Obligationen bringen Stabilität ins Portfolio

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Cash ist kein Ersatz für festverzinsliche Papiere

Die Wirtschaft boomt. Mit wachsenden Unternehmensgewinnen steigen auch die Aktienkurse. Die Finanzkrise liegt nun bald zehn Jahre hinter uns und das aktuelle Umfeld bietet die optimale Grundlage für die Zentralbanken, ihre ultraexpansive Geldpolitik zu normalisieren. Obligationenanleger sehen sich mittelfristig mit steigenden Zinsen konfrontiert. Wie sollen sie mit der Situation umgehen?

Kursverluste nur temporär

Die meisten Privatanlegerinnen und -anleger halten in irgendeiner Form Obligationen, sei es als Direktanlage oder als Bestandteil ihrer Anlagestrategie, zum Beispiel in einem Strategiefonds. Die Regel besagt: Sinken die Zinsen, steigen die Obligationenkurse. Bei steigenden Zinsen erleiden Obligationen dagegen einen Kursverlust. Dabei handelt es sich aber nur um einen temporären Effekt, denn unabhängig von der Zinsbewegung bleiben der Rückzahlungsbetrag und der Coupon der Obligation stabil. Das heisst, die Kursveränderung ist nichts weiteres als eine Momentaufnahme: Hält der Anleger die Obligation bis Verfall, erzielt er dieselbe Verfallsrendite wie vor dem Zinsanstieg. Handlungsbedarf ist damit in den wenigsten Fällen gegeben.

Laufzeiten diversifizieren

Der vorgängig beschriebene Sachverhalt gilt ebenso für gemischte Portfolios oder Anlageprodukte wie Strategiefonds. Die aktive Verwaltung eines Portfolios bietet zudem weitere Vorteile. In der Regel hält ein Strategiefonds deutlich mehr einzelne Obligationen als ein Privatanleger. Der Strategiefonds verteilt die Vermögen also auf eine höhere Anzahl verschiedener Laufzeiten und auf unterschiedlichste Schuldner. Diese sogenannte Diversifikation oder Risikostreuung hilft nicht nur, die Anlagerisiken zusätzlich zu reduzieren, sondern gibt dem Fondsmanager eine hohe Flexibilität in der Wiederanlage zurückgezahlter Obligationen. Der Privatanleger hält hingegen im Normalfall nur fünf bis zehn einzelne Obligationen in seinem Depot. Will er die Rückzahlungen der Obligationen immer abwarten, ist er deutlich weniger flexibel, was die Anpassung seines Portfolios angeht, und kann seine Zinsrisiken entsprechend schlechter steuern.

Individuelle Anlagestrategie berücksichtigen

Bleibt entsprechend die Frage, wie Obligationenanleger mit steigenden Zinsen umgehen sollen. Grundsätzlich gilt, dass unabhängig vom Zinszyklus die jeweils gewählte Anlagestrategie beibehalten werden soll. Die passende Anlagestrategie spiegelt das individuelle Risikoprofil wider und berücksichtigt langfristig die Risikofähigkeit und die finanzielle Situation des Anlegers, um daraus den entsprechenden Anlagehorizont ableiten zu können.
Bei einem drohenden Zinsanstieg kommen Privatanleger vereinzelt auf die Idee, die Obligationenbestände im Portfolio zu verkaufen und durch Bargeldbestände zu ersetzen. Sie wollen sich damit vor möglichen Kursverlusten schützen. Doch was geschieht tatsächlich mit dem Risiko einer Einkommensstrategie, welche zu 75% aus Obligationen und zu 25% aus Aktien besteht?

Stabilität fürs Portfolio

Das Risiko soll anhand des Erholungszeitraums während der Finanzkrise beispielhaft dargestellt werden: Die Einkommensstrategie brauchte ein gutes halbes Jahr, um wieder den Wert vor Ausbruch der Finanzkrise zu erreichen, während ein reines Aktienportfolio rund sechs Jahre im Verlust verblieb. Dies hängt damit zusammen, dass sich Investoren in Krisensituationen in sichere Anlagen flüchten und Obligationen in der Folge an Wert gewinnen. Wenn ein Anleger aus Angst vor steigenden Zinsen die 75% Obligationen in seiner Einkommensstrategie nun durch Cash ersetzt, erhöht er das Risiko seines Portfolios. Denn im Gegensatz zu Obligationen kann die Cash-Quote Kursverluste auf den Aktien nicht durch Kursveränderungen wettmachen. Dass das resultierende Portfolio dabei ein deutlich höheres Risiko aufweist als das vorherige, zeigt sich darin, dass der Erholungszeitraum für das neue Portfolio mit 25% Aktien und 75% Cash ebenfalls rund sechs Jahre beträgt, wenn auch die Verluste proportional tiefer ausfallen. Obligationen durch Cash zu ersetzten ist also keine empfehlenswerte Strategie, denn das Verlustrisiko steigt bei überraschenden Korrekturen überproportional an. Vielmehr sollten Privatanleger über die verschiedenen Wirtschafts- und Zinszyklen ihrer Anlagestrategie sowie ihrem Risikoprofil treu bleiben. Eine professionelle Vermögensverwaltung wird in der aktuellen Phase die Zinsrisiken möglichst tief halten, dabei aber sicherstellen, dass das Risiko im Portfolio im Rahmen der gewählten Anlagestrategie verbleibt. So können Obligationenanleger auch bei steigenden Zinsen ruhig schlafen.

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Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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