Aktienrückkäufe bei US-Unternehmen sehr beliebt

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Vor- und Nachteile für Investoren
In den USA sind Aktienrückkäufe ein beliebter Weg, überschüssiges Geld an die Aktionäre zurückzugeben. Bereits in den letzten guten Börsenjahren bewegten sie sich auf einem hohen Niveau. Die Ende 2017 verabschiedete Steuerreform hat den Rückkaufsankündigungen nochmals Schub verliehen. So wurden seit Anfang Jahr Aktienrückkäufe in der Höhe von über USD 150 Mrd. angekündigt.

Warum kaufen Unternehmen eigene Aktien zurück?
Hält ein Unternehmen überschüssige Mittel, kann es diese für den Ausbau der eigenen Geschäftstätigkeit verwenden oder in den Kauf anderer Unternehmen investieren. Sind diese Optionen ausgeschöpft oder potenzielle Übernahmeobjekte zu teuer, sollte das Unternehmen die Mittel an die Aktionäre zurückführen, da sie ansonsten die Kapitalrenditen schmälern. Dies kann einerseits über die Ausschüttung von Dividenden erfolgen, andererseits über den Rückkauf eigener Aktien. Letztere Option hat den Vorteil, dass sie von den Aktionären nicht wie Dividenden als Einkommen versteuert werden muss. Vor allem in den USA wurden Aktienrückkäufe in den letzten Jahren immer beliebter.

Auswirkungen auf den Aktienkurs und die Bewertung
Natürlich tritt durch die Rückkäufe der eigenen Aktien ein gewichtiger weiterer Käufer am Markt auf, weil die Höhe eines Rückkaufprogramms in der Regel einem substanziellen Teil der Marktkapitalisierung entspricht. Daher hat meistens alleine schon die Ankündigung einen positiven Effekt auf den Aktienkurs. Wenn das Unternehmen die zurückgekauften Aktien vernichtet, reduziert sich die Anzahl der ausstehenden Aktien. Damit tritt eine sogenannte Gewinnverdichtung ein: Der gleich hohe Gewinn wird auf weniger Aktien verteilt, und damit steigt der Gewinn pro Aktie an, ohne dass das Unternehmen besser gearbeitet hätte. Da eine der meist beachteten Bewertungskennzahlen für Aktien das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist, sinkt dadurch natürlich auch die Bewertung.

Potenzielle Nachteile für die Investoren
Der Bonus vieler Unternehmensleitungen in den USA ist an den Gewinn pro Aktie und andere Kennzahlen, wie zum Beispiel die Eigenkapitalrendite, geknüpft. Letztere wird durch die Verringerung des Eigenkapitals durch Aktienrückkäufe ebenfalls verbessert. Aktienrückkäufe zu maximieren liegt daher im Interesse des Managements – auch wenn keine überschüssigen Mittel vorhanden sind. In diesen Fällen werden die Rückkäufe durch eine Erhöhung der Schulden fremdfinanziert. Bei gleichzeitiger Verringerung des Eigenkapitals erhöht dies natürlich das Risiko des Unternehmens. Oftmals wird dieses Vorgehen aber als Optimierung der Kapitalstruktur auch von den Aktionären begrüsst, da die Bewertung ab- und die Eigenkapitalrenditen zunehmen – zumindest pro Aktie. Ein langfristig orientierter Eigentümer sieht sich dagegen mit einer Schwächung der Bilanz konfrontiert.

Ein weiterer Nachteil für Aktionäre erwächst aus der Tatsache, dass wenn die Rückkäufe zu hohen Kursen erfolgen, die Mittel in anderer Verwendung wahrscheinlich bessere Renditen erzielt hätten – vor allem, wenn die Aktie nach den Rückkäufen nach unten korrigiert. Ein wirklich positiver Effekt für die Investoren wird durch Aktienrückkäufe also nur dann erzielt, wenn die Rückkäufe zu Kursen unter dem inneren Wert der Aktie erfolgen, mit vorhandenen überschüssigen liquiden Mitteln getätigt werden und keine potenziell bessere Verwendung der Mittel in Form von Investitionen oder Zukäufen vorhanden sind.

USA: Erhöhtes Risiko im Umfeld der steigenden Zinsen
Einige US-Unternehmen haben in den letzten Jahren das Fremdkapital in ihren Bilanzen sehr stark ausgebaut, um damit Aktienrückkäufe zu finanzieren. Die US-Notenbank hat letztes Jahr die lange Periode der ultratiefen Zinsen beendet und den Zyklus der Zinserhöhungen eingeleitet. Es ist daher absehbar, dass die Finanzierungskosten für die Unternehmen mit hoher Verschuldung ansteigen werden. Folglich sind das Rückkaufpotenzial und damit die unterstützenden Effekte für die Aktienkursentwicklung bei diesen Unternehmen eingeschränkt. Anleger sollten deshalb bei der Auswahl von US-Aktien auf solche achten, die ihre Aktienrückkäufe mit vorhandenen oder regelmässig erwirtschafteten liquiden Mitteln tätigen können.

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Regula Simsa
Finanzanalystin bei BLKB
Regula Simsa ist Analystin im Investment Center der BLKB. Sie ist zuständig für die Finanzanalyse unter Einbezug von Nachhaltigkeitsaspekten, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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