Auswirkungen der US-Steuerreform

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Positive Effekte weitgehend in den Kursen enthalten

Als eines der wichtigen Ziele der Trump-Regierung hat der amerikanische Kongress im Dezember letzten Jahres eine Reform des Steuersystems („Tax Cuts and Jobs Act“) verabschiedet. Ein Kernstück der Reform ist die Senkung des Unternehmenssteuersatzes von 35% auf 21%. Dies wird einen direkten positiven Effekt auf die Nachsteuergewinne haben und dadurch die Unternehmenswerte erhöhen. Gleichzeitig haben einige Unternehmen in Zusammenhang mit dem boomenden Arbeitsmarkt bereits Lohnerhöhungen und Einmalzahlungen an die Angestellten angekündigt. Damit kommen die neuen Regelungen auch den Haushalten zugute. Die Gewinnschätzungen für 2018 wurden daher für viele Unternehmen nach der Verabschiedung der Reform stark nach oben revidiert. Für den Gesamtmarkt wird von einem Zuwachs der Gewinne um bis zu 10% aufgrund der geänderten Besteuerung ausgegangen.

Repatriierung der Barbestände wird attraktiv

Ebenfalls Teil der Reform sind neue Steuerregeln für die Guthaben, die amerikanische Unternehmen im Ausland halten. Schätzungen gehen davon aus, dass es sich dabei um die gigantische Summe von USD 2,5 Billionen handelt. Bisher mussten US-Unternehmen auf Gewinne im Ausland keine Steuern zahlen, solange sie diese nicht in die USA zurückführten. Ab diesem Jahr wird für Barmittel in Übersee nun eine Rate von 15,5% fällig, für illiquidere Anlagen 8%. Damit ist der Anreiz gegeben, diese Gelder zu repatriieren. Die US-Politiker erhoffen sich dadurch unter anderem Investitionen in den USA und, damit verbunden, die Schaffung von Arbeitsplätzen. Es ist aber ebenfalls davon auszugehen, dass ein Teil der Mittel in Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe fliessen wird, was vor allem die Aktionäre freuen wird. Auch die Übernahmetätigkeit wird durch die zusätzlich verfügbaren Mittel zunehmen. Viele Unternehmen planen ausserdem einen Abbau der Schulden.

Apple hat als einer der ersten grossen Konzerne angekündigt, einen substanziellen Teil seiner Guthaben von rund USD 260 Mrd. in die USA zurückzuführen und rechnet darauf mit Steuerzahlungen in der Höhe von USD 38 Mrd. – die grösste je bezahlte Steuerrechnung eines Unternehmens in den USA.

USA hoch bewertet – Aufholpotenzial in anderen Regionen

Während die Senkung der Steuerrate die Unternehmensgewinne langfristig erhöht, sind die Effekte aus der Repatriierung der Barmittel eher einmaliger Natur. Seit der Verabschiedung der Reform im Dezember vergangenen Jahres haben die Aktienkurse infolge der höhere Gewinnschätzungen entsprechend zugelegt – alleine in diesem Jahr liegt der Dow Jones Index bereits 6% im Plus. Damit sind die positiven Auswirkungen der US-Steuerreform zu einem grossen Teil bereits in den Kursen enthalten. Aufgrund der inzwischen hohen Bewertung des amerikanischen Aktienmarktes sehen wir daher mehr Potenzial in anderen Regionen, wie zum Beispiel in Europa oder Asien.

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Regula Simsa
Finanzanalystin bei BLKB
Regula Simsa ist Analystin im Investment Center der BLKB. Sie ist zuständig für die Finanzanalyse unter Einbezug von Nachhaltigkeitsaspekten, das heisst die Beurteilung von Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien und die Erarbeitung von entsprechenden Anlagelösungen.

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