Arena frei für das Aktienjahr 2018

0
1
1

Ein Blick in die Kristallkugel verheisst fürs kommende Anlagejahr viel Gutes. Bei genauerem Hinsehen finden sich jedoch auch einige blinde Flecken. Während das wirtschaftliche Wachstum nochmals leicht an Fahrt gewinnen dürfte, stehen hinter der Investitionstätigkeit der Unternehmen und der Inflationsentwicklung noch Fragezeichen. Anleger müssen in diesem Umfeld mit höherer Unsicherheit und Volatilität rechnen.

Wachstumsaussichten nach oben angepasst

Bereits im November zeichnete sich ab, dass die Wachstumsraten in Europa und den USA eher zu tief angesetzt waren. Die beiden grossen Notenbanken Fed und EZB haben in ihren Dezembersitzungen die Wachstumserwartungen nochmals nach oben revidiert. Für die USA dürfte 2018 ein Wachstum von rund 2.5 % realistisch sein. In der Eurozone prognostiziert die EZB ein Wachstum von 2.3 %. Vor zwei Monaten lagen die Markterwartungen hier noch bei mageren 1.8 %. Dabei behielten beide Notenbanken ihre Inflationsprognosen stabil. Für die Schweiz darf man ebenfalls optimistisch ins neue Jahr blicken. Der günstigere Schweizer Franken wird die Exportindustrie zusätzlich beleben und den jüngsten Anstieg der Schweizer Industrieproduktion weiter tragen. So springt die Wachstumsprognose für die Schweiz auch auf rund 2% an. Die höchsten Werte erwarten Ökonomen weiterhin in Südostasien mit rund
6 % Wachstum. Der Optimismus ist also breit abgestützt. Fragen aufkommen lässt dabei die immer noch tiefe Investitionstätigkeit der Unternehmen. Unter den genannten Bedingungen würde man erwarten, dass die Unternehmen einen Teil ihrer Gewinne in langfristige Investitionen leiten. Diese Entwicklung fand bislang nur vereinzelt statt. Für einen Aufschwung, der über 2018 hinausgehen soll, müssen die Unternehmen aber verstärkt in Forschung, Infrastruktur und Humankapital investieren.

Obligationen mit roter Null

Trotz leichten Zinssteigerungen konnte sich die Wertentwicklung festverzinslicher Papiere 2017 über der Nulllinie halten. Mit steigendem Wirtschaftswachstum dürfte der Inflationsdruck – wenn auch auf geringem Niveau – soweit zunehmen, dass, damit verbunden, die langfristigen Zinsen unter Aufwärtsdruck geraten dürften. In der Folge verlieren langlaufende Obligationen deutlich an Wert. Das Zinsrisiko (Duration) ist nächstes Jahr also kein Freund des Anlegers. Kurzlaufende Kreditanleihen hingegen dürften sich auch in naher Zukunft stabil entwickeln, denn die Kreditspannen werden von guten Unternehmensgewinnen weiterhin gestützt.

Aktien stehen im Vordergrund

Für Aktien stehen praktisch alle Zeichen auf grün. Die Bewertungen relativieren sich mit den gestiegenen Gewinnerwartungen für 2018 auf faire Niveaus. Dabei bleiben die USA und die Schweiz eher stolzer bewertet als die Eurozone oder Asien. Ein Blick auf die Margenentwicklung lässt keine Anzeichen von Müdigkeit aufkommen und wird die Profitabilität der Unternehmen weiter stützen. In den USA dürften die möglichen Steuererleichterungen nochmals zu Aktienrückkaufprogrammen und Sonderdividenden von US-Unternehmen führen. Trotzdem sollten Anleger nicht blind alles kaufen was einen Börsenticker besitzt, denn der Bullenmarkt dauert schon einige Jahre an. Dabei schliesst er aber noch nicht ganz an den längsten Bullenmarkt aus dem Jahre 1990 an. Es bleibt also noch Luft.

In einem solchen Marktumfeld ist es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Am meisten Chancen für eine attraktive Performance bieten Aktien aus der Eurozone. Noch immer unterschätzen die Investoren die Auswirkung eines anspringenden Binnenkonsums und der breit abgestützten globalen Konjunkturerholung auf die Gewinnaussichten der Unternehmen. Zudem winken attraktive Dividendenrenditen – gerade im Hinblick auf das anhaltende Tiefzinsumfeld ein wichtiges Investitionsargument. Auch asiatische Aktien dürften weiter Potenzial haben, den Rest des Marktes zu übertreffen.

1
1
Teilen.
Patrik A. Janovjak, CIO
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

Eine Antwort geben