Bargeld ade: So sieht das digitale Portemonnaie aus

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Innovativ mit Uhr, trendig mit Smartphone, effizient kontaktlos mit Karte oder schlicht und wie gewohnt mit Bargeld – das Angebot an Zahlungsmitteln, um den Einkauf zu bezahlen, war noch nie so gross wie heute. Doch was sind eigentlich Bitcoin, Wearables, Mobile Payment und Co.?

Grundsätzlich lassen sich Zahlungsmittel in zwei Kategorien unterteilen. Einerseits in physische Zahlungsmittel, welche Münzen, Noten und Checks beinhalten. Andererseits in elektronische Zahlungsmittel, welche ihren Ursprung in der EC-Karte haben und heute in verschiedenen Formen angeboten werden.

Bargeld

Bargeld, dazu zählen neben Banknoten auch Münzen, erfüllt hauptsächlich zwei Funktionen: Es wird als Zahlungsmittel und als Wertaufbewahrungsmittel verwendet und steht somit im Wettbewerb mit anderen Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmitteln. Bargeld ist ein gesetzliches Zahlungsmittel, einfach im Gebrauch, für jedermann zugänglich und damit auch ein wichtiges Element einer funktionierenden Volkswirtschaft. (Quelle snb.ch)

Viele Leute schätzen diese Zahlungsmöglichkeit auch deshalb, da sie ihnen hilft, die Ausgaben im Überblick zu behalten. Zusätzlich bringt Bargeld Anonymität und Schutz vor staatlichen Eingriffen wie Negativzinsen.

snb.ch Zahlungsmittelumfrage 2017

snb.ch Zahlungsmittelumfrage 2017

Nicht vergessen werden darf, dass Bargeld nicht gratis ist. Vielmehr ist es für eine Volkswirtschaft mit erheblichen Kosten verbunden. In die Rechnung fliessen Kosten wie die Herstellung von Noten und Münzen, Aufbewahrungskosten, Zeitaufwand für das Bargeldhandling und entgangene Zinsen. Eine Banknote kostet gemäss der Schweizerischen Nationalbank (SNB) rund 40 Rappen. Allein die Herstellungskosten für die 2017 produzierten 440 Millionen Banknoten belaufen sich auf rund 180 Millionen Franken. Insgesamt dürfte Bargeld die Schweizer Volkswirtschaft pro Jahr je nach Quelle rund zwei bis drei Milliarden Franken kosten.

Erwähnenswert

  • die sich seit Oktober 2017 im Umlauf befindende Schweizer 10er-Note wurde erst kürzlich von der internationalen Banknoten-Vereinigung zur schönsten Banknote der Welt erkoren.
  • Die Schweizer Tausendernote ist die Banknote mit dem höchsten Wert weltweit. 
Die Schweiz weist in Bezug auf ihre Bevölkerungszahl einen hohen Bargeldumlauf aus. In den letzten Jahren ist dieser sogar deutlich angestiegen. Im Vergleich zur Schweiz setzt Schweden seit Jahren konsequent auf bargeldlose Zahlungsmittel, was sich in der gegensätzlichen Entwicklung des Bargeldumlaufs widerspiegelt.
-Tagesanzeiger.ch

Tagesanzeiger.ch

Grund für den Anstieg ist nicht etwa eine Zunahme von Bargeldtransaktionen, sondern vielmehr dem Bedarf an Wertaufbewahrung geschuldet.

Checks spielen im Vergleich zu Bargeld als Zahlungsmittel keine relevante Rolle mehr.

Karten (DK/KK)

Das neben Bargeld am weit verbreitesten und meist eingesetzte Zahlungsmittel ist die Debitkarte (Bsp. Maestro-Karte). Maestro ist ein Angebot von Mastercard, das die weltweite Nutzung von Geldautomaten mit Maestro-Logo und bargeldlose Zahlungen ermöglicht. Insgesamt kann mit Maestro weltweit an rund 15 Millionen Akzeptanzstellen bezahlt oder Geld abgehoben werden.

Die in der Schweiz 2016 eingeführte Kontaktlos-Funktion auf Debitkarten brachte der Zahlungsmöglichkeit neuen Schub und Aufmerksamkeit, obwohl diese bereits seit mehreren Jahren auf Kreditkarten verfügbar ist. Das kontaktlose Bezahlen wird momentan als einfachste und schnellste unbare Zahlungsmethode bewertet.

Mit der sogenannten NFC-Funktion (Near Field Communication) wird die Karte nur kurz an das Lesegerät gehalten. Innerhalb von Sekunden ist der Zahlvorgang abgeschlossen. Für Beträge ab 40 Franken wird zusätzlich die Eingabe des PIN-Codes verlangt.

