Anspruchsvolles Umfeld für Aktienanleger

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Wo lauert weiteres Kurspotenzial?

Die Aktienmärkte blicken auf ruppige vier Monate zurück: Nach einem fulminanten Jahresstart kam im Verlauf des ersten Quartals wieder Volatilität auf. Anfang Februar verursachten Inflations- respektive damit verbundene Zinsängste die erste stärkere Korrektur in den im letzten Jahr stetig aufwärts tendierenden globalen Börsenindizes. Den zweiten Rückschlag erfuhren die Märkte Ende März, als die Angst eines durch US-Präsident Trump ausgelösten Handelskrieges die Weltbörsen ein weiteres Mal tauchen liess. Der April brachte etwas Beruhigung, doch die Unsicherheit bleibt hoch.

Volatilität eröffnet Chancen

Trotz der eher enttäuschenden Performance in den ersten vier Monaten bleiben Aktien die vielversprechendste Anlageklasse. Die hohen Dividendenrenditen locken und stellen in Anbetracht des noch immer anhaltenden Tiefzinsumfeldes ein wichtiges Investitionsargument für Aktien dar. Aufgrund der erfreulichen Konjunkturentwicklung darf zudem weiterhin mit guten Gewinnaussichten für die Unternehmen gerechnet werden. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Volatilität im weiteren Jahresverlauf hoch bleiben wird. Obwohl nicht mit einer Eskalation des potenziellen Handelskrieges zu rechnen ist, könnte der hart ausgefochtene Kampf um faire Handelsbedingungen zu starken Kursbewegungen führen. Das Umfeld für Aktienanleger dürfte demnach anspruchsvoll bleiben. Ein volatileres Umfeld eröffnet jedoch auch interessante Chancen. Wo lauern attraktive Opportunitäten?

Europa und Asien mit viel Potenzial

Eine Antwort darauf kann uns das Bewertungsniveau geben. Vor dem Hintergrund der weiterhin guten Gewinnaussichten der Unternehmen ist die oftmals als hoch erachtete Bewertung vielerorts zu relativieren. Die derzeitigen Bewertungskennziffern und die konjunkturelle Entwicklung versprechen vor allem in Europa und den Schwellenländern weiterhin attraktives Aufwärtspotenzial. In Europa ist die fortschreitende Wirtschaftserholung – wenn auch jüngst mit abnehmender Dynamik – noch immer nur teilweise in den Aktienkursen der europäischen Unternehmen reflektiert. Entsprechend besteht viel Aufholpotenzial. Zudem bleibt das Zinsumfeld aufgrund der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank als kursunterstützender Faktor erhalten. Ein weiterhin positiver Kursverlauf dürfte auch in den Schwellenländern möglich sein. Unter anderem aufgrund der hohen Wachstumserwartungen und der attraktiven Bewertung ist Asien hier die präferierte Anlageregion.

Schweizer Qualitätsprämie

Trotz des bisher enorm schwachen Kursverlaufs in diesem Jahr bleiben Schweizer Aktien im Vergleich hoch bewertet, und viele positive Entwicklungen werden in den Bewertungsniveaus vorweggenommen. Der hiesige Markt verdient aufgrund der gut aufgestellten Unternehmen, der positiven Wachstumsaussichten und der starken Innovationskraft sehr wohl eine Qualitätsprämie; dennoch ist diese auch nach der jüngsten Korrektur weiterhin hoch. Die Abschwächung des Schweizer Frankens könnte noch einmal Kursphantasien schüren. Das auf breiter Front weiterhin hohe Kursniveau wird das Aufwärtspotenzial für den Schweizer Aktienmarkt aber beschränken.

In den USA dreht der Wind

Mit Blick auf die gute Gewinnentwicklung, die erfreuliche Konjunkturlage und die positiven Effekte aus der US-Steuerreform könnte man bei amerikanischen Aktien argumentieren, dass die hohe Bewertung zu relativieren ist. Die amerikanischen Bewertungskennziffern sind jedoch im Kontext eines bereits weit fortgeschrittenen Konjunkturzyklus auch mit Blick auf die weiterhin guten Gewinnaussichten der Unternehmen als erhöht zu beurteilen. Die positiven Effekte der guten Wirtschaftslage und der US-Steuerreform sind bereits in den Gewinnschätzungen abgebildet. Die jüngst erfolgten starken Gewinnrevisionen nach oben bergen die Gefahr eines erhöhten Enttäuschungspotenzials. Zudem stellt die Normalisierung der Zinspolitik der US-Notenbank ein Risiko dar. Eine diesbezügliche Neubeurteilung der Anleger könnte ein Auslöser eines weiteren Rückschlags an den US-Börsen sein. Der amerikanische Aktienmarkt ist aufgrund des starken Kursanstiegs über die letzten rund zehn Jahre, welcher stark von der expansiven Geldpolitik getragen wurde, anfällig auf eine Neubeurteilung dieser zentralen Faktoren. Entsprechend dürfte das weitere Kurspotenzial im Vergleich zu anderen Regionen geringer ausfallen. Es ist demnach an der Zeit, Gewinne von US-Aktien zu realisieren und das Geld in andere Regionen zu allozieren.

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Fabienne Erni, CFA
Leiterin Investment Research bei Basellandschaftliche Kantonalbank
Fabienne Erni ist Leiterin Investment Research bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

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