Umstellung auf die ISO-20022-Zahlungsverkehrsformate – ein Erfahrungsbericht

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Die Thommen Gruppe hat ihre Zahlungsverkehrsformate vor einigen Monaten auf den ISO-20022-Standard umgestellt. Im Interview berichtet Dr. Patrick Härtsch, CFO der Thommen Gruppe, über die Erfahrungen und Vorteile der neuen Zahlungsverkehrsformate.

Herr Härtsch, wie haben Sie die Migration bei der Thommen Gruppe initiiert?

Im Frühjahr 2017 haben wir das Projekt zur Einführung eines neuen Finanzsystems gestartet. Ziel war es, das neue Finanzsystem per 1. Januar 2018 in allen Gesellschaften der Thommen Gruppe einzuführen. Im Zuge des Projektes haben wir auch entschieden, in Zukunft nur noch die neuen ISO-20022-Zahlungsverkehrsformate zu implementieren und die alten Formate wie DTA nicht mehr anzuwenden. Zusätzlich zur Übermittlung von Zahlungsdateien an die Banken via pain.001 entschieden wir uns, von allen Banken nur noch elektronische Kontoauszüge camt.053 zu beziehen, die im Finanzsystem automatisch verbucht werden können.

Im Sommer 2017 informierten uns dann unsere Ansprechpartner von der BLKB über die Einführung der neuen Zahlungsformate. In gemeinsamen Gesprächen mit der BLKB und unserem Finanzsystem-Integrator wurde rasch klar, dass wir zwischen dem Finanzsystem und den Banken noch eine zusätzliche, multibankfähige Finanzsoftware benötigen, weil wir in den unterschiedlichen Gruppengesellschaften eine Vielzahl von Bankbeziehungen im In- und Ausland pflegen.

Entsprechend begannen wir im Herbst 2017, multibankfähige Finanzsoftware-Systeme zu evaluieren, die als Bindeglied zwischen unserem Finanzsystem und den Banken agieren. Parallel dazu stellten wir der BLKB und anderen Banken erste Zahlungsdateien aus dem neuen Finanzsystem zur Verfügung, um zu prüfen, ob sie von der Struktur her bankenseitig verarbeitet werden können. Nachdem der Entscheid für die Finanzsoftware gefällt wurde, führten wir dieses System parallel zum Finanzsystem im vierten Quartal 2017 ein.

Wie verlief die Migration bisher?

Die Einführung auf die neuen Zahlungsverkehrsformate verlief über weite Strecken problemlos. Da wir mit unserer Anforderung, alle Transaktionen ab dem 1. Januar 2018 insbesondere mit pain.001- und camt.053-Dateiformaten abzuwickeln, in unserem Verständnis noch früh waren, mussten wir feststellen, dass noch nicht alle Banken diese Formate durchgängig unterstützen konnten beziehungsweise diese teilweise noch entwickelten. Dies bezieht sich vor allem auf die Kontoauszüge im camt.053-Format. Ebenfalls mussten wir in unserem Finanzsystem und der Finanzsoftware teilweise Anpassungen vornehmen, bis alle Systeme reibungslos miteinander funktionierten.

Als wir die ersten produktiven Zahlläufe im pain.001-Format an die BLKB übermittelten, informierten wir die BLKB jeweils, sodass auf Bankenseite überprüft werden konnte, ob die Dateien fehlerfrei eingeliefert wurden und verarbeitet werden konnten. Hier hat uns die BLKB jeweils sehr zeitnah unterstützt.

Was sind die wichtigsten Vorteile der neuen Zahlungsverkehrsformate?

Aus unserer Sicht besteht der Vorteil insbesondere darin, dass alle Banken nun die gleichen Formate unterstützen. Vor allem wenn mit unterschiedlichen Banken im In- und Ausland zusammengearbeitet wird, reduziert sich dadurch der systemseitige Anpassungsaufwand.

Was waren die grössten Herausforderungen bei der Umstellung?

Über die gesamte Gruppe arbeiten wir mit zehn unterschiedlichen Banken im In- und Ausland zusammen. Die Anbindung, Integration und Tests mit einer solchen Vielzahl an Banken stellten die grösste Herausforderung dar.

Wie gross war der Aufwand für Sie?

Das Projekt beschäftigte uns rund ein halbes Jahr, wobei vor allem das vierte Quartal 2017 intensiv war, bis alle Anbindungen und Tests erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Bei uns intern war eine Person zu gut 30% ausgelastet. Zusätzliche Kosten entstanden vor allem durch die Einführung der erwähnten Finanzsoftware.

Wie wirkte die BLKB als Partnerin mit?

Die BLKB unterstützte uns im gesamten Projektablauf. Angefangen bei den ersten Gesprächen zu den neuen ISO-20022-Zahlungsverkehrsformaten im Sommer 2017, über eine Unterstützung in der Evaluation der Finanzsoftware bis hin zur Analyse von Testdateien und der Überprüfung der ersten produktiven Zahlungsdateien im pain.001-Format. Auch dringende Fragen wurden stets schnell beantwortet.

Was empfehlen Sie anderen Unternehmen?

Auch wenn mit ISO 20022 auf standardisierte Zahlungsverkehrsformate umgestellt wird, sollte die hierfür notwendige Zeitdauer nicht unterschätzt werden. Gleichzeitig sollte rechtzeitig mit der Bank, aber auch dem jeweiligen Anbieter des eingesetzten Finanz- oder ERP-Systems Kontakt aufgenommen werden, um die Umstellung zu planen.

Über die Thommen Gruppe

1936 von Gustav Thommen gegründet, zählt die Thommen Gruppe mit Hauptsitz in Kaiseraugst (AG) zu einem der führenden Schweizer Unternehmen in der Wertstoffrückgewinnung. Das Kerngeschäft besteht im Recycling und Handel von metallhaltigen Abfällen, insbesondere Eisen- und Metallschrott, Elektronikschrott, Altautos, sowie Recycling für Industrie und Gemeinden. Die Thommen Gruppe ist eine Familien-Aktiengesellschaft und wird in der nunmehr dritten Generation von Dr. Tobias Thommen geleitet. Sie hat zusätzliche Schweizer Standorte in Aarwangen, Amriswil, Bern, Bex, Biel, Genf, Givisiez, Liestal, Regensdorf, Staad und Thörishaus sowie Auslandstandorte in Deutschland, Italien und Belgien.

Die Thommen Gruppe nutzt als Finanzsystem SAP S/4HANA und als Finanzsoftware mammut LION.

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Martin Zimmermann
Leiter Produktmanagement Basisprodukte und Zahlungsverkehr
Martin Zimmermann leitet die Abteilung Basisprodukte und Zahlungsverkehr im Produktmanagement der BLKB. Er hat sich den Themen Digitalisierung und Zahlungsverkehr-Harmonisierung verschrieben und bloggt dazu auch auf BLKBlive.

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