Nicht möglich mit der Debitkarte ist beispielsweise der Einkauf im Internet. Auch dient sie nur begrenzt als Reisezahlungsmittel. Hierzu wird eine Kreditkarte benötigt. Kreditkarten sind ein weltweit anerkanntes Zahlungsmittel. Es bestehen über 40 Millionen Akzeptanzstellen.

Die Bezahlung mit Kreditkarten kann insbesondere durch attraktive Versicherungsleistungen wie der Bestpreis-Garantie und Einkaufs- oder Reiseversicherung einen klaren Mehrwert gegenüber anderen Zahlungsmitteln bieten.

Wer die Kreditkarte häufig respektive für grössere Beträge einsetzt oder einfach Wert auf zusätzliche Leistungen legt, findet mit der Gold- und Platinum-Edition die passende Auswahl.

Welcher Zahlungstyp sind Sie? Entnehmen Sie Ihre Vorteile im Blog meines Kollegen Bart van Riemsdijk: https://web.blkb.ch/blog/2018/05/31/heute-ist-zahltag-welcher-typ-sind-sie/

Die Debit- und Kreditkarte sind oft in Kombination in unseren Portemonnaies vorhanden und ergänzen Bargeld als ideale Zahlungsmittel in sämtlichen Belangen. Bereits sind über 17 Millionen Schweizer Kredit- und Debitkarten im Umlauf.

Karten werden ebenfalls für den Bezug von Bargeld an Geldautomaten eingesetzt. Hier empfiehlt es sich, die Debitkarte zu verwenden, da Kreditkarten meist höhere Gebühren für Bargeldbezüge verursachen. Zusätzlich ist die Abrechnung beim Bargeldbezug im Ausland immer in der Landeswährung zu empfehlen. Die Abrechnung in Schweizer Franken kann einen deutlich höheren Währungskurs verursachen.

Mobile Payment

Anfang des 21. Jahrhunderts erstmals aufgetreten, etablierte sich Mobile Payment in den vergangenen Jahren in vielen Ländern als wichtiges Zahlungsmittel.

Mobile Payment steht für die Bezahlung mit einem mobilen elektronischen Kommunikationsmittel (meist Smartphone). Der Markt ist von zahlreichen Anbietern wie Samsung, Apple, Alipay oder der Schweizer Lösung TWINT umkämpft. Die Zahlungsabwicklung funktioniert je nach Anbieter via NFC-Funktion oder Bluetooth.

handelszeitung.ch

handelszeitung.ch

Mobile Payment geht weit über eine reine Zahlungsabwicklung hinaus. Die TWINT App enthält zusätzliche Funktionen wie:
  1. Geld anfordern und senden: Dies ermöglicht einem User via Auswahl seiner Smartphone-Adresskontakten eine Überweisung an einen Freund zu tätigen oder von diesem Geld anzufordern. Ganz einfach von Smartphone zu Smartphone.
  2. Bezahlen: Online, an der Kasse oder am Automaten.
    Wie mit Karten gewohnt, kann an einer Ladenkasse oder einem Automaten bezahlt werden. Die Bezahlung funktioniert dabei entweder via Bluetooth oder mittels QR-Code.
    Rabatte und Coupons: Die App bietet diverse Rabatt-Coupons an. Durch die Bezahlung mit TWINT profitiert ein User automatisch vom entsprechenden Rabatt –Gutscheine auf Papier, die schnell vergessen oder verloren gehen, sind Geschichte.
  3. Kundenkarten (Loyalitätsprogramme): Durch die Hinterlegung von Mitgliederausweisen und Kundenkarten wie der Coop Supercard werden bei jeder Bezahlung die Punkte direkt und ohne Vorzeigen der Karte gutgeschrieben.
In der Schweiz werden zwar erst rund 0,2 Prozent der Zahlungen via Smartphone getätigt, diese dürften aber in den nächsten Jahren stark zulegen. Vorteile wie die Reduktion von Kundenkarten dank einer App, einfachere Überweisungen und viele weitere liegen auf der Hand.
Das Smartphone ist längst zu unserem treusten Begleiter geworden, der künftig nicht nur unser Portemonnaie ersetzen kann.

Wearable Payment

Wearable Payment entspricht noch einem relativ jungen Trend.
Dieses bezeichnet die Bezahlung mittels eines herkömmlichen Geräts wie einer Uhr, einem Armband bis hin zum Kühlschrank.

