigenkapital bei den Aktionären.
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Scarlett Estermann on Linkedin
Scarlett Estermann
Scarlett Estermann hat den Master in Rechtswissenschaften abgeschlossen und arbeitet bei der BLKB in der Verkaufsführung Unternehmenskunden. Hier schreibt sie Artikel zu aktuellen KMU-Themen.

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