Gute Wachstumsaussichten bergen auch Risiken

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Die wirtschaftlichen Perspektiven für das laufende Jahr präsentieren sich auf breiter Front ausgesprochen gut. Erst kürzlich revidierte der Internationale Währungsfonds (IWF) aufgrund der stimulierenden Wirkung der US-Steuerreform seine Prognosen für 2018 und 2019 nochmals nach oben. Rund 1.2% mehr Wachstum dürfen die Amerikaner über die nächsten drei Jahre erwarten. Der weltweite Wirtschaftsaufschwung wird dabei durch ein Anziehen der Investitionstätigkeit in den USA und in der EU zusätzlich getragen; die Investitionsfreude der Unternehmen war schon lange nicht mehr so ausgeprägt. Der Optimismus hat denn letztes Jahr auch rund 2.1 Mio. neue Arbeitsplätze in den USA geschaffen, was die Konsumenten, ähnlich wie in der EU, in Ausgabestimmung versetzt. Alles scheint also perfekt zu sein.

Die Kehrseite der Medaille

Die US-Steuererleichterungen reissen aber erst einmal ein weiteres Loch in die Staatskasse. Sollten die fehlenden Steuereinnahmen durch zusätzliches Wirtschaftswachstum nicht kompensiert werden, werden die Amerikaner auf einem noch höheren Schuldenberg sitzen bleiben. Diese Überlegung und das damit verbundene Leistungsbilanzdefizit erklären unter anderem die aktuelle Schwäche der US-Währung. Eigentlich müsste der US-Dollar aufgrund der höheren US-Zinsen zur Stärke neigen, doch die Defizite wiegen im Augenblick stärker. Mittelfristig hat die Schwäche des US-Dollars das Potenzial, die US-Inflation überraschend zu befeuern. Die US-Notenbank FED wäre dann gezwungen, die Zinsen stärker als erwartet zu erhöhen. Wie die Kursreaktionen der letzten Tagen eindrücklich aufgezeigt haben, fürchten Aktieninvestoren ein solches Vorgehen, denn mit steigenden Zinsen steigen auch die bereits angespannten Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) der Aktien. Zieht man das KGV als Bewertungsgrundlage für die Aktienmärkte heran, könnten die Börsen plötzlich zu teuer erscheinen. Die damit verbundene Unsicherheit liess die Volatilität an den Börsen in den vergangenen Tagen dramatisch ansteigen und führte zu einer weiteren Kurserosion. Kurzfristig wird uns die hohe Volatilität begleiten, denn eine Beruhigung der Märkte kann unter den gegebenen Umständen Wochen dauern.

Umweltthemen als langfristige Risiken

Langfristig werden uns zusätzlich andere Herausforderungen begleiten, die nur schwierig zu quantifizieren und eher nicht finanzieller Art sind. So identifizierte das WEF in seinem jährlichen Global Risk Report zum wiederholten Mal, dass ein grosser Teil der globalen langfristigen Risiken ökologischer Natur ist. So gehören zu den Risiken mit höchster Eintrittswahrscheinlichkeit und hoher Auswirkung unter anderem extreme Wetterbedingungen, Naturkatastrophen und das Versagen, den Klimawandel zu lindern.

Die ökologischen und sozialen Risiken haben die wirtschaftlichen Risiken in ihrer Relevanz für Wirtschaft und Gesellschaft schon vor Jahren überholt. Der Klimawandel und, damit verbunden, die Transformation unserer aktuellen Wirtschaft in eine «low carbon economy», einer Wirtschaft mit tiefem CO2-Ausstoss, stellt über die kommenden 10 bis 15 Jahre nebst der Digitalisierung wohl den grössten Hebel für die Weltwirtschaft dar. Anleger und Unternehmen sind gleichermassen gefordert. Dabei spielt das Erreichen des 2-Grad-Ziels aus dem Pariser Klimaabkommen eine zentrale Rolle: Die damit verbundene notwendige Dekarbonisierung der Weltwirtschaft wird nicht nur bei einzelnen Firmen, sondern auch bei ganzen Industrien zu einschneidenden Veränderungen führen. Wie ein Sprichwort besagt – des einen Leid ist des anderen Freud. So werden es weniger nachhaltige Industriezweige in einer «low carbon economy», schwierig haben, während die Transformation der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit den zukunftsorientierten Unternehmen neue Geschäftsopportunitäten eröffnen wird.

Zukunftsorientierte Anleger sind nun gefordert, sämtliche Risiken – seien sie finanzieller oder nicht-finanzieller Art – bereits heute in ihren Anlageentscheiden zu berücksichtigen und ihr Portfolio nachhaltig auszugestalten. Nur so kann der langfristige Erfolg gesichert werden.

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Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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