Laut dem US-amerikanischen Technologie-Unternehmen Cisco wird es bis 2020 rund 50 Milliarden mobile Geräte geben, welche mit dem Internet verbunden sind. Diese Entwicklung des Internets der Dinge (IoT = Internet of Things) wird auch Zahlungslösungen verändern. So ist vorstellbar, dass in Zukunft beispielsweise die Elektronik im Auto die Parkinggebühren oder die Maut gleich selbst bezahlt.

Bereits heute kann mit Smartwatches wie Garmin Pay oder Fitbit Pay bezahlt werden. Die Zahlungsabwicklung funktioniert dabei identisch wie bei der kontaktlosen Bezahlung mit einer Kreditkarte.

In einem hochverschlüsselten sogenannten Token sind die notwendigen Zahlungsdaten auf dem Wearable hinterlegt. Basis für die Hinterlegung des Tokens ist eine Kreditkarte. Beim Token handelt es sich um eine Art Platzhalter, welcher sensible Kartendaten ersetzt und für die Zahlung verwendet wird.

Der Vorteil: die Kreditkarte kann zu Hause bleiben. Aufgrund interessanter Sicherheitsfeatures wie der Pulserkennung minimiert sich zusätzlich das Verlust- respektive Missbrauchsrisiko.

Kryptowährungen/Bitcoin

Kryptowährungen wie Bitcoin verzeichneten insbesondere 2017 einen Hype.

Hintergrund von Bitcoin ist eine neue Technologie, die Blockchain. Diese ist als dezentrale Datenbank zu verstehen. Es steht somit keine Zentralbank dahinter, welche einfach neues Geld herausgibt und den Wert dadurch abwertet.

Neue Bitcoins werden bis zu einem Maximum von 21 Millionen Stück als Gegenleistung für die zur Verfügung gestellten IT-Kapazitäten des dezentralen Netzwerks herausgegeben. Aktuell sind etwas über 17 Millionen Bitcoin im Umlauf.

Als Zahlungsmittel sind Kryptowährungen in der Schweiz bis anhin jedoch irrelevant. So erfüllen Kryptowährungen weder die Funktion als breit akzeptiertes Zahlungsmittel, noch dienen sie aufgrund ihrer hohen Volatilität als Recheneinheit.
Wie Kryptowährungen sich künftig entwickeln werden, ist ungewiss und reine Spekulation.

Erfahren Sie mehr über Bitcoin – Eine Kryptowährung sorgt für Aufsehen.

Statistik Zahlungsmittel in der Schweiz

Die Schweiz gilt als Bargeldland. Damit ist gemeint, dass Bargeld einen hohen Stellenwert als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel geniesst. Das Vertrauen in unsere Nationalbank und den Schweizer Franken ist zu Recht hoch.

Im Vergleich zu Europa liegt die Schweiz im Durchschnitt. So weisen deutschsprachige Länder wie Österreich und Deutschland und südeuropäische Länder eine höhere Bargeldsensitivität als nördliche Euroländer auf. Werden in Österreich noch über 80 Prozent der Transaktionen mit Bargeld getätigt, ist dies in Schweden genau umgekehrt. In der Schweiz liegt die Quote bei rund 70 Prozent.

snb.ch Zahlungsmittelumfrage 2017

snb.ch Zahlungsmittelumfrage 2017

Bargeld wird insbesondere für den Kauf von Alltagsgütern und bei kleinen Beträgen benötigt. Bei teureren Produkten wie elektronischen Geräten werden vermehrt Debit- und Kreditkarten verwendet.

Infografik statista.com

Infografik statista.com

Tendenziell dürfte die Menge und der Einsatz von elektronischen Zahlungsmitteln zunehmen, dies unter anderem aufgrund technologischer Fortschritte und einem Generationenwechsel. Mit zunehmender Digitalisierung im Alltag wie der Buchung eines Zugtickets via App, Automaten ohne Bargeld, Detailhändler mit Self-Checkout und Onlineshopping dürfte Bargeld mittelfristig von seinem Rang verdrängt werden, jedoch weiterhin einen hohen Stellenwert einnehmen. Dies zeigen die Erwartungen der Befragten aus einer SNB-Umfrage.

snb.ch Zahlungsmittelumfrage 2017

snb.ch Zahlungsmittelumfrage 2017

Letztendlich beruht das Zahlungsverhalten auf Gewohnheiten und wird unterbewusst gesteuert. Dennoch gilt, wer eine neue Zahlungsmethode ausprobiert, profitiert durchaus von interessanten Vorteilen.

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Patrick Willimann
Patrick Willimann ist Produktmanager Basisprodukte & Zahlungsverkehr. Er versorgt die Leserinnen und Leser mit Beiträgen zu Zahlungsmittel.

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