2018: Ein Jahr für «Stock Picking»

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Wir blicken auf ein ausserordentlich gutes Aktienjahr zurück. Die Performance der globalen wie auch der hiesigen Börsenindizes vermochte mit einem Anstieg von jeweils rund 20% zu entzücken. Der Bullenmarkt hat entgegen allen Befürchtungen den Sprung ins Jahr 2017 locker geschafft und im Jahresverlauf sogar nochmals an Tempo zugelegt. Was heisst dies nun für das Schweizer Aktienjahr 2018?

Anspruchsvolle Ausgangslage

Der Blick auf den fulminanten Kursverlauf im letzten Jahr lässt die Ausgangslage für 2018 anspruchsvoll erscheinen. Mit dem breit abgestützten globalen Konjunkturaufschwung können wir jedoch auf solide Fundamentaldaten als Grundlage für die weitere Kursentwicklung zählen. Die Unternehmensgewinne werden sich entsprechend der erfreulichen Wirtschaftslage dynamisch entwickeln. Zusätzliche Zückerchen wie die US-Steuerreform, die zahlreichen Firmen einen positiven Gewinnbeitrag liefert, werden dabei mit Freuden in die Marktschätzungen mitintegriert. Die weiterhin erfreuliche Gewinnentwicklung dürfte auch 2018 den Nährboden für positive Kursverläufe bieten. Die Titelselektion wird aber an Wichtigkeit gewinnen.

Rückschlagsrisiken nicht ignorieren

Auch wenn ein freundliches Börsenjahr erwartet wird, dürfte 2018 für Aktieninvestoren anspruchsvoller werden. 2017 war nicht nur in Bezug auf die gute Börsenlage ausserordentlich, sondern auch in Anbetracht der damit einhergehenden tiefen Volatilität. Die Anleger haben geopolitische Risiken – die durchaus zahlreich vorhanden wären – in den vergangenen zwölf Monaten keine hohe Bedeutung beigemessen und sind beinahe schon zu sorglos geworden. Es ist damit zu rechnen, dass diese Stimmung nicht ewig anhalten und die Volatilität im Jahresverlauf wieder zunehmen wird. Die Kursexplosionen einiger Unternehmen erhöhen das Risiko eines entsprechend hohen Kursrückschlags, vor allem, wenn parallel dazu die Bewertung den Fundamentaldaten davoneilt und sehr viel Hoffnung in den Schätzungen enthalten ist. Das grundsätzlich positive Sentiment für Aktien darf nicht über teilweise aufkommende Risiken bei erhöhten Bewertungskennzahlen hinwegtäuschen. Entsprechend dürfte 2018 ein Jahr der Aktienselektion werden – ein Jahr für sogenanntes «Stock Picking».

Rosinenpicken angesagt

Gerade im Schweizer Markt ist nach der starken Kursentwicklung der letzten Jahre – vor allem im Bereich der Small und Mid Caps – die Bewertung einiger Unternehmen stark angestiegen. Die Erwartungen, die sich in den Kursen widerspiegeln, sind sehr hoch – und damit auch das Enttäuschungspotenzial. Ganz nach Schweizer Manier heisst es also für das 2018: Rosinenpicken erwünscht. Dabei sind Firmen mit langfristig orientierten Geschäftsmodellen vorzuziehen. Nur ein zukunftsorientiertes Unternehmen mit langfristiger strategischer Ausrichtung wird seine nachhaltige Ertragskraft steigern und den Aktionär langfristig an seiner Wertschöpfung teilhaben lassen können. Mit Blick auf die nahende Dividendensaison ist dies ebenfalls ein wichtiger Aspekt.

Selektiv Opportunitäten nutzen

Interessante Investitionsmöglichkeiten ergeben sich beispielsweise im Schweizer Pharmasektor, der in den letzten Jahren in Ungnade gefallen ist. Novartis und Roche vermochten zwar mit ihrer Wertentwicklung über längere Zeit nicht zu überzeugen, bieten aber interessante Opportunitäten. Kurzfristig ist Novartis eine bessere Performance zuzutrauen, für langfristige Investoren ist der Einstiegszeitpunkt jedoch bei beiden Titeln reizvoll. Die Dividendenrendite ist mit jeweils über 3% verlockend, und beide Aktien werden auch in den kommenden Jahren zu den attraktiven Dividendenperlen zählen. Zudem sind die beiden Pharmakonzerne mit ihrem Geschäftsmodell in einem zukunftsträchtigen Markt aktiv. Die demographischen Trends spielen den beiden dabei in die Hände. Auch in der Schweizer Industrielandschaft gibt es trotz der im Schnitt hohen Bewertungen weiterhin interessante Opportunitäten – so beispielsweise Autoneum als Profiteur von den aktuellen Trends im Automobilsektor oder LafargeHolcim und Adecco, die beide gut positioniert sind, um von der anhaltend guten Konjunkturlage nachhaltig zu profitieren. Nach einer eher mässigen Kursentwicklung im 2017 dürften die drei wieder Boden gegenüber dem breiten Gesamtmarkt gutmachen können.

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Fabienne Erni, CFA
Leiterin Investment Research bei Basellandschaftliche Kantonalbank
Fabienne Erni ist Leiterin Investment Research bei der BLKB. Sie ist spezialisiert auf die Beurteilung von aktuellen makroökonomischen Entwicklungen und die Analyse von Aktien.

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