Frühzeitige Planung der Pensionierung ist zentral

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Die Menschen werden immer älter. Dabei sind die neuen Herausforderungen, die mit der steigenden Lebenserwartung einhergehen, nicht zu unterschätzen. Bis im Jahr 2030 wird in der Schweiz schätzungsweise jede vierte Person über 65 Jahre alt sein. Aber nicht nur die steigende Anzahl Rentnerinnen und Rentner hat Konsequenzen, sondern auch deren Lebensstile. Die einstigen Senioren treten immer mehr aus ihren traditionellen Altersrollen heraus und nehmen oft bis ins hohe Alter aktiv am Gesellschaftsleben teil. Einerseits stellt diese Entwicklung neue Anforderungen an moderne Wohnformen, andererseits verlangt sie geeignete Möglichkeiten zur Finanzierung.

Pensionierung ändert Einkommenssituation

Mit der Pensionierung ändert sich einiges im Leben eines Menschen. Die Gewohnheit und die Konstanz, die der Arbeitsalltag viele Jahre mit sich brachte, fällt oftmals abrupt weg. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich viele Wohneigentümer in dieser Phase der Neuorientierung wünschen, so lange wie möglich im trauten Eigenheim zu wohnen. Doch ist man erst einmal im Rentnerleben angekommen, verändert sich nicht nur der Tagesablauf, sondern auch die Einkommenssituation. Einkommenseinbussen von 30 bis 40%sind nach der Pensionierung keine Seltenheit. Noch grösser können die Einbussen ausfallen, wenn für die Finanzierung des Wohneigentums Vorsorgegelder aus der 2. Säule bezogen wurden.

Hohe Tragbarkeitsanforderungen als Herausforderung

Kein Wunder also, dass sich viele Pensionäre Sorgen darüber machen, ob ihre Bank die Hypothek noch weiterführt. Die traditionelle Bankregel besagt nämlich, dass die Zinsen, die Nebenkosten sowie die Amortisation, sofern eine notwendig ist, einen Drittel des Haushaltseinkommens nicht übersteigen darf. Dabei rechnen die Banken mit dem sogenannten kalkulatorischen Zinssatz von 5%, der dem langjährigen Durchschnitt der Schweizer Hypothekarzinsen entspricht. Für die Nebenkosten setzen die meisten Banken 1% des Liegenschaftswertes ein. Für ein Haus oder eine Wohnung mit einem Wert von einer Million und einer Hypothek von CHF 600‘000 ist also ein Renteneinkommen von rund CHF 120‘000 notwendig.

Aber auch Personen, die über die Jahrzehnte hinweg ihre Hypothek immer fleissig zurückbezahlt haben, um im Alter die Tragbarkeitshürden zu erfüllen oder möglichst kostenfrei zu leben, können plötzlich vor vermeintlich unüberwindbaren Herausforderungen stehen. Denn nicht nur sie sind älter geworden, sondern auch ihre Liegenschaft. Auf einmal rinnt das Dach, die Heizung steigt aus oder die Fenster müssen saniert werden. Rücklagen sind keine vorhanden, da die gesamten Ersparnisse in die Amortisation der Hypothek geflossen sind. Liquiditätsengpässe sind die Folge. In solchen Situationen scheint der einzige Ausweg die erneute Erhöhung der Hypothek zu sein. Eine Aufstockung der Hypothek hat aber auch immer wieder eine erneute Beurteilung der Tragbarkeit zur Folge.

Wohnsituation im Pensionsalter planen

Wie man es dreht oder wendet, die traditionellen Bankregeln scheinen nicht in der Gunst der Pensionäre zu stehen. Da es jedoch nicht das Ziel der Hypothekarinstitute ist, Personen über 65 aus dem geliebten Eigenheim zu vertreiben, müssen innovative Lösungen gefunden werden. So haben einige Banken zum Beispiel die vor allem im Ausland bekannte «Reverse Mortgage» (Deutsch: Umkehr-Hypothek) für sich entdeckt und umgesetzt. Dieses Modell erlaubt es Rentnern, ihre Hypothek bis zu einer definierten Belehnungsgrenze aufzustocken, ohne dass die traditionellen Tragbarkeitsregeln zum Einsatz kommen. Der Erhöhungsbetrag kann danach in monatlichen Raten zur Aufbesserung des Renteneinkommens ausbezahlt werden, oder aber als Einmalzahlung für die Durchführung von Sanierungen oder Renovationen.

Entscheidend für eine entspannte Wohnsituation im Pensionsalter ist jedoch nicht ein passendes Bankprodukt, sondern eine vorausschauende und frühzeitige Planung. Setzt man sich zu spät mit der Frage nach der Wohnform im Alter auseinander, fehlt oft die notwendige Zeit, um finanzielle Lücken zu schliessen. Bei den Überlegungen, wie man im dritten Lebensabschnitt wohnen und leben will, sollten nicht nur die finanziellen Aspekte berücksichtigt werden. Wichtig ist auch, dass die Liegenschaft altersgerechte Ansprüche erfüllt. Damit sind vor allem Barrierefreiheit, rollstuhlgängige Parkplätze, die Liftsituation sowie der Zugang zu Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichen Verkehrsmitteln gemeint.

Weitere Informationen

Hypothek im Alter

Factsheet Hypothek im Alter

Produktangebot der BLKB

 

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Fabienne Schindler
Verantwortliche Produktmanagement Hypotheken bei BLKB
Fabienne Schindler ist Betriebsökonomin FH und arbeitet als Produktmanagerin bei der BLKB im Bereich Hypotheken und Immobilien. Sie versorgt die Leserinnen und Leser regelmässig mit Beiträgen rund um die Themen „Mieten, Kaufen, Wohnen“.

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