Euro-Franken-Kurs von 1.20

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Was uns der Wechselkurs über die Zinsen sagt

Über drei Jahre hat es gedauert, bis sich der Schweizer Franken wieder in die Nähe der Mindestkursgrenze von 1.20 bewegen konnte. Von der aktuellen Währungssituation profitiert insbesondere die Schweizer Wirtschaft. Gleichzeitig beflügelt die Marke von 1.20 die Diskussionen um ein mögliches Ende der Negativzinsen.

SNB mit über 70% Staatsanleihen

Mit der Aufhebung des Mindestkurses musste die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Bestände an ausländischen Anlagen massiv erhöhen, um einer unkontrollierten Aufwertung des Schweizer Frankens entgegenwirken zu können. Per Ende 2017 standen CHF 744 Mrd. in ihren Büchern, davon knapp 70% in Staatsanleihen, 20% in Aktien und der Rest in anderen Anleihen. Rund USD 90 Mrd. werden in US-Staatsanleihen und Aktien gehalten. Es verwundert daher wenig, dass Marktteilnehmer spekulieren, die SNB könnte die Entspannung im Euro-Franken-Kurs dazu nutzen, erste Positionen zu veräussern.

Kein Handlungszwang

Ein Verkauf ausländischer Anlagen bedeutet aber gleichzeitig den Kauf von Schweizer Franken durch die SNB. Dies wiederum würde die lange herbeigesehnte Abwertung des Schweizer Frankens hemmen. Diese Einschätzung bekräftigte SNB-Präsident Thomas Jordan erst kürzlich. Die SNB bezeichnet eine Straffung der monetären Bedingungen zum jetzigen Zeitpunkt als verfrüht und möchte die positive Wirtschaftsdynamik in der Schweiz nicht unnötig aufs Spiel setzen. Die SNB dürfte also noch ein gutes Stück von einer geldpolitischen Wende und der Aufhebung der Negativzinsen entfernt sein.

Starker Euro bremst EU-Exporte

Der aktuelle Euro-Franken-Kurs hat auch seine Kehrseite: Der starke Euro hemmt die EU-Exporte. Deshalb tendieren in der Währungsunion wichtige Sentimentindikatoren seit Monaten schwächer und lassen eine abnehmende Wachstumsdynamik in der EU erwarten. Ein weiterer belastender Faktor bleibt der immer noch ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und der EU. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre Zinsen deshalb länger als erwartet tief halten, um die Wirtschaft weiter zu stützen. Dieser Umstand erschwert der SNB ihre geldpolitische Wende zusätzlich.

Implikationen für Anleger

Auch wenn sich die Währungssituation für die SNB im Vergleich zum Jahresbeginn weiter entspannt hat, genügt die Frankenabschwächung nicht, um die Leitzinsen in den kommenden Monaten anzuheben und sich von den Negativzinsen verabschieden zu können. Erste Zinsschritte der SNB und der EZB erwarten wir im ersten Halbjahr 2019. Damit verbunden dürften die längeren Laufzeiten bereits gegen Ende 2018 anziehen. Entsprechend sollten Investoren die aktuelle Situation nutzen und beginnen, ihre Portfolios auf steigende Zinsen auszurichten. Ebenfalls ergibt es für Wohneigentümer Sinn, Fälligkeiten der nächsten zwölf Monate schon heute möglichst langfristig zu binden.

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Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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