Nachhaltige Anlagelösungen für aktive und passive Investoren

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Die Diskussion über aktive und passive Anlagestile ist möglicherweise so alt wie der erste Börsenindex. Seit einigen Jahren gesellt sich zu den beiden Ausprägungen eine dritte dazu: Die Nachhaltigkeit.

Eine Frage der Anlagephilosophie

Egal ob aktiver oder passiver Anlagestil – beide Ansätze haben Vor- und Nachteile und entspringen unterschiedlichen Grundannahmen und Risikoverständnissen. Die Frage, welcher der beiden denn besser sei, kann pauschal nicht beantwortet werden. Aktive Investoren suchen bewusst diejenigen Unternehmen für ihr Portfolio aus, bei welchen sie ein besonders vorteilhaftes Rendite-Risiko-Verhältnis vermuten. Folglich beinhaltet ein aktiv bewirtschaftetes Portfolio in der Regel nur eine Auswahl aller börsenkotierten Aktien. Nebst der Herausforderung diejenigen Titel zu erkennen, die sich überdurchschnittlich entwickeln sollten, muss auch das Risiko der einzelnen Titel möglichst umfassend beurteilt werden. Letzteres ist insbesondere wichtig, um die Risikostreuung (Diversifikation) im Portfolio sicherzustellen. Um ein aktiv bewirtschaftetes Portfolio optimal konstruieren zu können, benötigt der Anleger deshalb einerseits eine finanzanalytische Einschätzung der einzelnen Unternehmen, andererseits eine Einschätzung zum Anlagerisiko der Titel.

Im Gegensatz dazu wählen passive Investoren keine einzelnen Titel aus. Sie halten in der Regel den gesamten Markt, sprich alle kotierten Aktien eines Index in ihrem jeweiligen Indexgewicht. So kauft ein Anleger, der passiv in den Schweizer Aktienmarkt investieren möchte, zum Beispiel einen Indexfonds oder ETF auf den Schweizer Aktienindex SPI. Während er sich damit keine Gedanken über mögliche Renditeschätzungen machen muss, kümmert er sich ebenfalls nur wenig um das Risiko einzelner Anlagen, da der Index in seiner Breite als optimal diversifiziert gilt. Finanzanalytische Einschätzungen sind für diesen Ansatz irrelevant. Der passive Anleger überlässt damit einen nicht unwesentlichen Teil der Anlageentscheidung dem Markt. Das passive Portfolio bewegt sich jederzeit gleich wie der zugrundeliegende Aktienindex – nach oben wie auch nach unten. In erwähntem Beispiel hat der Anleger also keine Möglichkeit, Anpassungen in seinem Portfolio vorzunehmen, ausser er verkauft das gesamte Investment.

Kosten als zentraler Faktor

Zu den wohl prominentesten Vertretern eines passiven Anlagestils gehören die Mehrzahl aller Pensionskassen und Versicherungsgesellschaften. Ein immer wieder betonter Vorteil des passiven Anlagestils ist die relativ kostengünstige Umsetzung. Da im Vergleich zum aktiven Anlagestil keine Finanzanalysen oder Prognosen nötig sind, entfallen diese Kosten bei einer reinen Replikation eines Aktienindex. Das resultierende passive Anlageprodukt kostet deshalb weniger als ein aktives. Diese Kosteneinsparung kann über die Jahre schon einige Prozentpunkte ausmachen. Umso höher sind die Ansprüche aktiver Investoren an ihre Portfolios. Oftmals vergessen sie aber, dass es dabei nicht ausschliesslich um die Rendite des Portfolios geht, sondern auch um die eingegangenen Risiken.

Nachhaltigkeit aktiv gesucht

Nachhaltiges Anlegen wird seit einigen Jahren besonders intensiv diskutiert. In der Vergangenheit galt ein nachhaltiger Anlagestil zwingend als aktiver Anlagestil. Nachhaltige Investoren wählen ihre Titel nicht nur nach finanzanalytischen Einschätzungen aus, sondern berücksichtigen dabei auch die Nachhaltigkeit eines Unternehmens. Während sich die klassische Finanzanalyse auf Bilanzkennzahlen und die Gewinnausweise der Unternehmen stützt, beurteilt die Nachhaltigkeitsanalyse im weiteren Sinne die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Der wohl bekannteste Ansatz ist die sogenannte ESG-Analyse. Hierbei werden die für ein Unternehmen wesentlichen Faktoren aus den Bereichen Umwelt (Environmental = E), Soziales (Social = S) und Unternehmensführung (Governance = G) analysiert, um beurteilen zu können, wie nachhaltig es wirtschaftet. Diese Information unterstützt den aktiven Anleger nicht nur bei der Beurteilung der Zukunftsaussichten des Unternehmens, sondern gibt ihm auch Hinweise zum Risiko. Aktuelle Studien zeigen auf, dass nachhaltige Unternehmen oft deutlich geringeren Risiken ausgesetzt sind als andere. Nachhaltigkeit wird also immer mehr auch zu einem Risikoindikator.

Neue Wege für passive Investoren

Seit einigen Jahren zeigen auch passive Anleger ein wachsendes Interesse am Thema Nachhaltigkeit. So schlossen sich verschiedene Pensionskassen Ende 2015 zum Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK) zusammen, um das Nachhaltigkeitsthema auch bei institutionellen Anlegern zu lancieren. Erste Massnahmen daraus waren die Dekarbonisierung einzelner Portfolios, indem besonders CO2-belastete Anlagen abgestossen wurden. Heute gehen einzelne institutionelle Investoren aber deutlich weiter. Erst kürzlich hat der Schweizer Rückversicherer Swiss Re bekanntgegeben, ESG-Faktoren zukünftig bei all seinen Anlagen berücksichtigen zu wollen.

Gleichzeitig eröffnen sich bei den Anlageprodukten neue Perspektiven. So haben einzelne ETF-Anbieter neu auch nachhaltige Indizes im Angebot. Diese unterscheiden sich aber in ihrer Zusammensetzung oft zu stark von den bekannten Aktienindizes und bieten passiven Anlegern damit keine echte Alternative. Ein von der BLKB entwickelter innovativer Ansatz ermöglicht es passiven Anlegern, traditionelle Indizes bei gleichzeitiger Anwendung von Ausschlusskriterien und Integration von ESG-Faktoren sehr nah zu replizieren. Die jüngst lancierten «BLKB iQ Responsible Equity» Fonds sind dabei so indexnah, dass von einem eigentlichen passiven Ansatz gesprochen werden kann.

Alle Anleger können profitieren

Die aktuellsten Entwicklungen bei den Anlageprodukten zeigen einen klaren Trend zu mehr Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit der Anlagen auf. Die Frage, ob Anleger dabei aktiv oder passiv investieren wollen, ist nicht mehr zentral: Für beide Anlagephilosophien gibt es mittlerweile die passenden Produkte. Die zukünftige Diskussion wird also nicht mehr zwischen aktiv oder passiv geführt, sondern verstärkt darüber, wie die Anleger ihre Verantwortung wahrnehmen wollen. Investieren auch Sie zukunftsfähig.

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Patrik A. Janovjak, CIIA
Leiter Investment Center bei BLKB
Patrik A. Janovjak leitet seit 2012 das Investment Center der BLKB. Als CIO verantwortet er die nachhaltige Vermögensverwaltung und spezialisiert sich auf langfristige Anlagethemen mit Schwerpunkten im Bereich ESG.

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